
Es waren die vielleicht sechs teuersten Minuten im Leben von Silke Triltsch-Degert. Bereits vor einigen Wochen stellte die Frau ihren Wagen im sogenannten „Kiss and Fly“-Bereich des Nürnberger Flughafens ab. Die Kurzparkzone ist dafür gedacht, Menschen zum Albrecht-Dürer-Airport zu bringen oder Bekannte abzuholen. Sie habe versucht, an einem der Terminals zu bezahlen, sagt Triltsch-Degert unserer Redaktion, aber: „Dies war nicht möglich, da fünf verschiedene Münzen, mit denen ich zahlen wollte, im Automaten durchgefallen sind.“
Im „Kiss and Fly“-Bereich sind acht Minuten Parken kostenfrei - zu wenig Zeit für die Frau, die im Flughafen Geld tauschen wollte, um ihr Automaten-Problem lösen zu können. Doch tatsächlich streikte das Gerät weiter. Am Ende flatterte eine Strafe von 60 Euro in Triltsch-Degerts Briefkasten. „Abzocke“ sei das, sagt sie, obwohl dem Flughafen an dem Tag keine Automaten-Störung bekannt sei, wie ein Airport-Sprecher erklärt. Die Frau bleibt dabei: „Der Verlierer bin ich.“
Parken am Airport: Acht Minuten sind kostenfrei - aber ist das genug?
Die Geschichte steht stellvertretend für einen Unmut, der seit einigen Wochen schwelt - und der auf den ersten Blick kaum erklärbar ist: Im April stellte der Flughafen sein Kurzzeitparksystem um. Wo früher noch ab der ersten Minute gezahlt werden musste, sind jetzt immerhin acht Minuten kostenfrei. Genug Zeit für das Holen, Bringen oder einen Abschiedskuss, sagt der Airport. „Kiss and Fly“ eben.
Doch unmittelbar nach der Einführung des neuen Systems kam Kritik auf. Zu kurz sei der Zeitraum, der latente Vorwurf der Abzocke steht im Raum - dabei ist die neue Regel eigentlich eine Verbesserung für alle Parkenden am Airport. Das Kennzeichen wird beim Ein- und Ausfahren automatisch erfasst, wer unter acht Minuten bleibt, muss nichts unternehmen. Alle anderen können die Parkdauer an den Automaten unter Eingabe ihres KfZ-Kennzeichens frei wählen und bezahlen. Das geht mit Münzen, aber auch bargeldlos und sogar mobil per QR-Code.
60 Euro Strafe für Falschparker am Airport
Trotzdem sind nicht wenige unzufrieden mit dem neuen System, wie mehrere Beschwerden bei unserem Medienhaus zeigen. Faruk Gümülcine beispielsweise musste innerhalb einer Woche gleich zwei Mal die 60 Euro Strafe zahlen. Er sei schwerbehindert und habe einen ebenfalls schwerbehinderten Bekannten zum Flughafen gebracht und wieder abgeholt. Beim ersten Mal blieb er zehn Minuten im „Kiss and Fly“-Bereich stehen, beim Abholen dauerte es noch länger, weil der Flug seines Freundes Verspätung hatte. „Ohne jemand zu behindern“, wie Gümülcine betont.
Weil er in beiden Fällen aber länger als die kostenlosen acht Minuten blieb und stattdessen auch kein Ticket löste, stehen am Ende 120 Euro, die der Parkservice des Airports nun von ihm fordert. „Ich bin total gegen Falschparker. Aber es nicht mal erkennbar, dass man etwas falsch macht“, sagt der gebürtige Erlanger, der den Airport seit vielen Jahren rege nutzt. „Ich bin sehr aufgebracht“, die Summe tue ihm „sehr weh“, erklärt der Mann.
Airport verteidigt neues Parksystem
Der Ärger bei manchen ist groß - dabei hat der Flughafen bei seinem neuen System an viele Eventualitäten gedacht. Schwerbehinderte beispielsweise, erklärt Sprecher Jan Beinßen, können sich per QR-Code für die Behindertenparkplätze freischalten und fallen dann nicht mehr unter die Acht-Minuten-Regel. Und selbst Menschen, die komplett vergessen, ein Ticket zu lösen, haben die Option, bis zu 24 Stunden nach ihrem Parkvorgang über die Website des Parkdienstleistes nachzuzahlen.
„Unsere Kollegen vom Parkservice sind viel draußen unterwegs und haben entsprechend viel Kundenkontakt“, erklärt Airport-Sprecher Beinßen. „Sie berichten, dass es nach wie vor eines Umdenkens bedarf, nicht wie früher erst zu zahlen und dann zu parken, sondern erst nach dem Parkvorgang abzurechnen.“ Viele würden aber auch die Vorteile des neuen Systems schätzen - die bargeldlose Bezahlung etwa, die minutengenaue Abrechnung und der fehlende Stress, wenn der Parkschein abgelaufen ist. Die Kritik aber bleibt vorerst. Es wird wohl noch einige Monate dauern, bis sich alle an das neue Parksystem gewöhnt haben.
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11 Kommentare
Ex-Nürnberger
Unabhängig davon, ob es berechtigt, sinnvoll oder Abzocke ist. Die Leitung des Flughafens hat damit dem Flughafen einen großen Imageschaden zugefügt. Aber der Flughafen scheint derzeit wohl auch noch genug andere Probleme zu haben. Beispielsweise saß ich kürzlich in einem fast eine Stunde Flugzeug, weil das Gepäck nicht verladen wurde. Anruf beim Flughafen, was jetzt geplant ist: "Ja, wir haben grad viel zu tun.". Ja, sorry, dann darf ich auch nicht die Menschen verladen. Rückreise aus einem Nicht-Schengenstaat. Das Gleiche am Zoll. Nur die Hälfte der Arbeitsplätze/Schalter besetzt, Wartezeit auch ca. 1 Std. Kein Hinweis auf Toiletten in dem Bereich gesehen. Alles in allem eine eher enttäuschende Erfahrung. Bin früher regelmäßig ab/nach Nürnberg geflogen (Mo./Fr.), da war Nürnberg einer der besten Flughäfen in Deutschland, m. M. n. Da ging alles fix und problemlos, wie z. B. in Münster/Osnabrück in Richtung München.
25.09.2025 12:16 Uhr