
Na klar, könnte man meinen, der junge Journalist ist gegen ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige und die alte Kollegin dafür. Diesem Klischee kann entgegnet werden: Jugendliche selbst wünschten mehrheitlich, TikTok wäre nie erfunden worden. Das ergab die Jugendtrendstudie 2025 des Augsburger Instituts für Generationenforschung. Wenn das mal kein Hilferuf ist.
Kritiker eines Verbots argumentieren, Kinder und Jugendliche müssten den Umgang damit lernen, das Handy gehöre nun einmal zu ihrer Lebenswelt. Gegenargument: Würden Sie einen 14-Jährigen hinters Steuer eines Sportwagens setzen, auch wenn Autos zu seiner Lebenswelt gehören? Ihn mit seinen Kumpels in einer gut bestückten Bar alleine lassen? Oder ihm eine Kiste voller gewaltverherrlichender und pornografischer Hefte nachts aufs Bett stellen? Und sagen: So, bitte sehr, du musst lernen vernünftig zu sein und Nein zu sagen.
Viele Menschen mussten sterben, bis sich nach Jahrzehnten die wissenschaftliche Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Rauchen tödlich ist. Social-Media-Sucht hat - bislang - keine so offensichtliche Auswirkung auf unsere Gesundheit. Doch die Folgen sind nicht weniger gefährlich: für das Gehirn, die Persönlichkeitsentwicklung und ja, sogar für die Demokratie.
Die Gurt- und Kindersitzpflicht, das Rauchverbot für unter 18-Jährige, das Alkoholverbot für unter 16-Jährige, all diese Regelungen haben zur Folge, dass ihre Durchführung kontrolliert werden muss. Das bedeutet Aufwand, Arbeit, Kosten für Erwachsene – aber sind das Gründe, Kinder nicht zu schützen?
Junge Menschen sind neugierig und lernen irre schnell – das gilt für Positives wie Negatives. Ihr Gehirn ist noch gar nicht so weit entwickelt, um komplexe Entscheidungen zu treffen und ihre Impulse zu kontrollieren. Digitale Konzerne setzen alles daran, genau das auszunutzen. Die Frage, ob ein Verbot notwendig ist, stellt sich überhaupt nicht. Sondern nur die Frage, wie die Politik es umsetzen und Unternehmen in die Pflicht nehmen kann, wann im Lehramtsstudium endlich die Komplexität der digitalen Herausforderungen aufgegriffen wird und wann Eltern selbst beginnen, ihren Handykonsum und die Folgen kritisch zu reflektieren.

1 Kommentar
M95L
...der Umgang mit den Medien stellt nicht nur technische Fragen, sondern auch Aspekte der Lebenserfahrung und der Sozialisation in Elternhaus und Schulen. Damit sind auch Erwachsene überfordert, wie tägliche Beobachtungen und Erfahrungen zeigen. KI wird dafür sorgen, daß die Probleme und Folgen des Umgangs mit neuen Technologien zu drastischen Konsequenzen führen werden...
30.07.2025 14:48 Uhr