Rumänien - Sie wandern gern durch eine ursprüngliche Bergwelt, fürchten sich nicht vor wilden Braunbären und Vampiren, essen gern deftig und haben Latein gelernt? Dann ist Transsilvanien die perfekte Urlaubsregion. Unsere Autorin ist in Draculas Reich gereist.
04.10.2025 07:05 Uhr

„Habt ihr Verwandte in Rumänien?“, fragte mich jeder, dem ich von unseren Herbstferien in Transsilvanien erzählt habe. Dabei wollte ich nach der letzten Bahnreise einfach etwas Unkompliziertes. Unsere neue Wohnung liegt in der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens. Als ich nächtelang wegen des Lärms wach lag, warf ich meine ökologischen Überzeugungen über Bord und schaute, wohin man von Nürnberg aus fliegen kann. Meine Kriterien: Möglichst ursprüngliche Natur, Ruhe, wenig Touristen, bezahlbare Verpflegung und Unterkunft. So sind wir im siebenbürgischen Brașov alias Kronstadt gelandet.

Transsilvanien
Überall in der Natur finden sich halbverfallene Häuser. Das macht das Wandern auch für Kinder spannend. © Jasmin Siebert

Unser Gastgeber Catalin Dudu lädt nach der abendlichen Ankunft am Flughafen Kinder und Koffer in seinen SUV und los geht die Fahrt durch tiefschwarze Nacht. Am nächsten Morgen erwachen wir in einem einfachen, aber pieksauberen Gästezimmer mit Blick auf eine pittoreske Bergwelt. Auf den Wiesen rund ums Casa Catalin grasen Kühe, auf Anhöhen sind halbverfallene Bauernhäuser zu sehen. Bei unseren Wanderungen in den nächsten Tagen werden wir etliche verlassene Häuser entdecken. In Rumänien ist Landflucht weit verbreitet. Um in den Dörfern zu überleben, braucht es eine besondere Geschäftsidee.

Agramonia bietet rumänischen Kleinbauern die Möglichkeit, sich durch Tourismus etwas hinzuzuverdienen

Die hatte Julius Fabini, der Gründer von Agramonia, einer Wortneuschöpfung aus Agrikultur, Rumänien und Harmonie. Der 27-jährige ist in Deutschland aufgewachsen, hat die Ferien aber oft in der Heimat seiner Eltern verbracht, sie sind Siebenbürger Sachsen. Das einfache Landleben möchte er auch anderen näherbringen. In Rumänien sind die kleinbäuerlichen Strukturen noch wie in keinem anderen EU-Land erhalten. Damit dies weiterhin so bleibt, bietet Fabini mit seiner Reiseagentur kleinen landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit, sich durch touristische Angebote etwas hinzuzuverdienen. Auf seiner Internetpräsenz kann man Unterkünfte und Erlebnisse im ländlichen Rumänien buchen. Fabini hat alle Orte selbst besucht, berät am Telefon und ist bei Problemen stets erreichbar.

Unser Gastgeber Catalin Duda hat sein gleichnamiges Gästehaus 2020 eröffnet und managt es seitdem allein. Den ganzen Tag wuselt er herum, versorgt Kühe, Hunde und Katzen, kocht leckere Hausmannskost, wischt Gästezimmer und flitzt zwischen Küche und Speisesaal hin und her, um alle Wünsche zu erfüllen. Unter der Woche übernachten vor allem Handwerker dort, am Wochenende kommen Wandergäste dazu. Praktisch: Die bayerischen Herbstferien decken sich mit den rumänischen, und so urlauben auch zwei ukrainische Mädchen mit ihrer Mutter nebenan. Die Kinder toben den ganzen Tag gemeinsam draußen herum - und ich komme tatsächlich zum Lesen und Spazierengehen.

Wer Latein gelernt hat, ist in Rumänien klar im Vorteil

Im Essenssaal mit rustikalen Holzstühlen und Panoramafenster serviert Catalin Duda deftige Suppe, in der neben Hackfleischbällchen auch Paprika- und Karottenstückchen schwimmen. Ausnahmsweise essen die Kinder auch das Gemüse anstandslos, wird hier doch sonst überwiegend Fleisch serviert. „Wir sind auf 1700 Metern Höhe und arbeiten hart. Deswegen essen wir viel Fleisch“, übersetzt die App seine Erklärung. Denn unser Gastgeber spricht weder Englisch noch Deutsch und wir kein Rumänisch. Wir verständigen uns mit Gesten, Geduld und Übersetzungsapps. Dabei merke ich, wie nützlich es war, Latein zu lernen: „autoservire“, „urs brun“ oder die Verbformen von „sein“ – vieles kommt mir bekannt vor.

Transsilvanien
Die Vielfalt der Baumarten sorgt für ein farbenfrohes Spektakel im Herbst. © Jasmin Siebert

Graf Dracula und Braunbären - dafür ist Transsilvanien bekannt

Bekannteste Sehenswürdigkeit in Transsilvanien ist Castelo Bran, das als Schloss Draculas vermarktet wird. Um die Kinder dafür zu entschädigen, dass das Süßigkeiten-Betteln an Haustüren in Rumänien nicht verbreitet ist, fahren wir an Halloween inach Bran. In der Touristenhochburg sind einige verkleidete Hexen und Vampire unterwegs, die Schlange vor dem Schloss ist noch länger als sonst. Wir begnügen uns mit dem Souvenirmarkt vor dem Eingang und dem Handarbeiten-Markt im Park. Neben dem Spielplatz mit seinen drei Rutschen ist auch eine Rutsch-Hüpfburg aufgebaut, wie es überhaupt einige tolle Spielplätze in dem Land gibt.

Transsilvanien
Die Bären-Auffangsation Libearty Bear Sanctuary in Zarnesti bietet aus Gefangenschaft geretteten Bären ein artgerechtes Leben. © Jasmin Siebert

Unser Highlight ist ein Ausflug zur Bären-Auffangstation Libearty Bear Sanctuary in Zarnesti. Dort leben aus Gefangenschaft gerettete Tiere, Einlass ist erst ab fünf Jahren und insbesondere bei Ausländern wird das Alter auch streng kontrolliert. Sie aus nächster Nähe zu beobachten, wie sie herumtollen und auf Bäume klettern, ist ein unvergessliches Erlebnis. Was die Führerin in routiniertem Englisch von Bären erzählt, die jahrelang in Käfigen vegetieren mussten, berührt uns sehr. Gern hätten wir mehr Zeit bei den Bären verbracht, doch die Führungen sind eng getaktet, und nach einer guten Stunde werden wir schon wieder nach draußen entlassen.

Siebenbürgen
Brașov alias Kronstadt ist eine Großstadt im rumänischen Siebenbürgen. © Irene Daxer/punktX GbR


Mehr Informationen:

Julius Fabini, der Gründer von Agrarmonia, berät auf Deutsch zu Unterkünften und Aktivitäten im ländlichen Rumänien, E-Mail: office@agramonia.com, Telefon: 00 4074 8644309.
www.rumaenien-tourismus.de

Anreise:

Mit dem Auto sind es 1500 Kilometer von Nürnberg nach Brașov. Wizz Air bietet dreimal wöchentlich Direktflüge von Nürnberg nach Brașov-Ghimbav.

Wohnen:

Casa Catalin in Şirnea, Buchung über agramonia.com/de

Beste Reisezeit:

Goldener Herbst ab September bis November, aber natürlich auch im Frühling.