Nürnberg - Linke und Christenhasser führten einen Krieg gegen Weihnachten, heißt es alle Jahre wieder in den USA. Und inzwischen auch in Deutschland. Ganz vorn dabei: Markus Söder. Ein Kommentar von Manuel Kugler.
21.12.2023 12:00 Uhr

Ziemlich viel, was aus Amerika zu uns kommt, ist ziemlich gut. Football zum Beispiel. Und natürlich Taylor Swift. Manches aber ist brandgefährlich, am allergefährlichsten: die Kulturkämpfe. Sie können eine Gesellschaft zerreißen, aus politisch Andersdenkenden erbitterte Feinde machen. In den USA, diesem Land im kalten Bürgerkrieg, lässt sich das längst besichtigen.

"Zu Weihnachten gehört ein Weihnachtsbaum", schreibt Söder

Diese Kulturkämpfe kommen aber nicht einfach so zu uns. Sie werden importiert, von Kräften, die sich das Taktikbuch der US-Republikaner genau angesehen haben. Und die davon träumen, auch Deutschland und seine Gesellschaft in Flammen zu setzen. Unter diesen Kräften sind rechte Aktivisten und ihre Medien; für ihren Erfolg brauchen sie aber demokratische Politiker, die sich von der Mobilisierungsmacht solcher Kulturkämpfe verführen lassen. So wie jüngst Markus Söder.

"Zu Weihnachten gehört ein Weihnachtsbaum" schreibt der CSU-Chef, der mit seinem Kampf gegen das Gendern eigentlich ganz andere Probleme zu bewältigen hat, auf Twitter/X. Und teilt einen Artikel über eine Hamburger Kita, die den Weihnachtsbaum gestrichen habe, aus Rücksicht auf nicht-christliche Kinder. Ein Skandal! Ein Skandal?

Das Hamburger Christbaum-Verbot erscheint wie ein Akt aus einem Schauspiel, das Amerikas Rechte alle Jahre wieder aufführt: den "War on Christmas", den angeblichen "Krieg gegen Weihnachten". Geführt werde dieser Krieg von Linken, Christenhassern und profitgierigen Unternehmern. Als Beleg dient selbst Belanglosestes - zum Beispiel, dass die Beschäftigten einer Kaffeehauskette statt "Frohe Weihnachten" nurmehr "Schöne Festtage" wünschen.

So ganz stimmt die Geschichte vom verbotenen Weihnachtsbaum nicht

Der Reiz, dieses Schauspiel ins Deutsche zu übertragen, ist riesig: Wie in den USA gibt es auch in Teilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft ein Unbehagen, den öffentlichen Raum zunehmend mit Menschen zu teilen, die anders aussehen, etwas anderes glauben und politisch anders denken. Das Märchen vom Krieg gegen Weihnachten verleiht diesem Unbehagen scheinbar Berechtigung.

Auch Markus Söder geht es nicht um den Weihnachtsbaum in Hamburg - ihm geht es um die Erzählung eines Landes, in dem wahlweise Gutmenschen oder Grüne falsch verstandene Toleranz gegenüber jenen üben, die ihrerseits intolerant sind - was letzten Endes unsere Traditionen, unsere Art zu leben, in Gefahr bringt.

Bloß: So ganz stimmt die Geschichte vom verbotenen Weihnachtsbaum nicht. Denn den gab es in Vorjahren meist auch nicht. Dafür Adventskalender, Tannenzweige, Kugeln und Lichterketten, teilt die Kita-Leitung mit. Die Kita sieht sich inzwischen Drohungen und sogar Erpressungsversuchen gegenüber. Wenn es noch einer Warnung bedurft hatte, was solche importierten Kulturkämpfe bei uns anrichten - das ist sie.


Sie wollen keine News und Storys aus Ihrem Ort verpassen? Dann empfehlen wir Ihnen die Push-Funktion unserer App "NN News".

Hier können Sie Ihre Stadt oder Ihren Landkreis als Ihr Lieblingsthema auswählen. 

Die App "NN News" können Sie über folgende Links downloaden:

NN News im App Store von Apple

NN News im Google Play Store