München - Ausgerechnet während die Koalition in Berlin mit ihrem Reformpaket kämpft, reist CSU-Chef Söder in die USA. Doch der Trip ist lange vorbereitet und keine Flucht. Kritikwürdig ist anderes an Söders Kurs, kommentiert Roland Englisch.
31.03.2026 13:14 Uhr

Die Bilder waren so erwartbar wie die Kritik daran. Markus Söder reist in die USA, nach Texas, primär als Ministerpräsident, sekundär als Selbstdarsteller. Oder anders herum, so ganz genau weiß man das bei ihm nie.

Klar, es geht auch um Inhalte, vor allem um Wirtschaftspolitik. Doch das Erste, was Söder den Daheimgebliebenen präsentiert, sind nicht milliardenschwere Abschlüsse, sondern Fotos, die ihn mit Cowboyhut zeigen beim Barbecue in Texas oder mit Nasa-Jacke im Nasa-Kontrollzentrum vor Monitoren mit seinem Namen drauf. Die Begegnungen sind lange vorbereitet, nichts ist Zufall. Der Nürnberger und sein Social Media-Team verstehen sich auf Inszenierung.

Zuhause wartet nur Ärger auf Markus Söder

Dass er jetzt in die Staaten geflogen ist, kreiden ihm manche als Flucht an. Zuhause in seiner Partei grollt es vernehmlich nach der in Teilen vergeigten Kommunalwahl, die Söder nonchalant den Kandidaten angelastet hatte. In Berlin kämpft die Koalition mit einem gigantischen Reformpaket, das vielen wehtun wird. Doch alles, was aus den USA von Söder dazu zu hören ist, ist sein Hinweis, Berlin sei für ihn ähnlich weit weg wie Washington für die Texaner.

Dass er sich mal nicht irrt. Söder ist Teil der Regierungskoalition; er steht für die Reformen gerade und dafür, dass das Land endlich aus dem Krisenmodus findet. Doch bislang kam von ihm nicht viel Konstruktives, dafür sehr viele Neins zu praktisch jedem Vorschlag. Einzig für Steuersenkungen könnte er sich erwärmen. Doch wer die bezahlen soll, lässt er offen.

Da will nicht so recht passen, dass er permanent auf schnelle Reformen drängt und darauf, bis Pfingsten müsse das alles in trockenen Tüchern sein. Söder läuft Gefahr, dass er für alle nur noch der Bremser ist, der Meckerfritze aus Bayern.

Eine (geplante) Flucht ist seine USA-Reise dennoch nicht. Sie war lange terminiert; für so etwas laufen die Vorbereitungen über Monate. Dass er Washington meidet, lässt sich zwar kritisieren. Allerdings ist nachvollziehbar, dass der bayerische Ministerpräsident in der US-Hauptstadt nicht als Bittsteller abgespeist werden will, der allenfalls Termine mit der vierten Regierungsebene bekommt. Solche Bilder will niemand von sich sehen. Und schon gar nicht Social Media-Star Söder.

Klar bringt die Reise für Bayern einen Benefit

Nebenbei bemerkt: Natürlich wird die USA-Reise auch für Bayern ihren Benefit bringen. Söders Weltraumträume, für die er einst verspottet worden ist, bringen mittlerweile Tausende Arbeitsplätze und Hightech in den Freistaat. Das gilt ebenso für die Bereiche KI oder Militärtechnik. Ob freilich für Wirtschafts- und Wissenschaftsverträge ein Ministerpräsident mit Entourage und großer Delegation um die Welt reisen muss, bleibt dahin gestellt. Die Industrie ist längst global so vernetzt, dass sie einen CSU-Chef gewiss nicht als Türöffner braucht.

So oder so: Die Wirklichkeit wird ihn spätestens nach der Landung in München wieder einholen. Vor dem Berliner High Noon schützt ihn auch kein Cowboyhut.