
Behörden, Städte, Kliniken und Firmen, die digital buchstäblich weg vom Schirm waren: „Webpräsenz vorübergehend nicht erreichbar“, war auf vielen Seiten zu lesen. Weil gefährliche Sicherheitslücken in der gängigen Web-Programmiersprache PHP entdeckt wurden, mussten etliche Institutionen ihre Internetangebote vorsorglich abschalten, um Sicherheitsupdates zu installieren, bevor Angreifer die Schwachstellen ausnutzen können.
Bisher sieht es so aus, als würden die „Guten“ den Wettlauf gewinnen - also nicht die Cyber-Kriminellen, die ganz gezielt sichtbar gewordene Schwachstellen ausnutzen. Dann müsste dieser 21. Oktober 2026, an dem die Lücken zu einem noch recht kleinen Netz-Chaos führten, als jener Tag gelten, der uns allen eindringlich dieses Warnsignal sendete: Investiert endlich umfassend in digitale Sicherheit, macht euch auch weniger abhängig von Fast-Monopolisten, vor allem aus den USA, die den Markt dominieren!
Wie angewiesen wir aufs Internet sind, merken wir erst, wenn es nicht mehr funktioniert
Denn wie angewiesen die allermeisten auf ein funktionierendes Internet sind, das wird erst dann sicht- und spürbar, wenn dieses Netz eben nicht mehr funktioniert: Keine digitale Kommunikation mehr, kein Online-Banking, kein Übertragen von Artikeln, kein Versand von wichtigen Dokumenten und und und... - was wir nun erlebten, war bei weitem nicht so dramatisch, aber hoffentlich ein heilsamer Schock.
Denn bisher sind wir gerade in Deutschland und Europa oft zu leichtfertig, zu fahrlässig. Dass wir private Daten ohne Skrupel oder Nachfragen meist preisgeben, dass Datenschutz im Netz für viele Nutzer kein Thema ist - daran haben wir uns viel zu sehr gewöhnt. Dabei warnen nicht nur unsere Nachrichtendienste seit Jahren - und seit einigen Monaten immer massiver - vor dem längst laufenden Cyber-Krieg, den nicht nur Russland gegen uns führt. Hybride Attacken, Fake News, Eingriffe ins System - damit beeinflussen Autokraten Wahlkämpfe und forcieren die Polarisierung.
Und Kriminelle rüsten in ihrem Kampf um Daten und damit Geld ebenfalls beständig auf. Es ist ein Wettlauf: Wer installiert wann die bessere Technik, die für höhere Sicherheit sorgt? Da wachsen die Attacken während der Phase von Lücken exponentiell, berichten Experten. Und der Einsatz von KI beschleunigt diesen Wettkampf: Künstliche Intelligenz scannt solche Schwachstellen immer schneller.
Da hilft nur ständiges Nachjustieren, Updaten und - der Begriff passt leider, weil es auch um Fragen von Krieg und Frieden, innere Stabilität oder chaotische Zustände durch einen digitalen Blackout geht: Aufrüsten. Digitale Sicherheit und Verteidigung müssen elementarer Bestandteil der Politik werden. Es gilt auch, die Abhängigkeit von US-Firmen zu reduzieren - kann ja passieren, dass die uns Europäer aussperren, sollte ein Autokrat im Weißen Haus das fordern. Und insgesamt: Vorsichtiger sein. Das Netz sieht nur aus wie ein Paradies, es ist aber auch ein Schlachtfeld.

1 Kommentar
Fidelio
Der gestrige Vorfall wird aus EU-Sicht leider eher zu Gegenteiligem führen: Cloudflare, der führende Anbieter für Sicherheitslösungen in diesem Bereich wird ein riesiges Umsatzwachstum hinlegen. Cloudflare ist ein US-Anbieter, der zugegebenermaßen gute Lösungen anbietet.
Die Zentralisierung auf einen solchen US-Anbieter ist aber das, was uns in der EU irgendwann das Genick brechen wird. Im Grunde verhält es sich da genauso, wie in der Rüstungsindustrie. Wenn unsere Abwehr von F-35-Flugzeugen und Patriot-Raketen abhängt, sind wir im Fall des Falles davon abhängig, dass wir diese auch einsetzen können und dürfen und zeitnah mit Ersatz versorgt werden.
22.10.2026 12:56 Uhr