
Was Wirt Johann Georg Wagner dazu getrieben haben mag, als Spezialität seiner Restauration „Göckerla“ ausgerechnet „Gebackene Karpfen“ anzupreisen? Jedenfalls ließ er es so auf die Ansichtskarten seines Hauses Obere Wörthstraße 2 drucken. Doch das Ganze ist etwas komplizierter.
In dieser zentralen, hochverdichteten Lage nahe dem Ufer der Pegnitz versteht es sich, dass der Grund bereits lange vor dem jetzigen Anwesen bebaut war: Das Ortsblatt der Uraufnahme von 1811 zeigt an seiner Stelle drei zierliche Tropfhäuser (Gebäude ohne Hofraum oder Garten), die mit ihren Schmalseiten am östlichen Ast der Unteren Wörthstraße aufgereiht waren. Auf dem südlichsten der drei ruhte seit 1852 eine Garkoch-Gerechtigkeit (offizielle Lizenz, gare Speisen verkaufen zu dürfen), die zuletzt ein gewisser Georg Paul Auinger aus Dorsbrunn bei Pleinfeld innehatte. Wohl auf diesen geht der Name des Etablissements zurück, der schon vor dem Hausneubau 1888 im Nürnberger Adressbuch erscheint.
Der Titel des Hauses soll dem Architekten ein kleines Denkmal setzen
Der Neubau begann schließlich 1898 und schritt rasch voran. Bereits im Oktober war der Rohbau vollendet. Bei seinem Entwurf mag sich Architekt Georg Richter (1859 bis 1931) an dem malerischen Haus Untere Wörthstraße 2 nördlich gegenüber orientiert haben, das sein Kollege David Röhm einige Jahre zuvor für den Geflügelhändler Peter Hiltner errichtet hatte. Dem Architekten zu Ehren, der für zahlreiche Mietshäuser und Villen im Nürnberg des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verantwortlich zeichnete, haben die Eigentümer Björn und Eva Grossmann das Gebäude „Georg-Richter-Haus“ getauft.
Im Gegensatz zu Röhms Schöpfung, die 1945 in Flammen aufging und bis 2011 durch einen Neubau ersetzt wurde, hat sich die Obere Wörthstraße 2 erhalten. Allerdings mit Blessuren: Die zarten Gesimse sind ebenso abgearbeitet wie das Neorenaissance-Portal oder der feine ornamentale Reliefdekor an den Kastenerker-Konsolen und in den Fensterschürzen des dreiviertelrunden Erkerturms, dessen Laterne ebenfalls fehlt. Spannend: Während der Turmaufbau wohl im Krieg beschädigt wurde, hat man den Dekor wohl schon 1938/39 im Zuge des unseligen „Entschandelungs“-Programms der Nazis entfernt, das sich zu Gunsten eines pseudomittelalterlichen Altstadtbildes besonders gegen die Baukunst des Historismus und des Jugendstils richtete.
Bei der jüngsten, 2024 abgeschlossenen Instandsetzung mit Ausbau der Wohnung im Dachgeschoss haben Eigentümer, der Architekt Gunther Schmitt vom Büro Schmitt Loebermann Getto und das Restauratoren-Team Claudia Klose und Peter Wolf dem Haus viel von seinem historischen Charme zurückgegeben: Neben passenden Fenstereinbauten hat man dabei etwa die Sandsteinfronten gereinigt, die Fassung des Treppenhauses mit Schablonenmalerei rekonstruiert und die originale Haustür wieder an ihren Platz gebracht.
Die Tradition der Gaststätte in Erdgeschoss und Souterrain, wo derzeit temporär Kunst aus den Beständen der Galerie Voigt gezeigt wird, pausiert. Das muss aber nicht so bleiben: Wer Interesse und Ideen hat, melde sich bei Eigentümer Björn Grossmann unter Telefon (09 11) 242 9 99 8 oder per E-Mail an: georgrichterhaus@galerievoigt.de
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