München - Söders Klimapolitik steht in der Kritik. Einerseits zelebriert er medienwirksame Auftritte auf der Zugspitze, andererseits kassiert er seine ambitionierten Klimaziele ein. Dabei wissen er und seine Regierung es besser, kommentiert Roland Englisch.
20.10.2026 14:13 Uhr

Ein Erkenntnisproblem gibt es nicht in der bayerischen Staatsregierung. Dass der Klimawandel das Land und seine Bewohner bedroht, wissen Söder und seine Minister. Regelmäßig betonen sie, wie wichtig ihnen das Thema ist und wie ernst sie es nehmen. Medienwirksame Auftritte wie der diese Woche auf der Zugspitze inklusive. Die bröckelt gewaltig, weil die steigenden Temperaturen den Permafrost auflösen.

Doch wie so oft klaffen Anspruch und Wirklichkeit gerade in Bayern auseinander. Während seine Spitzenpolitiker oben auf dem Berg die Stirn in Sorgenfalten legen, legen die gleichen unten im Tal den Rückwärtsgang ein. Obwohl die Wissenschaft keinen Zweifel mehr hat, die Energiewende an Fahrt gewinnt und - auch dank der Benzinpreise - der E-Auto-Markt brummt, drängen Söder und Co. weiter auf ein Aus vom Verbrenner-Aus.

In Wahrheit steuert auch Bayern längst in eine andere Richtung

Redlich ist das nicht. Denn auch in der Staatsregierung haben sie längst erkannt, dass dem E-Auto die Zukunft gehört. Kein Hersteller investiert noch in die Entwicklung neuer Verbrennungsmotoren; ihr Fokus liegt auf dem, was sie für die Zukunft halten. Söders Placebos sollen jenen Teil seiner Wählerschaft beruhigen, der nicht nach vorne blickt. Dabei steuert auch die Landespolitik um, setzt auf neue Industriezweige, investiert dort kräftig - weit kräftiger als in den Pseudo-Hilfsfonds für die angeschlagene Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Die übrigens ihrerseits wieder diversifizieren

Und dennoch: Während Forscher drängen, die Politik müsse schneller reagieren, klimaschädliche Emissionen abbauen und den Hitzeschutz vorantreiben, macht Bayern das Gegenteil. Die CSU-geführte Regierung greift das Naturschutzgesetz an und nimmt ihre Klimaziele zurück, will nicht schon 2040, sondern erst 2045 klimaneutral werden. Damit könnte Bayern seinen CO₂‑Ausstoß glatt verdoppeln.

Söder und seine Minister haben nie echten Ehrgeiz entwickelt. Das Klimaziel war schnell postuliert; es sollte Eindruck machen bei den Umweltbewegten. Allein, passiert ist seitdem wenig. Rückblickend betrachtet war das kaum mehr als ein Lippenbekenntnis, nicht unterfüttert.

Dass CSU und Freie Wähler dieses Ziel jetzt kassieren, ist zumindest ehrlich. Weil es die fehlende Ernsthaftigkeit offenbart. Es war populistisch, der Stimmung im Land geschuldet. Söder gab den Leuten, was sie hören wollten. Das ist legitim, doch sonderlich klug ist es nicht - weil das Erwartungen weckt, die er weder erfüllen wollte noch erfüllen konnte. Ein klimapolitischer Sonderweg des Freistaates war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Dabei drängt die Zeit, das haben der glühende Sommer und die Rekorddürre den meisten klar gemacht. Doch die bayerische Regierung bleibt seltsam ambitionslos; sie bringt nicht einmal den Hitzeschutz wirklich voran, der Zigtausende Leben retten könnte in Kliniken und Heimen. Ein bisschen weniger Lärm, statt Betroffenheitsfloskeln etwas mehr Taten, das würde schon reichen.