
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ist über das angekündigte Angebot der Galeria-Unternehmensleitung an die Beschäftigten für eine "Anpassung der Vergütung" empört: "Das angekündigte Angebot ist vergiftet und unmoralisch. Wir fordern die Geschäftsführung auf, solche Angebote zu unterlassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer in einer Pressemitteilung. "Die Beschäftigten bei Galeria haben – anders als die Eigentümer – den Laden seit Jahren am Laufen gehalten. Sie haben ohne Wenn und Aber eine faire Bezahlung verdient."
Galeria sei im Zuge der Kündigung des Integrationstarifvertrages verpflichtet, mit Verdi eine Anschlussregelung auszuhandeln, heißt es weiter. Dass die neuen Eigentümer dies mit ihrem angekündigten Angebot für eine "Anpassung der Vergütung ohne Tarifabschluss" aushebeln wollten, schlage dem Fass den Boden aus, sagte Zimmer. "Geplant wird bei Galeria ein dauerhafter Abschied von den regionalen Entgelt- und Manteltarifverträgen der Branche und in der Folge auf Dauer ein Einkommensniveau stark unterhalb der marktüblichen Entgelte – das ist mit uns so nicht zu machen."
Verdi nennt das Vorgehen von Galeria "pure Erpressung"
Schon heute erhielten die Beschäftigten bei Galeria fast 30 Prozent weniger als Einzelhandelsbeschäftigte mit Tarifvertrag, so Zimmer weiter. Dass die Geschäftsführung den Beschäftigten mehr Geld in Aussicht stelle, sei daher gut – aber die Bedingungen dafür seien pure Erpressung. Denn die Beschäftigten würden mit ihrer Unterschrift zu den vom Arbeitgeber geänderten Arbeitsbedingungen die Nachwirkung des Integrationstarifvertrages und damit den Rechtsanspruch auf alle bisherigen tarifvertraglichen Leistungen des Einzelhandels aufheben.
In den normalen Einzelhandelstarif "wollte das Unternehmen eigentlich bis 2025 zurück. Das wurde uns 2020 versprochen, als wir wegen der ersten Insolvenz mit dem Integrationstarif auf vieles verzichtet haben", sagte der Betriebsratsvorsitzende von Galeria in Nürnberg, Robert Firtzlaff, gegenüber der Redaktion im Juni. "Was man aber von diesen Versprechungen halten kann, sieht man ja jetzt. Wir können der Unternehmensleitung nicht mehr trauen. Ein eigener Haustarif würde bedeuten, dass wir auch den Manteltarif aufgeben."
Was künftig an Leistungen gewährt werde, liegt laut Verdi dann allein in der Entscheidung des Arbeitgebers. Zudem müssten nach den Plänen der Geschäftsführung 90 Prozent der Mitarbeitenden einer Filiale dem Angebot zustimmen, damit es umgesetzt werde. Zimmer: "Offenkundig wird damit versucht, die Zustimmung zum Angebot zu erpressen, indem Beschäftigte gegenseitig unter Druck gestellt werden. Dies widerspricht dem Prinzip der individuellen Vertragsfreiheit."
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1 Kommentar
Samoth
Seit 2020 gab es zwei Insolvenzen und Galeria hat noch immer kein neues Geschäftsmodell mit dem ausreichend Geld verdient wird um eine Gehaltsanpassung um 30% zu finanzieren. Es geht mit fast allen Abteilungen in den übergroßen Hallen, in denen sich die wenigen Kunden verlieren, weiter und ich bekomme noch immer einen gedruckten Galeria Prospekt. Das ist so was von 90ger Style! So sehr ich es den Beschäftigten von Galeria gönnen würde, dass es mehr Geld gibt. Das Unternehmen kann das schlicht und ergreifend nicht mehr leisten. Seit über 20 Jahren wird bei Galeria nur Geld verbrannt. Das Unternehmen scheint auch nicht reformierbar zu sein. Man meldet alle paar Jahre mal Insolvenz an und schließt dann wieder ein paar unrentable Filialen. Das "Sterben auf Raten" geht also vermutlich weiter. Es war ein großer Fehler, in der ersten Insolvenz mit dem Versandhandel "Quelle" den einzigen zukunftsfähigen Teil des Unternehmens einzustellen und dieser Fehler ist nicht mehr zu revidieren.
18.10.2024 10:17 Uhr