
Sechs so genannte Clearingstellen musste der 1. FC Nürnberg am Freitag einrichten am Max-Morlock-Stadion und einen Schalter, wo Fans unmittelbar vor dem ersten Heimspiel noch ihre Dauerkarte für die neue Zweitliga-Saison abholen konnten. Weil sie nicht rechtzeitig zuhause im Briefkasten gelegen hatte oder fehlerhaft ausgestellt worden war.
Auch neben dem Platz verlief der Start in die Spielzeit 2025/26 ja eher holprig bis turbulent, von den Fußballern des 1. FC Nürnberg auf dem Platz ganz zu schweigen. Inklusive Vorbereitung vier Niederlagen hintereinander, das 0:1 bei der Sportvereinigung Elversberg am Samstag ging sogar in die Wertung ein. Und setzte den Club gleich mal sauber unter Druck.
Die Vorfreude hatte es ziemlich schwer; dass mit dem SV Darmstadt zudem eine Mannschaft gastierte, die nach ihrem 4:1 gegen den VfL Bochum vor Selbstvertrauen kaum noch laufen konnte, machte die ohnehin schwere Aufgabe für Miroslav Kloses Elf nicht unbedingt einfacher. Zumal der Trainer offenbar mit der aktuell zur Verfügung stehenden Qualität nicht ganz zufrieden ist.
Auch deswegen gab der Club exakt 75 Minuten vor dem Anstoß die knapp einjährige Leihe von Henri Koudoussou bekannt, der Außenverteidiger kommt vom FC Augsburg. Mitwirken durfte der 25-Jährige noch nicht gegen die „Lilien“, hätte die 0:1 (0:0)-Heimniederlage aber wahrscheinlich auch nicht verhindert.
Knoche kann nicht klären
Wie schon in Elversberg erwischte es die Nürnberger in der Nachspielzeit, weil Robin Knoche als letztem Mann ein Klärungsversuch missriet. Killian Corredor bedankte sich auf seine Art, extrem bitter für die Gastgeber.
Dabei hatte der Trainer seinen Elversberg-Verlierern die Chance zur Wiedergutmachung eingeräumt und erneut auf Caspar Jander verzichtet, der Filigrantechniker saß nicht mal auf der Bank. Richten mussten es andere und profitieren dabei von einem ausgesprochen freundlichen Empfang der weit über 32.000 Zuschauer.
An Unterstützung mangelte es jedenfalls nicht, trotzdem offenbarten sich schon bald wieder die bekannten Probleme mit Ball. Mit hohen und weiten Schlägen kam der Club oft nur bis zur Mittellinie, wo vor allem der über zwei Meter lange Aleksandar Vukotic mitunter nicht mal springen musste; sein direkter Widersacher Mickael Biron ist über 30 Zentimeter kleiner.
Gefährlich konnten sie deshalb eigentlich nur nach flacher Eröffnung werden oder Zaghaftigkeit im Defensivverbund der Gäste; so fehlte Danilo Soares‘ Distanzversuch in der 18. Minute nicht viel, auch Artem Stepanov verzog nach schöner Vorarbeit von Mickael Biron (42.). Die beste Möglichkeit vor der Pause hatten allerdings die eher an ein Basketball-Team erinnernden „Lilien“.
Marco Richters Direktabnahme aus zwölf Metern konnte Jan Reichert gerade noch so aus dem unteren Eck fischen, eine Wahnsinns-Parade, die seinen in letzter Reihe durchaus stabil wirkenden Club in der Begegnung hielt. In den Strafräumen passierte ansonsten nicht übermäßig viel, sodass sich der Unterhaltungswert doch in Grenzen halten sollte.
Auch nach dem Seitenwechsel brachten die Nürnberger ihre Stärken mit Ball bloß hin und wieder auf den Platz. Für Artem Stepanov durfte jetzt Semir Telalovic sein Glück versuchen gegen die Hünen da hinten, den ersten Treffer des Abends hatte allerdings Hiroki Akiyama auf seinem linken Fuß, scheiterte aber am erneut glänzend reagierenden Jan Reichert, Nürnbergs Bestem (48.).
Auf der anderen Seite traf Semir Telalovic nach schönem Zuspiel von Berkay Yilmaz die Kugel nicht richtig, da wäre deutlich mehr drin gewesen als ein Abstoß. Ansonsten hatten die Gäste neben ihrer körperlichen Überlegenheit bei Standards auch fußballerisch ein bisschen mehr bieten, wirkten bei ihren wenigen Abschlüssen aber nicht wirklich zwingend.
Der Club auch nicht, Tim Janisch probierte es nach einem Konter in Überzahl aus zu spitzem Winkeln (64.), Julian Justvan wenig später mit einem Schlenzer, nunja. Wohl das 1:0 machen müssen hätte Semir Telalovic nach wunderbarem Pass in die Tiefe, der Ball segelte jedoch aus wenigen Metern Entfernung am hinteren Pfosten vorbei (70.). Drin gewesen wäre Robin Knoches Kopfball nach einem Eckstoß kurz darauf, Marcel Schuhen parierte grandios.
Die beste Phase des 1. FC Nürnberg, der, nach vorn gepeitscht von seinem Publikum, aber an Darmstadts Schlussmann zu verzweifeln schien, der auch noch Fabio Grubers Kopfball aus kurzer Distanz irgendwie entschärfen konnte. Mit dem 0:0 hätte der Club immerhin den schlechtesten Zweitliga-Start seit 46 Jahren verhindert - bis Killian Corredor in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch zuschlug.
Nürnberg: Reichert; Gruber, Knoche, Lochoshvili - Janisch, Lubach, Soares (90. Osawe) - Yilmaz, Justvan - Stepanov (46. Telalovic), Biron (66. Maboulou).
Darmstadt: Schuhen; Riedel (80. Maglica), Pfeiffer, Vukotic, Nürnberger – Klefisch, Akiyama (60. Papela) – Marseiler (90. Holland), Richter (60. Corredor) – Lidberg (90. Güler), Hornby.
Schiedsrichter: Lechner (Insel Poel). – Zuschauer: 32.455. – Tor: 0:1 Corredor (90.+4). - Gelbe Karten: Janisch, Lochoshvili / Marseiler, Corredor.





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