Nürnberg - Einige Quartiere Nürnbergs waren schon immer „In-Viertel“, etwa die Krelingstraße im Stadtteil Gärten hinter der Veste. Die beeindruckt noch heute durch ihren weitgehend geschlossenen Baubestand aus der Zeit um 1900.
11.08.2026 19:00 Uhr

Im Gegensatz zu vielen Straßen, die nach berühmten Persönlichkeiten benannt sind, gibt es im Falle der Krelingstraße einen direkten räumlichen Zusammenhang zwischen Benennung und Wohnort des „Malerfürsten“ August von Kreling (1819 bis 1876): Der wohnte nämlich in einer opulenten Villa im Rundbogenstil am Vestnertorgraben 43, von der nach ihrer Kriegszerstörung 1945 nur zwei Mauerpfeiler übriggeblieben sind.

Anders schaut es in „seiner“ Straße aus. Bis auf ein paar wenige Bombentreffer hat sich ihr Teilstück nördlich der Pirckheimerstraße das ursprüngliche Antlitz wunderbar bewahrt. 1910, vierzehn Jahre nach Anlage des Straßenabschnitts, waren hier nur noch wenige Grundstücke frei. Zu den prominentesten Investoren gehörte Gustav Adam Schwanhäußer, seit 1881 Eigentümer und Bewohner der Kreling-Villa. In weiser Voraussicht hatte er sich frühzeitig einen Großteil der früheren Acker- und Gartenflächen in der Gegend gesichert und verdiente sich an deren Weiterverkauf und der Investition in „Betongold“ eine noch goldenere Nase, als er sie dank seiner florierenden Bleistiftfabrik ohnehin schon hatte.

Krelingstr._1910
<p>Premium-Wohnlage mit Burgblick: So präsentierte sich die Krelingstraße beim Blick vom Haus Schweppermannstraße 57 um 1910. Heute ist der Ausblick verbaut.</p> © Ansichtskarte: Verlag H. Förster/Sammlung Werner Jülka

Zu den ersten Bauten des Straßenabschnitts gehörte das Eckhaus Nr. 31, in dem nachmals eine Sparkassen-Filiale einzog (auf unserer alten Ansicht direkt links der Brandwand mit Werbeaufschrift). Baumeister Karl Solbrig ließ es 1898/99 erbauen, die Klinkerfassaden und den Erker mit reichem Schmuck im Nürnberger Stil verzieren. Sodann folgte in der Bildmitte das Eckhaus Nr. 41, das Maurermeister Josef Baumann und seine Frau Magdalena im Jahr 1900 errichteten. Während der Außenbau sich – mit Ausnahme der amputierten Haube des Erkers – in den schmucken Formen des Nürnberger Stils präsentiert, ist im Inneren bis auf die Treppe fast nichts Altes erhalten geblieben. Architektonisch eher anspruchslos, wenn auch nicht uninteressant, zeigt sich das ähnlich alte, kastenartige Nachbarhaus Nr. 43, das der Bauunternehmer Johann Schöner für seine Tochter errichtete.

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<p>Die turmartige Krelingstraße 44 beeindruckt durch ihre elegante Gliederung und den Erkerturm, leidet aber unter lochartigen Fenstereinbauten der Nachkriegsjahre. </p> © Boris Leuthold

Ins Auge springt dagegen das Eckhaus Nr. 44 mit seinem vorwitzigen dreiviertelrunden Erkerturm mit bizarren Ochsenaugen-Fensterchen unter der Welschen Haube. Schöpfer des turmartigen Gebildes im geometrischen Jugendstil war Georg Richter anno 1905. Ein Jahr zuvor war nach seinen Plänen die benachbarte Meuschelstraße 30 (auf der alten Ansicht ganz links) vollendet worden. Bauherrn waren in beiden Fällen der Flaschner Hans Mackel und seine Frau Margaretha, die quasi als die „Schwanhäußers aus dem Handwerkerstand“ im ganzen Quartier diverse Mietshäuser als Kapitalanlagen erbauen ließen.

Noch extravaganter wurde es 1905 mit dem Eckbau Nr. 43 (rechts der Bildmitte) des Planer-Duos Ludwig Popp und Georg Weisheit. Von ihnen stammen vielleicht auch die beiden angrenzenden Bauten Nr. 47 und 49 (ganz rechts), die sich leider heute ziemlich glattpoliert zeigen – ob aufgrund von Kriegsschäden oder unreflektiertem Pragmatismus der Besitzer wissen wir nicht.

Auf dem Acker entstand ein schlossartiger Bau: das Landesfinanzamt des Landes Bayern

Besonders eindrucksvoll ist schließlich das Dreifach-Mietspalais Nr. 33-37 von 1907. Die verschlungenen Initialen „JH“ am südlichen der beiden Kastenerker verweisen auf den Bauherrn, der gleichzeitig Planfertiger war: den Architekten Julius Hofer (Jahrgang 1877). 1910 stellte Michael Renker der Baugruppe mit Haus Nr. 37 a ein würdiges Pendant zur Seite, das der Auftraggeber Franz Augustin mit seiner Baufirma selbst errichtete.

Und was, wird sich der Ortskundige fragen, ist dieser komische Acker vorne links im Bild? Hier errichtete das Land Bayern 1921 bis 1923 den Komplex des Landesfinanzamtes. Auch der entsprach mit seinem geradezu imperialen, schlossartigen Außenbau dem gehobenen Charakter des Umfeldes. Die Krelingstraße, sie war damals hip – und ist es noch heute.

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