Roth/Wendelstein - Welt-Faustball-Präsident Jörn Verleger aus Wendelstein tritt erstmals beim Challenge-Triathlon in Roth an. Nach einer Rückenverletzung startete er sein Training verspätet. Motivation geben ihm nicht zuletzt besondere Erinnerungen an früher.
21.06.2025 11:00 Uhr

Eigentlich hätte Ex-Fußballprofi André Schürrle dieses Jahr sein Langdistanz-Debüt beim Challenge Roth gegeben. Doch eine kurzfristige Absage des Weltmeisters ließ viele Fans enttäuscht zurück. In Roth wagen sich aber auch zahlreiche weitere „fachfremde“ Sportlerinnen und Sportler an den Start – darunter Jörn Verleger, 53 Jahre alt, Präsident des Weltfaustballverbandes (IFA). Darüber berichtet das Team Challenge.

Verleger, gebürtig aus Wendelstein, startet in einer Staffel unter dem Namen „Team Sigena“. Seine sportliche Heimat liegt allerdings nicht im Ausdauersport, sondern in einer der ältesten Ballsportarten der Welt: Faustball.

Für viele mutet es ein wenig an wie eine Kombination aus Volleyball und Tennis nur eben ohne Schläger. Aus Sicht von Jörn Verleger, der seit zehn Jahren an der Spitze des Weltverbandes IFA steht, natürlich eine sehr einfache Umschreibung der Sportart, die auch in Mittelfranken weit verbreitet ist. 2018 war Nürnberg-Eibach Gastgeber der U18-Weltmeisterschaft. „Faustball ist heute eine sehr dynamische Mannschaftssportart“, so der Sportmanager. Mitte August finden die World Games in Chengdu statt, bei denen Faustball dabei ist.

Von der Zuschauertribüne auf die Strecke

Der heutige Freizeitparkleiter in Grünwald verfolgt den Triathlon in Roth schon seit Jahrzehnten. „Ich war 1996 beim legendären Zieleinlauf von Lothar Leder dabei, der als erster Mensch unter acht Stunden blieb – und habe mir in vielen Jahren auch das Finish der letzten Läufer angeschaut“, erinnert sich Verleger. Immer wieder habe er sich bei der Triathlon-Nacht vorgenommen, „einmal selbst als Starter im Ziel einzulaufen“. Jetzt, 29 Jahre später, ist es soweit.

1996 Jörn Verleger, Detlef Kühnel, Challenge Roth
1996 entstand ein gemeinsames Foto mit Jörn Verleger und Detlef Kühnel (rechts), dem Challenge-Erfinder und Ironman Pionier. © Jörn Verleger, privat

Wie alles begann: Nach einem Jahr Grundwehrdienst, bei dem er nach eigenen Worten ziemlich viel Sport gemacht habe, wenn die anderen nach Dienstschluss in die Kneipe gingen, habe er 1992 in München am 10. Internationalen Olympia-City-Marathon teilgenommen, so Verleger: „Die Zeit war nicht erwähnenswert, aber Startnummer und Urkunde habe ich immer noch bei mir im Schrank.“ Für ihn war aber klar, dass soll ein einmaliges Erlebnis bleiben.

Doch 2022 überraschte ihn seine Frau Tina zum 50. Geburtstag mit einem Startplatz beim Berlin-Marathon – verbunden mit dem Wunsch, gemeinsam durchs Brandenburger Tor zu laufen. Nach einem erfolgreichen Start beim Inliner-Marathon 2023 in Berlin war für die beiden klar, es muss eine neue gemeinsame Herausforderung her.

Vor-Ort-Anmeldung in letzter Minute

Gemeinsam mit einem sportbegeisterten Schulfreund aus dem Nürnberger Sigena-Gymnasium wurde das Projekt Staffelstart in Roth in Angriff genommen. Am 8. Juli 2024, dem Tag nach dem letztjährigen Rennen, reihte sich Verleger frühmorgens in die lange Schlange zur Vor-Ort Anmeldung ein. „Ich stand am Ende einer gefühlt zwei Kilometer langen Schlange und hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben, als ein Offizieller mit dem Rad vorbeifuhr und meinte: Das könnte noch reichen!“ Verleger bekam einen der letzten Staffelplätze – Nummer 496 von 500. Das Team Sigena ist nun offiziell mit Startnummer 4698 gemeldet.

Eigentlich sollte das Training im Januar beginnen – doch Probleme mit dem Rücken verzögerten den Start bis April. „Die Physiotherapeutin in Oberhaching hat mir Mut gemacht – mit gezielter Bewegung statt OP.“ Nach acht Wochen Therapie reiste Verleger im März drei Wochen durch Japan, noch nicht ganz schmerzfrei. Die Entscheidung fiel auf dem Rückflug: Jetzt oder nie!

Direkt nach der Landung ging es nach Sachsen-Anhalt, um ein Trainingsrad bei einem befreundeten Triathleten abzuholen. „Bis dahin hatte ich weder ein richtiges Rad, noch jemals Rennradtraining gemacht“, so Verleger. Heute sei er schmerzfrei – und überzeugt: „Bewegung ist die beste Medizin.“

Training zwischen Isartal und Solarer Berg

Seine Trainingsstrecke führt ihn von Grünwald über Taufkirchen, Straßlach und zurück durchs Isartal. „Der Anstieg vom Isartal nach Straßlach ist mein persönlicher Solarer Berg“, sagt – ein Verweis auf das berühmte Stimmungshighlight der Roth-Strecke.

Im Mai absolvierte Verleger erstmals eine komplette Runde auf der Originalstrecke. „Ich war überrascht – der Solarer Berg ist nicht der härteste Abschnitt. Besonders vor dem Kalvarienberg in Greding wurde gewarnt.“ Das Streckenprofil habe es in sich. Rund 600 Athletinnen und Athleten nutzten den Tag zur Besichtigung.

Anfang des Jahres wurde seine Idee im Freundeskreis noch belächelt. Heute trägt das Team „Rennschnecken“, wie es sich selbst nennt, ein eigenes Logo auf frisch gedruckten Shirts, die Renneinteilung steht und Freunde sind zur Unterstützung dabei. „Wenn alles gut läuft, werden wir rund zwölf Stunden brauchen – vielleicht auch etwas weniger, aber das Hauptziel ist gesund und gemeinsam anzukommen“, fasst Verleger die gemeinsame Motivation zusammen.


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