
Seit geraumer Zeit enden viele Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis mit der erschütternden Erkenntnis: Deutschland hat abgewirtschaftet. Man muss ja nur auf unsere kaputten Brücken, unsere unpünktliche Bahn, die monatelangen Wartezeiten auf medizinische Untersuchungen und die Verteidigungs(un)fähigkeit unserer Bundeswehr blicken.
Die Diagnose ist durchaus richtig. Was an den Gesprächen stark irritiert, das ist die Art und Weise, wie diese Personen darüber sprechen. So, als ereigne sich das alles weit außerhalb unserer eigenen Einflusszonen. Da ist dann schnell von der Politik, den Medien, dem Gesundheitssystem, der Bahn, der Wirtschaft oder gar dem System die Rede. Alle möglichen Verantwortungsträger unserer Gesellschaft sind schuld, so viel steht fest, nur eine Person nicht, nämlich der Mensch uns gegenüber, der sich über das alles beschwert.
Ewiges Gemecker: Die Probleme liegen tiefer
Eine ziemlich törichte Denkweise. Mann kann nicht alles auf ein paar prominente Köpfe schieben. Wenn ein Land Probleme hat, dann hat das sicher auch mit mutlosen und entscheidungsschwachen Politikern zu tun, aber im Wesentlichen doch damit, dass tiefergehend etwas nicht stimmt.
Dass Deutschland über zu wenige junge Menschen verfügt und die Rentenkasse kollabiert, das liegt an vielen Millionen, die sich ganz persönlich gegen Kinder entschieden haben. Dass zu selten Patente aus der Bundesrepublik kommen, liegt an denen, die diese genialen Ideen haben müssten. Dass sich große Bauprojekte elend lange hinziehen, liegt an uns, die wir auf Rechtsmitteln beharren - zumindest dann, wenn wir selbst betroffen sind.
Der Staat und seine Repräsentanten sollen mit diesem Text nicht aus der Verantwortung genommen werden. Sie machen vieles falsch. Auch wir Medien reagieren längst nicht immer perfekt auf Probleme in der richtigen Weise, sei es nun die Corona-Pandemie oder die Migration.
Aber wir sollten nicht den Fehler machen, der AfD auf den Leim zu gehen und alle Schuld dem „System“ zu geben. „System“ ist nach Definition der extremen Rechten schlichtweg alles, was sie selbst nicht sind. Obwohl sie doch in Wahrheit längst genau dort angekommen sind und es sich zum Teil im „System“ ganz bequem eingerichtet haben.
Unser Einfluss ist größer als gedacht: Jeder ist gefragt
Wem unser Land am Herzen liegt, und das sind doch wohl die meisten, der sollte jeweils von seinem Platz aus das tun, was er kann. Viele Menschen in Gesundheitssystem und Schulen beherzigen das schon. Sie holen jeden Tag das Beste aus schwierigen Umständen heraus. Und sie dürfen dann auch gerne schimpfen.
Unser Einfluss ist größer, als wir denken. Mit dem Kauf von Produkten entscheiden wir über die Produktionsbedingungen. Mit jedem aufbauenden statt verstörenden Wort machen wir unserem Umfeld Hoffnung. Mit der beharrlichen Verwirklichung von Geschäftsideen stärken wir Deutschland als Standort. Der Einzelne und die kleine Gruppe sind stärker, als sie denken.

6 Kommentare
Wowo
Je öfter ich mir den Kommentar von Hr. Baumer durchlese, umso unverständlicher wird er mir leider. Der Zustand in unserem Land ist tatsächlich längst nicht mehr so positiv, wie noch vor vielen Jahren. Das läßt sich ja definitiv am Erstarken einer Partei wie der AfD erkennen. Natürlich geht es uns noch besser als manchen Staaten der Welt, aber die Situation schönzureden und die Probleme, die ja tatsächlich existieren mit unbegründetem Postivismus übergehen zu wollen ist einer positiven Entwicklung unseres Staates nicht förderlich. Sind wirklich die Leute, die in ihrer Arbeit alles geben, zuständig für die schlechten Brücken, das definitiv nicht mehr so gute Gesundheitssystem, die Bahn usw.? Der Zustand dieser Bereiche wird ja selbst von Politikern beanstandet und nicht nur von denen der AfD. Wie ich in meinem ersten Kommentar schon sagte, bin ich der Meinung, daß sich noch viele Menschen in Dtl. positiv einbringen, z.B. auch über Ehrenämter, hauptsächlich ältere Menschen, während viele Menschen Billigkleidung usw. bei Shein und Konsorten bestellen, weil es billig ist. Die Rentenkasse würde heute besser dastehen, wenn die vielen Beiträge auch für die kommenden Renten verwendet würden und nicht für sachfremde Themen. Auch die nackten Zahlen, die ja von Politik und Instituten zu den verschiedenen Bereichen veröffentlicht werden sprechen die Sprache der Realität. Bedenken zu haben kann bewirken, daß man sich anstrengt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Schönreden läßt die Bequemlichkeit wachsen, wie man am heutigen Zustand Dtl's im Vergleich zu früher ja eindeutig erkennen kann. Es ist also kein "ewiges Gemecker" und keine "törichte Denkweise", sondern der Blick auf das, was ist. Das betrifft nicht nur Dtl. , sondern die gesamte Welt, oder ist der einzelne Mensch auch Schuld am Gazakrieg oder dem Krieg in der Ukraine? Schuld ist dort das System, für das die führenden Politiker wie Nethanjahu oder Putin usw. stehen und wegen der Probleme, die bei uns die Migration verursacht ist auch nicht Hänschen Müller schuld, sondern Frau Merkel.
25.08.2025 21:03 Uhr