
Keine Sorge, nach dem „Gastspiel“-Atelierwochenende des Kulturrings C gehen in Fürth nicht sämtliche Kunst-Lichter aus. Die „Tinten(T)Räume“ beschwört etwa das Kulturlokal am Bahnhofplatz bis zum 27. Oktober mit einer Ausstellung, die sich einem so eigenwilligen wie schwierigen Medium widmet. Tinte erfordert Präzision und Lässigkeit im gleichen Maß, belohnt dann aber mit überraschenden Ergebnissen. Den Bild- und Erzählkosmos betreten Petra Herberger mit Pinsel und Feder und Jürgen Findeiss mit der Macht des Wortes und seiner Geschichten; in der Schau des Künstlerduos zerfließt Tinte zu Kontexten und Erzählungen, die das Publikum weiterschreiben und weiterdenken darf.
Nicht ganz zufällig gewählt ist der Ausstellungszeitraum: Der „Inktober“ ist eine internationale Zeichenaktion, die jedes Jahr, wie der Name vermuten lässt, im Oktober stattfindet. Teilnehmende setzen sich in diesen vier Wochen täglich mit einem vorgegebenen Begriff auseinander und gestalten dazu eine Zeichnung, traditionell mit Tinte oder Tusche. Viele der auf diese Weise entstandenen Arbeiten werden unter dem Hashtag #Inktober in den sozialen Medien geteilt. Petra Herberger unternahm bereits einige Exkurse in die fluide Sphäre der Pigmente. Und was während ihrer „Inktober“-Ausflüge entstand, zeigt sie nun in Fürth - darüber hinaus lädt die Künstlerin zum Mitmachen ein, entweder direkt und live am Bahnhofplatz oder unter #kulturlokalfürth bzw. #Inktober. Zugleich stellt sich Herberger auch heuer wieder der Inktober-Challenge: Tag für Tag lässt sie während der Ausstellung live ein neues Tintenbild entstehen, das zum Bestandteil des Raumerlebnisses wird.
Tinte in Bild und Wort: Die neue Ausstellung im Kulturlokal Fürth
Während der gesamten Ausstellungszeit sind Herberger und Findeiss am Ort des Kunstgeschehens und stellen sich den Fragen der Besucher. Außerdem stellt das Duo ein Begleit- und Mitmachprogramm auf die Beine. Ein Workshopangebot unter dem Titel „Tinte selber machen“ gibt es am kommenden Sonntag (25. Oktober) von 15 bis 17 Uhr; eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt frei. Teilnehmende sollten eigene Materialien mitbringen, mit denen man zur Tintenherstellung experimentieren könnte.
Zuvor schon, am 23. Oktober, laden Herberger und Findeiss ab 17 Uhr zum „(Dr)Ink together“. Die Tintenfässer sind gefüllt, Drinks stehen bereit – alle, die plaudern oder furchtlos mit dem Pinsel über Papier skaten wollen, sind an diesem Abend willkommen. Am 24. Oktober folgt um 18 Uhr ein Kurzvortrag zur Kulturgeschichte der Tinte mit Kuriosem, Interessantem und Informativem aus 6000 Jahren Tinten-Historie. Auch für diese Programmpunkte ist der Eintritt frei, eine Anmeldung braucht es nicht.
„Der kleine Eisbär 2“
Petra Herberger, die aus Forchheim stammt, studierte Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Illustration an der FH Nürnberg und war als Grafik-Designerin in verschiedenen Werbeagenturen tätig. Nach einer Weiterbildung zur Animationsdesignerin an der animation-school-hamburg - ihr Abschlussfilm wurde mit dem hamburg animation award ausgezeichnet - wirkte sie an Kinofilmen, Fernsehserien und unabhängigen Animationsprojekten („Der kleine Eisbär 2“) mit und illustrierte Kinderbücher („Pippa und die Bunten Pfoten“). 2025 war sie gemeinsam mit Jürgen Findeiss und ihrer Graphic Novel „Ein langer Ritt“ über den Cowboy und Westernreiter Jean-Claude Dysli zum ersten Mal Gast im Kulturlokal Fürth.
Jürgen Findeiss ist studierter Erziehungswissenschaftler, Familienberater und systemischer Paartherapeut und arbeitet oft im Kontext von Teilhabe und der Öffnung sozialer Räume für Menschen mit Handicaps. Er entwickelt und schreibt Geschichten, meist haben sie etwas mit Jungs oder Männern zu tun.
Info
„Tinten(T)Räume“: Kulturlokal Fürth (Bahnhofplatz 2), montags bis donnerstags 13-19 Uhr, freitag bis sonntags 14-21 Uhr, Eintritt frei. Bis 27. Oktober (Finissage um 17 Uhr).


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