
Die Gegend zwischen Wöhrder See und Bahndamm hat, freundlich gesagt, durch die Eingriffe der letzten 70 Jahre nicht sonderlich gewonnen: Tullnau-Wirtschaft weg, Herrensitz weg, Zeltner-Brauerei weg, Milchhof weg … Viel Altes ist nicht geblieben, und recht viel schönes Neues nicht hinzugekommen, sieht man einmal von den restaurierten Bauten der Milchhof-Verwaltung, dem Kraftwerk und dem Norikus ab. Und natürlich dem wunderbaren Tullnaupark mit seiner Terrassenanlage!
Mit seinen verschiedenen Ebenen und Pergolen mit auskragenden, profilierten Balken mutet die Anlage aus armiertem Beton und Kunststein, der durch Zugabe von hellem Kalksteinmehl veredelt ist, ein wenig exotisch an. Fast erinnert sie an die Tore und Wandelgänge japanischer Shinto-Schreine und buddhistischer Tempel. Passenderweise prangt an den Gebälken auch noch die heraldische Chrysantheme. Sind die Tullnau-Terrassen also eine Japonesque? Nein. Denn wer genau hinschaut, erkennt sogleich die Balustraden, ionischen und kompositen Säulen, die viel eher an barocke Vorbilder erinnern, wenngleich auch im Sinne der 1920er Jahre spielerisch verändert.
Bitte, 1920er Jahre? Ja! Die bestehenden Terrassen sind eine noch recht junge Schöpfung, die ausgerechnet in wirtschaftlich schweren Zeiten, nämlich 1921-26 entstanden ist. Ihr Stifter und Planer war kein Geringerer als Johann Georg Zeltner junior, Inhaber der Großbrauerei gegenüber. Schon sein Onkel, der berühmte Ultramarin-Mogul Johannes Zeltner, hatte den sandigen Boden hier 1851 in eine gärtnerisch gestaltete Terrassenanlage umwandeln lassen. In der Folge entwickelte sich im „Park Tullnau“ ein beliebter Freizeitpark mit Gastwirtschaft und Weiher, auf dem die Gäste Bötchen fuhren oder sich im Angeln von Karpfen und Flussbarschen maßen.
Wie so oft in seiner Nachkriegsgeschichte hat Nürnberg es hinbekommen, auch dieses Kleinod für Straßenbau und Sparzwang zu verdaddeln. Den historisch hoch bedeutsamen und vom Krieg unberührten Herrensitz im Kressengarten im Südwesten des Parks hat man nur ein Jahr nach Übernahme des Parks durch die Stadt 1954 abgerissen, während man gleichzeitig in der Altstadt Unsummen ausgab, um teils völlig vernichtete Bauten wiederaufzurichten. Da grenzt es an ein Wunder, dass die Terrassen nicht auch dem Rotstift der kulturfernen Oberpragmatiker anheimfielen. Letztere blieben eine beliebte Venue, besonders für Verliebte und frisch Vermählte. Auch Ursula und Otto Sokoll wählten die schöne Szenerie Ende August 1978 für ihre Hochzeitsfotos.
Doch selbst der stärkste Beton geht irgendwann vor Verwitterung und starken Baumwurzeln in die Knie. Nach jahrelanger Sperrung wurde die Anlage in minutiöser Arbeit in den Jahren 2016 bis 2020 sorgsam hergerichtet, stabilisiert und gereinigt. Inzwischen tummeln sich hier wieder regelmäßig Spaziergänger zum Naturgenuss, Kinder zum Fangenspielen und Verliebte für Foto-Shootings vor romantischem Hintergrund. Leider haben auch die weniger begabten Künstler die Anlage wieder für sich entdeckt und ihre unliebsamen Spuren in Form von (künstlerisch leider eher weniger ansprechenden) Graffiti hinterlassen.
Das tut der Freude allerdings keinen dauerhaften Abbruch, dass Nürnberg stolz sein darf auf dieses wunderbare Denkmal großbürgerlicher Schöpferkraft und Mäzenatentums, einem Ort für Romantiker, Kunst- und Naturgenießer gleichermaßen.
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2 Kommentare
chromegoddess
die tulnau muss unter allen umstaenden gehegt und gepflegt werden und auserdem muss sie vor den vandalen mit ihren spraydosen und ihrem primitiven geschmiere geschuetzt werden, auserdem muss darauf geachtet werden dass fremd-pflanzen sie nicht ueberwuchern und zerstoeren ... ein traum-plaetzchen !! <3
26.07.2025 07:37 Uhr