
Im April wurde der Autokrat Viktor Orbán in Ungarn abgewählt - eine Zäsur. So, wie die Niederlage der ähnlich tickenden PiS-Partei in Polen Ende 2023. Diese Ergebnisse waren nicht anders zu deuten als Siege der freiheitlichen Demokratie über jene Kräfte, die sie zu Autokratien umbauten. Und dabei sehr weit kamen.
Der vergangene Sonntag brachte zwei Wahlen, die auf den ersten Blick ähnliche Schlüsse zulassen, aber noch nicht so eindeutig einzuordnen sind wie die Zäsuren in Ungarn und Polen: In Serbien musste der langjährige Herrscher Aleksandar Vucic seine Niederlage einräumen. Und in Brasilien behauptete sich der eher linke Luis Inácio Lula da Silva gegenüber dem autokratischen Flávio Bolsonaro.
Lulas Gegner Bolsonaro war der Wunschkandidat Trumps
Blicken wir auf das riesige Land in Südamerika. Es war ein Zittersieg für den inzwischen 81-jährigen Lula, der Brasilien von 2003 bis 2011 und dann wieder seit 2023 regiert. Sein Herausforderer, der Sohn des rechtspopulistischen und wegen eines Putschversuchs verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, kam dem Amtsinhaber trotz seiner Unerfahrenheit sehr nahe und schaffte beinahe den Wechsel. Das spricht nicht für Lula.
Aber: Bolsonaro war Donald Trumps Wunschkandidat. Der US-Präsident möchte am liebsten umgeben sein von rechtsgedrehten Autokraten, die ihm willfährig dienen. Er sieht den ganzen amerikanischen Kontinent als exklusive US-Einflusszone im geopolitischen Ringen mit China und Russland. Bisher hat das auch einigermaßen geklappt - doch der Sieg von Lula, einem Kritiker Trumps, macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
In Serbien schaffte die junge Studentenliste die Sensation und siegte über den langjährigen Machthaber Aleksandar Vucic. Der Aufstieg der Gruppe, die nun ohne Erfahrung regieren muss, begann mit einer Katastrophe: Am 1. November 2024 stürzte das Vordach des Bahnhofs von Novi Sad ein, der zweitgrößten Stadt des Landes, 16 Menschen starben. Der Bahnhof war erst kurz zuvor renoviert worden - viele sahen im Unglück ein Signal für jahrelange Fehlentwicklungen: Korruption, Miss- und Vetternwirtschaft, auch zu große Nähe zu Russland. Das Motto der Studentenliste bei der Wahl: „Serbien oder die Mafia“.
Viele europäische Politiker feierten das Ergebnis. Dabei gehörten auch sie lange zu den Stützen Vucics - in der Hoffnung, dass Nähe zu seiner Regierung das Land Richtung Westen, Richtung Europa tendieren lässt. Seine zusehends autokratischen Tendenzen blendete man da aus; Putin sah in ihm einen Beinahe-Getreuen auf dem wichtigen Balkan.
Es liegt an der EU, welche Perspektiven sie dem Land nun gibt
Wohin die neue Regierung steuert, ist noch offen. Und es liegt auch an den Signalen, die nun aus Brüssel kommen. Das Land braucht eine gute EU-Beitrittsperspektive, um sich nicht an Russland oder China - auch Peking ringt intensiv global um Partner - zu binden. Erst einmal erlebten wir auch hier einen Dämpfer für einen Autokraten - für Trumps Freund Putin. Immerhin: zwei Hoffnungsschimmer für liberale Demokratien!

1 Kommentar
M95L
...der dummen Autokratie lässt sich begegnen, wie zu erkennen ist.
Die Krisen der Welt führen nicht als Einbahnstraße in die Herrschaft der Schlechtesten, die Kakistokratie...
02.11.2026 09:01 Uhr