
Seit Jahren durchleuchten Forscher die Befindlichkeiten junger Generationen; seit Jahren warnen sie, dass da etwas kippt. Stellen sie ihre Ergebnisse vor, ist die öffentliche Bestürzung groß - und so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen ist.
Seltsam, wie gleichgültig die Gesellschaft hinnimmt, dass ihr eine ganze Generation junger Menschen verloren geht. Junge Menschen, die zu bald einem Drittel sagen, sie brauchten psychologische Unterstützung, weil sie mental erschöpft und digital überfordert sind. Die zu zwei Dritteln klassische Suchtsymptome zeigen, wenn es um Smartphone und Social Media geht.
Deutschland kann sich den Weggang seiner jungen Menschen nicht leisten
Die bis zu zehn Stunden täglich auf Tiktok und Co abhängen und darüber vereinsamen. Deren politischer Wissenstand sich aus diesen Medien speist, die manipulativ und alles andere als objektiv sind. Die darüber orientierungslos bleiben und sich den politisch extremen Rändern zuwenden. Eine Generation, deren Frauen sich nicht mehr sicher fühlen. Und deren Männer zunehmend frauenfeindlichen Visionen nachhängen.
Es geht um junge Menschen mit realen Zukunftsängsten, umgeben von Kriegen und Krisen, die sich mit der Angst um Arbeit und bezahlbaren Wohnraum quälen und sich fragen, welche soziale Sicherheit sie noch erwartet. Bis zu einem Fünftel dieser jungen Menschen, das legen die Studien nahe, will Deutschland verlassen, weil hier die Perspektiven fehlen.
Das ist fatal. Das Land braucht seine jungen Menschen, es kann es sich nicht leisten, dass da eine Generation verloren geht, nur weil die Älteren zu überheblich oder zu bequem zum Gegensteuern sind. Die Jungen brauchen eine Gesellschaft und einen Staat, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen und auf ihre Sorgen reagieren.
Beispiel Social Media: Die jungen Menschen der Gen Z befürworten ein Verbot für unter 16-Jährige. Sie haben erlebt, wie der unkontrollierte und unbegleitete Umgang damit ihr Leben beeinflusst hat. Statt dessen leisten sich alte Männer und Frauen eine verkopfte Diskussion darüber, in der sie nicht mit den Betroffenen, sondern über sie reden.
Die Lösungswege sind bekannt, sie müssten nur eingeschlagen werden
Die Politik müsste nur die Erkenntnisse umsetzen, die sich in den Studien finden. Sie müsste niedrigschwellige Beratungsangebote für überlastete junge Menschen schaffen. Sie müsste die Schulen, und zwar alle Schularten, bestmöglich ausstatten und dort den Umgang mit den neuen Medien so lehren, dass ihn die Kindern und Jugendlichen auch verstehen - nicht konfrontativ als Teufelszeug. Denn verschwinden werden Tiktok und Co nicht mehr.
Die Politik muss die Bedingungen schaffen, die die junge Generation braucht, vom günstigen Wohnraum bis zu einem Sozialsystem, das ihnen Sicherheit gibt und nicht sie an ihrer finanziellen Zukunft verzweifeln lässt. Es wird Zeit, dass die Politik aus dem Befund endlich eine Therapie ableitet. Und dass die Älteren die Jüngeren endlich ernst nehmen. Sonst verliert Deutschland tatsächlich eine ganze Generation - aus purer Arroganz.

2 Kommentare
Wowo
@EaH, vollste Zustimmung. Immer wieder wird versucht, der heute älteren Generation ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Gekümmert, von der mittleren Generation um die junge Generation wird sich dadurch, daß man sie mit digitalen Geräten und Medien möglichst anstrengungslos in eine Ecke schiebt. Es für die beste Lösung hält, den jungen Menschen Selbstbewusstsein zukommen zu lassen, in dem man ihnen beibringt, keinen Respekt mehr vor irgend etwas zu haben. Die mittlere Generation ist oft überfordert mit dem Alltag und sieht es als für sie am Leichtesten an, der älteren Generation alles in die Schuhe zu schieben. Das dieser Weg nicht funktioniert, läßt sich heutzutage nahezu an allem ablesen.
31.03.2026 17:20 Uhr