
Wer das römische Kastellgelände von Weißenburg zum Sonnenbaden oder zum morgendlichen Spaziergang mit dem Hund nutzt, weiß zum Teil gar nicht, dass man sich auf einem besonderen Stück Erdoberfläche bewegt, heißt es in einer Pressemitteilung der Museen Weißenburg. Im Kastell war etwa zwischen 100 und 250 n. Chr. eine Reitereinheit stationiert, um die Anlage herum lebte eine große Anzahl an Zivilisten. Und dieses Areal ist, genau wie das Badegebäude unter dem Schutzbau wenige Hundert Meter entfernt, Teil des Unesco-Welterbes.
Beide Stätten sind sogenannte Component-Parts des über mehrere Länder und Hunderte Kilometer verlaufenden Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“, das 1987 mit dem Hadrianswall in Nordengland aus der Taufe gehoben wurde und 2005 mit dem „Obergermanisch-Raetischen Limes“, also der 550 Kilometer langen Strecke zwischen Rhein und Donau, sowie dem Antoninuswall in Schottland 2008 erweitert wurde.
Vortrag im Söller
Am 17. Juli jährt sich die Einschreibung des in Deutschland befindlichen Teils zum 20. Mal, weswegen in vielen anderen Bundesländern schon mal vorgefeiert wurde. Die Museen Weißenburg – mit dem Römer-Museum als Schwerpunktmuseum zum Limes in Bayern geradezu verpflichtet, eine Feier auszurichten – orientieren sich bei ihrer Veranstaltung am tatsächlichen Einschreibungsdatum. Mit einem Festwochenende, das zufälligerweise mit dem Altstadtfest zusammenfällt und so der „Altstadt-Körwa“ noch einen zusätzlichen Touch Kultur und Internationalität verleiht.
Den Auftakt bildet ein öffentlicher Festvortrag am Donnerstag, 17. Juli, im Söller des Gotischen Rathauses. Dr. Markus Gschwind, Bayerischer Limeskoordinator vom Landesamt für Denkmalpflege, berichtet aus 20 Jahren Welterbe Limes – eine Erfolgsgeschichte der Denkmalpflege. Umrahmt wird die Veranstaltung von Justus Willberg von der Weißenburger Musikschule – er ist einer der deutschlandweit renommiertesten Experten für antike Musik. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Führungen und Sonderschau
Von Freitag, 18. Juli, bis zum Sonntag , 20. Juli, finden dann Kurzführungen zum Thema Limes und Welterbe im Römer-Museum statt. Jeweils um 10.30, 12, 14 und 15.30 Uhr werden die Institution Unesco, der Welterbegedanke und die Besonderheiten des Limes und seiner Funktion erläutert. Die Führungen sind, wie auch der Eintritt an diesem Wochenende, kostenfrei.
Zusätzlich zur Dauerausstellung wird im Bereich zwischen Römer-Museum und römischem Weingarten, den das Museumscafé und die Lions Weißenburg zum Altstadtfest aufbauen, eine Sonderausstellung zu sehen sein. „Der Limes – Eine Grenze, die verbindet“, so der Titel der Roll-up-Ausstellung, die von der Deutschen Limeskommission zur Verfügung gestellt wird. Nach dem Festwochenende ist sie bis Ende des Jahres im Bayerischen Limes-Informationszentrum im Erdgeschoss des Museums zu sehen.
Römergruppe schlägt Lager auf
Fester Bestandteil des Altstadtfestes ist seit Jahren das historische Stadtgrabenfest, das auch heuer wieder im Graben vor dem Ellinger Tor durch den Verein Historisches Weißenburg auf die Beine gestellt wird. Die Museen Weißenburg ergänzen diesen Aspekt zum Jubiläum durch eine kleine Römergruppe, die von Freitag bis Sonntag ihr Lager auf der Wiese vor St. Andreas aufschlagen wird.
Auf diese Weise wird das Geschehen im Stadtgraben perfekt mit dem Angebot auf dem Martin-Luther-Platz verbunden. Die römischen Soldaten vom Projekt „Drachenkopfweg“ berichten vom Leben am Limes, erklären ihre Ausrüstung und präsentieren allerlei Utensilien, die man als Legionär auf Marsch und Patrouille dabeihaben musste.
Mit dem Festwochenende und den geplanten Aktionen möchten die Museen Weißenburg den Stellenwert, welchen der Welterbestatus besitzt, verdeutlichen. „Als universelles Welterbe der Menschheit ist der Limes, auch mit seinen Anteilen in Weißenburg und Mittelfranken, ein Bodendenkmal mit allerhöchster Bedeutung – auch wenn es manchmal ein paar Aktionen bedarf, um das ansonsten im Boden verborgene Welterbe greifbar zu machen“, so Museumsleiter Simon Sulk, der das Festwochenende konzipiert hat.


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