Nürnberg - Erleben wir ein Stück Geschichte? Gelingt in Nahost ein mittleres bis großes Wunder? Steht die Region vor einer Periode des Friedens? Kann sein. Aber was nun geschah, ist erst der Anfang eines mühsamen Weges, kommentiert Alexander Jungkunz.
13.10.2025 16:17 Uhr

Der 13. Oktober 2025 hat ein Stück Geschichte geschrieben. Es ist der Tag, an dem für 20 noch lebende Geiseln ein Martyrium zu Ende ging, das 738 Tage dauerte, mehr als zwei Jahre: Sie sind nun endlich frei - was noch vor wenigen Wochen kaum jemand mehr ernsthaft zu hoffen wagte.

Was die von der Hamas am 7. Oktober 2023 verschleppten Israelis mitgemacht haben, wurde teils dokumentiert. Permanente Todesangst, Hunger, oft Folter, Isolation - tiefe Narben bleiben da, in Körpern und in Seelen.

Für Frieden in Nahost: Es braucht ungeheure Disziplin und Selbstkontrolle

Und die Freude, die Erleichterung, das Aufatmen, der Jubel in Israel sind erst mal riesig. Aber: Ob dieser 13. Oktober 2025 tatsächlich das Ende des Terrors vom 7. Oktober 2023 bedeutet, ob es nun wirklich eine Basis für Stabilität und Frieden in der Region gibt - das ist noch offen. Und dafür braucht es ungeheure Disziplin, Selbstkontrolle und Empathie auf allen Seiten.

„Der Krieg ist zu Ende“, verkündete Donald Trump bei seinem umjubelten Auftritt in der Knesset. Und rief gar das Ende eines Zeitalters des Terrors aus. Seine Rede war, wie üblich, eine Mischung aus Selbstlob, Übertreibungen, undiplomatischen Einmischungen (Israels Präsident Herzog solle doch Netanjahu begnadigen) und, nicht zuletzt, im Prinzip wunderbaren Visionen, starken Bildern.

Eine Region, die ihre Chancen für ein endlich friedliches Zusammenleben erkennt: Wer wünscht sich das nicht? Nicht alle wollen das. Allen voran Iran - dessen erklärtes Ziel bisher die Auslöschung Israels ist. Trump deutete nun einen „Deal“ mit Teheran an, das durch den kurzen, aber heftigen Krieg der USA geschwächt wurde. So etwas wäre wohl in der Tat der Schlüssel für eine umfassende Stabilisierung der Region. Denn Iran hat ja von vielen Seiten aus - über die Hisbollah im Libanon, die Hamas in Gaza und die Huthis im Jemen - alles versucht, Israel zu schaden.

Die entscheidende Frage ist nun: Bleiben alle, die nun die erste Phase des Friedensplans umgesetzt haben, entschlossen dran, auch die nächsten Schritte zu gehen? Zeigt Trump weiter die Energie und Härte, mit der er sowohl Israel als auch die Verbündeten der Hamas zum Einlenken drängte? Verhalten sich die freigelassenen Palästinenser, anders als bisher, friedlich? Sind Israels rechtsradikale Hardliner bereit, dauerhaft Kompromisse zu schließen?

Auftakt einer neuen Ära - oder nur ein Strohfeuer der Hoffnung?

Viele offene Fragen. Aber: Es gab nun immerhin einen Beginn. Das kann der Auftakt zu einer neuen Ära werden. Oder ein Strohfeuer der Hoffnung - sobald die Waffen doch nicht schweigen sollten. Israel und dann Gaza haben durch und nach dem 7. Oktober so viel Schrecken und Leid und in der Folge auch so viel Entmenschlichung der Gegenseite erlebt, dass die größte Herausforderung nun lautet, wieder Menschlichkeit zu zeigen, Feindbilder aus den Köpfen zu bekommen und zu überwinden. Dazu braucht es eine ungeheure, andauernde Anstrengung des festen Willens zur Versöhnung.