
Meta-Chef Mark Zuckerberg geriert sich gerne als Weltverbesserer, der Menschen zusammenbringen möchte. Nun sind die Zweifel an dieser altruistischen Sichtweise nicht nur berechtigt, sondern längst Gemeinsinn. Leider mangelt es nach wie vor an einer Instanz, die Facebook, Instagram und WhatsApp (alles Plattformen, die unter dem Dach von Meta vereint sind) in irgendeiner Art und Weise Grenzen setzt.
Es scheint so, als ob der Siegeszug der Big-Tech-Giganten (zu dieser Gruppe gehören auch Alphabet (Google), Apple, Amazon und Microsoft) unaufhaltsam ist. Meta schickt sich nun an, die letzten Schamgrenzen beim Schutz des Urheberrechts fallen zu lassen. Ab dem 20. November müssen Nutzer, also auch Medienhäuser, die ihre Inhalte über die sozialen Netzwerke anbieten, eine neue Vereinbarung durchwinken - und die hat es in sich.
Denn dort heißt es unter anderem: „Du autorisierst uns (oder ein in unserem Namen handelndes Unternehmen) dazu, automatisierte Software (wie Web-Scraper, Bots, Roboter, Spider, Crawler und Nutzer-Agenten) zu verwenden und Test-Anmeldedaten zu erstellen, um auf die Domains, Webseiten oder URLs (und alle über sie verfügbaren Inhalte) zuzugreifen, sie zu indexieren, zwischenzuspeichern, zu analysieren, zu erheben, abzurufen oder mithilfe von Crawlern zu durchsuchen …“
Frei übersetzt bedeutet das den Zugriff auf alle Inhalte - auch zu KI‑Trainingszwecken. Für Verlage stellt sich nun die Gretchenfrage, ob sie weiter auf Instagram & Co. aktiv sein wollen und somit in Kauf nehmen, dass alle ihre Texte, Bilder, Videos, Podcasts einfach ohne einen Cent Entschädigung von Meta abgegriffen werden dürfen. Die Folgen liegen auf der Hand: Die ohnehin angespannte Erlössituation im Netz (die Big-Tech-Giganten saugen bereits heute mehr als die Hälfte der globalen Werbebudgets ab) verschiebt sich weiter.
„Für den Fortbestand unserer Demokratien ist es brandgefährlich“
Dazu passt eine aktuelle Zahl: Bis zu 95 Milliarden US-Dollar möchte Meta auf dem Kapitalmarkt sammeln, um damit die konzerneigenen KI-Aktivitäten auszubauen. Mit der gigantischen Summe dürfte der Vorsprung des US-Riesen auf den Rest der Welt weiter wachsen.
Nun könnte man einwenden, dass Marktwirtschaft halt so funktioniert, dass die erfolgreichen Unternehmen immer größer werden. Der Haken an dieser Argumentation liegt auf der Hand: Wenn es am Ende der Entwicklung keine Möglichkeit mehr gibt, für die Verbreitung geistigen Eigentums eine angemessene Entschädigung zu erhalten, hätte das Folgen unterschiedlichster Art - Medien würden sterben, ihre Kontrollfunktion könnte dann niemand mehr ausüben.
Mark Zuckerberg mag ein solches Szenario ebenso wie Donald Trump gefallen, für den Fortbestand unserer Demokratien ist es hingegen brandgefährlich. Deshalb sollten all die Sonntagsredner aus der Politik, die um diese Gefahr wissen, endlich wirksame Regeln auf EU-Ebene umsetzen. Sonst drohen Zustände, wie sie bislang nur in Science-Fiction-Werken zu lesen sind.

6 Kommentare
Kantigenes
Eigentlich kann ich @Golfmaster in keinem Punkt widersprechen, liebe @Redaktion.
Habt ihr schon mal eine "Erreichbarkeits-studie", der von euch über die (a)sozialen Medien verbreiteten redaktionellen Teile gemacht? Im Verhältnis zu den auf "sauberen" redaktionellen Kanälen verbreiteten.
Nur wenn man den Menschen klare Alternativen bringt (schaut dahin, wos Fakten und Analysen gibt, oder informiert euch über die Lügen- und Schmuddelecken (à la Truth (??)- Social &Co oder beim Zuckerbergschen Wahrheits-ministerium, pardon -imperium), wo das bisschen Wahrheit ohnehin geklaut oder auf andere schäbige Weise besorgt wurde, kann man auch hoffen, daß die(se) Bewegung (ein interessantes Wort) auch mithilfe von Politik (EU&Co, Demokraten in USA&Co, Justiz: da gehts schnell um Milliarden) Fahrt aufnimmt.
Den Blick in den Abgrund macht ja momentan BR, indem der ÖRR seine Schätze über youtube versucht, zu "verteilen" (ver-scheuern?). Ich sag nur: Intendantenwechsel!
28.10.2026 15:07 Uhr