
Für den Laien sind die Verdienste, für die Forschende Nobelpreise bekommen, oft kaum zu durchschauen. Im Fall des Physik-Nobelpreises ist aber vor allem der Ort bemerkenswert, der es Teilchenforscher Francis Halzen ermöglichte, seine nun ausgezeichnete Arbeit durchzuführen. Denn die Neutrinos, um die sich seine Forschung dreht, fand er am Südpol.
Den Nobelpreis erhielt Halzen auch für seine Arbeit als Planer und Chef-Wissenschaftler des IceCube-Neutrino-Observatoriums. An dem Forschungsprojekt am Südpol sind seit dessen Anfängen auch zahlreiche Physikerinnen und Physiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt. 450 Experten - rund ein Viertel aus Deutschland - von 58 Instituten aus 14 Ländern arbeiten daran, die kaum messbaren Neutrinos aufzuspüren und damit neue Einblicke in die Ursprünge des Universums zu gewinnen.
Die FAU beschreibt das IceCube-Observatorium als einen sehr besonderen Ort: „Es ist tief ins antarktische Eis eingefroren“, heißt es in einer Mitteilung. „Dort lassen sich Neutrinos besonders gut beobachten: Die rätselhaften Teilchen entstehen bei verschiedenen Arten von Kernreaktionen in den Weiten des Weltalls. Sie sind nahezu masselos, tragen keine elektrische Ladung und interagieren nur sehr selten mit Materie. Wenn sie dies doch tun – zum Beispiel im Eis –, entsteht unter anderem ein kurzer Lichtblitz, der Informationen über weit entfernte Bereiche des Universums liefert. So machen Neutrino-Observatorien auf der ganzen Welt diese geisterhaften Teilchen zu Boten.“
Um diese Teilchen zu finden, werden kilometertiefe Löcher ins Eis gebohrt und Messbojen darin versenkt. Die FAU ist seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der IceCube-Kollaboration. „Seit dem Beginn des IceCube-Projekts leistet die FAU wesentliche Beiträge und entwickelte zum Beispiel Methoden, Teilchenspuren im Detektor zu rekonstruieren und Daten zu Neutrinoflüssen zu analysieren, sie spielt eine wichtige Rolle bei der Kalibrierung des Systems und konstruierte neuartige Detektorkomponenten, welche erst vor einigen Monaten am Südpol als ,IceCube-Upgrade‘ eingebaut wurden. Derzeit beschäftigt sich die Erlanger Arbeitsgruppe unter anderem mit der Analyse hochenergetischer Neutrinos aus unserer Milchstraße sowie mit der Kalibrierung der optischen Eigenschaften des Gletschereises“, erklärt die Universität.
Damit leiste die FAU einen wichtigen Beitrag dazu, die von IceCube aufgezeichneten Daten auszuwerten und die Eigenschaften und Ursprünge kosmischer Neutrinos besser zu verstehen. Ein Alleinstellungsmerkmal der FAU sei die starke Vernetzung von Aktivitäten an den verschiedenen internationalen Neutrinoteleskopen, so zum Beispiel auch dem KM3NeT-Detektor im Mittelmeer, dem RNO-G-Experiment in Grönland und dem neuen P-ONE-Experiment vor der Küste Kanadas.
„In den Jahren 2011 bis 2014 habe ich an der University of Wisconsin-Madison eng mit Professor Halzen zusammengearbeitet und habe dort maßgeblich an der Entdeckung der astrophysikalischen Neutrinos mitgewirkt“, sagt Prof. Dr. Claudio Kopper, der den Lehrstuhl für Experimentelle Astroteilchenphysik an der FAU innehat. „Es freut mich sehr, dass die Arbeit unseres Experiments und die gesamte Neutrinoastronomie nun so prominent gewürdigt wird.“ Er hoffe, dieses Feld werde in den nächsten Jahrzehnten mit mehr Daten und neuen Experimenten vorangetrieben.


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