
Die Frage war nie ob, sondern immer nur wann es passieren würde: Erstmals sind Drohnen über einem deutschen Flughafen aufgetaucht - nur wenig mehr als 100 Kilometer von Nürnberg entfernt.
Und natürlich liegt die Vermutung nahe, dass Russland hinter dieser Aktion stecken könnte. Bewiesen ist das bislang nicht, aber die Sichtungen passen ins Bild dessen, was wir seit Wochen in Europa erleben. Die Luftraumverletzungen in Polen, Skandinavien und im Baltikum durch Kampfjets und Drohnen lassen sich zwar nicht alle zweifelsfrei Russland zuordnen, aber einige eben doch.
Putin ist der Meister des hybriden Kriegs
Zudem erweist sich Wladimir Putin nicht erst seit dem Überfall auf die Ukraine als Meister einer neuen, hybriden Kriegsführung. Überflüge, Sabotage- und Spionageaktionen, Angriffe auf die digitale Infrastruktur, der Einsatz von Migration als Waffe: Gäbe es ein offizielles Lehrbuch dieser nicht mit konventionellen Waffen, sondern mit alternativen und digitalen Methoden ausgefochtenen Auseinandersetzungen, könnten wir nachlesen, dass wir uns schon mitten in diesem Krieg befinden.
Ein Krieg, für den es (noch) keine völkerrechtlichen Regeln gibt und der dennoch brandgefährlich ist. In München mussten zwar „nur“ 3000 Flugpassagiere ein paar Stunden Verspätung ertragen, aber das Hauptziel einer solchen Aktion, die Verunsicherung einer Gesellschaft, ist bereits erreicht.
Deutschland wird wochenlang über Drohnen debattieren: Ein Festakt für jeden Autokraten
Hybride Kriegsführung ist nicht nur deutlich billiger als konventionelle, sie ist auch perfekt dazu geeignet, demokratische Gesellschaften von innen auszuhöhlen. Allein schon die jetzt zu erwartenden heftigen politischen Debatten in Deutschland, ob und was 16 Landespolizeien, die Bundespolizei oder die Bundeswehr in Zukunft bei der Drohnenabwehr können und dürfen sollen, ist ein Festakt für jeden Autokraten, dem liberale Demokratien ein Dorn im Auge sind.
Und genau darum geht es Putin. Drohnen, die ohne Hoheitsabzeichen bei Nacht gespenstisch einschweben und wieder verschwinden, befeuern bis zur Klärung ihrer Herkunft über Wochen die öffentliche Debatte. So lange schüren sie Ängste bei den Menschen, lassen den angegriffenen Staat handlungsunfähig erscheinen und beschädigen damit das Vertrauen in die Demokratie.
Drohnenabwehr: Für die Ukraine bleibt weniger Geld übrig
Der Schaden, den sie anrichten, ist also gewaltig, auch ohne die Zerstörungen, wie sie die russischen Kamikazedrohnen in der Ukraine verursachen. Willkommener Nebeneffekt für Putin: Die Länder der EU werden jetzt deutlich mehr in ihre eigene Luftabwehr investieren müssen - Geld, das dann nicht mehr für die Unterstützung der Ukraine zur Verfügung steht.
Deutschland darf jetzt nicht - wie so oft - naiv reagieren: Niemand, kein Hobbypilot und erst recht kein fremdes Land, hat das Recht, unsere Flughäfen mit Drohnen zu überfliegen. Es braucht jetzt schnell eine starke und einheitliche juristische Grundlage, um diesen Spuk mit allen technischen und - wenn nötig - auch militärischen Mitteln zu beenden.


2 Kommentare
Wowo
Seit Jahren wurde verschlafen, Deutschland in der Lage zu halten, sich zu verteidigen. Drohnen, was ist denn das? Scheint bei uns nicht bekannt gewesen zu sein. Dafür wurde auf überbordende Bürokratie Wert gelegt. Was für ein Versagen.
05.10.2025 20:09 Uhr