Kloster Banz - In Zeiten knapper Kassen scheiden sich die Geister: Die einen setzen aufs Sparen, die anderen auf ein Jetzt erst recht. Das ist Söders erklärter Weg. Und er ist richtig, weil er die Zukunft in den Blick nimmt, kommentiert Roland Englisch.
23.09.2025 14:52 Uhr

Markus Söders Stärke ist die Analyse. Der CSU-Chef erkennt Chancen und Risiken, da fühlen sich andere noch im Status Quo zuhause. Halb Deutschland hat ihn für seine Weltraumpläne verspottet; inzwischen ist Bayern hier ein Hotspot. Als er kurz nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine - und damit, wie wir heute wissen, auf die Nato - eine Drohnenarmee gefordert hat, nahm das niemand ernst.

Seitdem haben wir zwei Jahre verloren im Wettlauf gegen die Russen. Klar, Söder garniert seine Ideen mit symbolhaften, aber eigenwilligen Bildern. Neben seine Drohnenarmee hat er damals einen europäischen Flugzeugträger gesetzt. Der ist in den Köpfen hängen geblieben, nicht die Drohne. Das holt uns dafür heute umso brutaler ein.

Kühne Träume für die Zukunft

Bayerns Erfolg gründet auf solchen Ideen. Franz Josef Strauß hat das Land vom Agrar- zum Industriestaat umgebaut, Edmund Stoiber später den Hightech-Standort erfunden. Söders Vision ist die eines Landes, das zum Marktführer bei Startups und Innovationen wird. Er kann das auch dank der wirtschaftlichen Stärke des Freistaates.

Das Bayern-Paket des Schlagwort-Fans soll den Weg weisen. Und wenn die Staatsregierung seiner Grundlinie folgt, wenn alle mitziehen, kann dies gelingen. Zwar klingen seine Träume von einem Fusionsreaktor in Garching kühn, sind seine Pläne zum Thema Künstliche Intelligenz ambitioniert.

Doch zwei Punkte sprechen dafür. Bayerns wirtschaftliche und damit auch finanzielle Potenz kann dafür sorgen, dass mehr Fördermittel in den Süden fließen, weil das Land immer etwas drauflegen kann. Das gilt auch für Söders Visionen zum Thema Bio Life Sciences oder das Max-Planck-Institut für mRNA-Forschung. Beides ist in weiten Teilen noch Zukunftsmusik. Doch die Corona-Pandemie hat ihr Potenzial gezeigt. Und weil die USA sich aus der seriösen Wissenschaft verabschieden, sieht Söder hier eine doppelte Chance für den Rest der Welt, insbesondere aber für Bayern.

Und damit droht die Stunde der Bedenkenträger. Denn natürlich wird Geld in Projekte fließen, die es am Ende nicht wert waren. Doch Visionen sind nichts, wenn sie niemand angeht und einen Fehlschlag riskiert. So funktioniert Risikokapital: Nicht das einzelne Projekt entscheidet, sondern die Summe aller. Insofern ist Söders Weg richtig, auch bei der Entbürokratisierung. Das Land erstickt im Paragrafendickicht. Wer es entfesseln will, muss hinnehmen, dass er die Axt auch an der falschen Stelle ansetzt.

Wahrscheinlich kippt die Schuldenbremse

Ein Manko freilich hat Söders Bayern-Paket: Er sagt nicht, woher das Geld kommt in Zeiten sinkender Einnahmen, sondern zieht sich hinter die Steuerschätzung zurück. Nachvollziehbar, übers Sparen spricht niemand gern. Doch die Bayern verdienen eine Antwort.

Immerhin deutet Söder an, dass vorübergehend die Schuldenbremse auch in Bayern gelöst werden könnte. Es wäre ein Tabubruch, aber vertretbar, wenn das Geld in Zukunftsprojekte fließt. Bayern kann, muss sich das leisten können.