München - Erneut hat eine Studie belegt, wie sehr die junge Generation unter den Krisen unserer Zeit leidet und wie sehr Zukunftsängste sie quälen. Die Politik gibt sich kurz angemessen betroffen, geht dann aber zum Alltag über, kommentiert Roland Englisch.
30.03.2026 15:30 Uhr

Seit Jahren durchleuchten Forscher die Befindlichkeiten junger Generationen; seit Jahren warnen sie, dass da etwas kippt. Stellen sie ihre Ergebnisse vor, ist die öffentliche Bestürzung groß - und so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen ist.

Seltsam, wie gleichgültig die Gesellschaft hinnimmt, dass ihr eine ganze Generation junger Menschen verloren geht. Junge Menschen, die zu bald einem Drittel sagen, sie brauchten psychologische Unterstützung, weil sie mental erschöpft und digital überfordert sind. Die zu zwei Dritteln klassische Suchtsymptome zeigen, wenn es um Smartphone und Social Media geht.

Deutschland kann sich den Weggang seiner jungen Menschen nicht leisten

Die bis zu zehn Stunden täglich auf Tiktok und Co abhängen und darüber vereinsamen. Deren politischer Wissenstand sich aus diesen Medien speist, die manipulativ und alles andere als objektiv sind. Die darüber orientierungslos bleiben und sich den politisch extremen Rändern zuwenden. Eine Generation, deren Frauen sich nicht mehr sicher fühlen. Und deren Männer zunehmend frauenfeindlichen Visionen nachhängen.

Es geht um junge Menschen mit realen Zukunftsängsten, umgeben von Kriegen und Krisen, die sich mit der Angst um Arbeit und bezahlbaren Wohnraum quälen und sich fragen, welche soziale Sicherheit sie noch erwartet. Bis zu einem Fünftel dieser jungen Menschen, das legen die Studien nahe, will Deutschland verlassen, weil hier die Perspektiven fehlen.

Das ist fatal. Das Land braucht seine jungen Menschen, es kann es sich nicht leisten, dass da eine Generation verloren geht, nur weil die Älteren zu überheblich oder zu bequem zum Gegensteuern sind. Die Jungen brauchen eine Gesellschaft und einen Staat, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen und auf ihre Sorgen reagieren.

Beispiel Social Media: Die jungen Menschen der Gen Z befürworten ein Verbot für unter 16-Jährige. Sie haben erlebt, wie der unkontrollierte und unbegleitete Umgang damit ihr Leben beeinflusst hat. Statt dessen leisten sich alte Männer und Frauen eine verkopfte Diskussion darüber, in der sie nicht mit den Betroffenen, sondern über sie reden.

Die Lösungswege sind bekannt, sie müssten nur eingeschlagen werden

Die Politik müsste nur die Erkenntnisse umsetzen, die sich in den Studien finden. Sie müsste niedrigschwellige Beratungsangebote für überlastete junge Menschen schaffen. Sie müsste die Schulen, und zwar alle Schularten, bestmöglich ausstatten und dort den Umgang mit den neuen Medien so lehren, dass ihn die Kindern und Jugendlichen auch verstehen - nicht konfrontativ als Teufelszeug. Denn verschwinden werden Tiktok und Co nicht mehr.

Die Politik muss die Bedingungen schaffen, die die junge Generation braucht, vom günstigen Wohnraum bis zu einem Sozialsystem, das ihnen Sicherheit gibt und nicht sie an ihrer finanziellen Zukunft verzweifeln lässt. Es wird Zeit, dass die Politik aus dem Befund endlich eine Therapie ableitet. Und dass die Älteren die Jüngeren endlich ernst nehmen. Sonst verliert Deutschland tatsächlich eine ganze Generation - aus purer Arroganz.