Nürnberg - Von der Wöhrder Wiese bis zum Hauptmarkt: 800 Schafe marschieren am 15. November durch Nürnberg. Schäfer Thomas Gackstatter erzählt von seiner Berufung, einem harten Alltag und warum er mittlerweile schnell die Polizei einschaltet.
30.10.2026 14:35 Uhr

Wer am Sonntagmorgen, 15. November, gemütlich von der Wöhrder Wiese Richtung Insel Schütt und über den Hauptmarkt spazieren möchte, muss sich auf etwa 800 blökende, wollige Vierbeiner einstellen. Denn Schäfer Thomas Gackstatter bricht gegen 7.30 Uhr im Pegnitztal Ost auf und führt seine Schafherde mitten durch die Nürnberger Innenstadt in ihr Winterquartier. Gegen 10 Uhr werden sie am Hauptmarkt sein.

Wer bei Winterquartier jetzt an einen warmen Stall mit frischem Stroh denkt, liegt falsch. Denn die robusten Tiere bleiben „wenn‘s der Winter zulässt“ auf der Weide, so Gackstatter. Der Wechsel auf andere Flächen ist notwendig, weil die Wiesen im Herbst langsamer nachwachsen. Auf den Weiden übernehmen die Schafe eine wichtige Aufgabe: Sie halten Grünflächen kurz, ohne dabei Kleintiere wie Feldmäuse, Eidechsen oder Insekten zu verdrängen, fördern mit ihrem natürlichen Dünger die Artenvielfalt und leisten damit einen Beitrag zur Landschaftspflege.

Nürnberger Schäfer ärgert sich über rücksichtlose Menschen und Müll

Robust sind sie zwar, die Schafe, schreckhaft allerdings auch. Deswegen werden neugierige Zuschauer gebeten, ihre Vierbeiner anzuleinen und genügend Abstand von der Herde zu halten. Gerade freilaufende Hunde sorgen während der Weidesaison immer wieder für Probleme. Zwar habe sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert, doch noch immer würden Hunde Schafe aufscheuchen und unnötigen Stress in die Herde tragen.

Noch mehr als über Hunde ärgert sich Gackstatter über rücksichtslose Menschen. Immer wieder steigen uneinsichtige Passanten oder alkoholisierte Personen über die Zäune, lassen Müll und Scherben liegen oder kommen den Schafen zu nahe. „Da rufe ich mittlerweile schnell die Polizei“, sagt Gackstatter. Doch nicht immer könne sofort jemand kommen. Mit verletzten oder ausgebüxten Tieren bleibt der Schäfer dann oft allein zurück.

Trotz der Ärgernisse und des harten Alltags, macht Gackstatter seinen Beruf äußerst gerne. „Es ist schon ein Knochenjob“, bekennt er. Nicht selten sei er so lange bei seinen Tieren, dass er gar nicht ins Bett komme. „Und wenn du etwas geplant hast, kannst du dir sicher sein, dass irgendwas dazwischen kommt.“ Doch seinen Job mache er mit Herzblut. Er sehe ihn nicht als Beruf, sondern als Berufung.

Namen haben seine 800 Tiere nicht. Nur drei von ihnen: Flaschenlämmer. Auf die Frage, wie sie heißen winkt Gackstatter lachend ab: „Das müssen Sie meine Tochter fragen“. Nicht nur seine Tochter sei den Schafen zugewandt, auch sein Sohn. Als einer unter sechs weiteren, macht dieser nun die Ausbildung zum Schäfer und wird damit voraussichtlich in die Fußstapfen seines Vaters treten.