
Kürzlich im Februar: Noch immer liegen ein paar Schneehaufen im Garten, wir formen daraus Eisbälle und beträufeln sie mit Saunaöl für den Aufguss. Nach 30 Minuten haben die Scheite den Holzofen unserer Zeltsauna auf 80 Grad geheizt. Wir treten durch die dicke Zelttüre hinein, nehmen auf der Stufenbank Platz und schauen durch die Panoramafenster in unseren dezent beleuchteten Garten. Es knistert im Ofen, warmes Flackerlicht strahlt aus dem Fensterchen, erste Schweißperlen tropfen auf die Terrassenplatten. Was für eine heiße Angelegenheit an diesem kalten Abend, zu der wir noch befreundete Nachbarn eingeladen haben.
Wir wollten eigentlich mal eine feste Sauna in einem kleinen, bislang ungenutzten Patio vor unserem Haus installieren – innen haben wir keinen Platz. Ganz simple Außensaunen, die eher Gartenhütten ähneln, gibt es ab 2000 Euro inklusive Elektro-Ofen. Damit die sicher stehen, muss man aber noch ein Fundament legen, vom Fachmann ein Starkstromkabel anschließen lassen und sich eine Genehmigung von der Kommune einholen. Wählt man einen Holzofen in einer fest installierten Sauna, muss man sich den vom Schornsteinfeger abnehmen lassen. Auch eine größere Fass-Sauna muss im Bebauungsplan zulässig sein und kostet als Mittelklasse-Bausatz schnell 5000 Euro und mehr - soll das Fass mobil auf einem Hänger stehen, sind gut 8000 Euro weg, hinzu kommen dann Versicherung, Steuer und TÜV.
Als mobiles Freizeitgerät besetzt sie eine juristische Nische
All das hat uns bislang abgeschreckt, den Traum der eigenen Sauna zu realisieren - hin und wieder habe ich aber weitergeträumt, im Internet recherchiert und bin auf Videos von Zeltsaunen gestoßen. Da sieht man dann, wie ein bärtiger Mann das Popup-Saunazelt aus seinem Auto holt, es im Schnee an einem Bach auseinanderzieht, mit der Axt das Anzündholz für den Ofen spaltet und sich beim Befeuern erst mal ein Bier aufmacht. Dann schwitzt er mit Filzhut im Schein des Ofens, stapft in den Schnee und wirft sich glücklich-dampfend hinein.
Während die klassische Fasssauna oder das Sauna-Gartenhaus baurechtlich als festes Bauwerk eingestuft werden, besetzt die Zeltsauna eine juristische Nische: Sie gilt als mobiles Freizeitgerät. Da sie nicht fest mit dem Boden verbunden ist und jederzeit innerhalb einer halben Stunde abgebaut werden kann, entfällt die Notwendigkeit einer Baugenehmigung komplett. Diese Mobilität entkoppelt die Sauna von starren Bebauungsplänen und macht sie zur idealen Lösung für Mieter, Besitzer kleinerer Gärten und allen, die sie überall mit hinnehmen möchten.
Insgesamt kommt man dann aber doch auf ein Gewicht von gut 100 Kilogramm für Zelt, Ofen, Feuersteine, Holz Saunabänke und Zubehör, alles wiegt jeweils bis zu 20 Kilogramm.
Saunaparty mit Freunden auf einer Wiese
Ihr Betrieb ist vor allem deshalb unkompliziert, weil Zeltsaunen meist mit leichten Holzöfen betrieben werden, die als „ortsveränderliche Feuerstätten“ gelten. Im Gegensatz zu fest installierten Kaminen im Haus unterliegen sie in der Regel nicht der Abnahmepflicht durch den Bezirksschornsteinfeger, sofern sie nur temporär genutzt werden. Durch ihr geringes Packmaß lässt sich die Zeltsauna flexibel im Auto transportieren - etwa für eine Saunaparty mit Freunden auf einer Wiese.
Die Nutzung einer Zeltsauna ist nur durch die Einhaltung von Brandschutzabständen, das Verbot offener Feuer in Schutzgebieten sowie das Gebot zur Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft begrenzt und darf nicht in eine dauerhafte, ortsfeste Installation übergehen.
Das überzeugt offensichtlich viele - und so hat sich der Markt für Zeltsaunen, deren Urahn das beheizte Zelt fürs nächtliche Eisangeln mit viel Vodka auf russischen Seen ist, rasant entwickelt. Für jeden Bedarf gibt es das passende Modell – von minimalistischen finnischen Klassikern mit einwandigen Zelten, die man sogar auf Wanderungen mitnehmen könnte, bis hin zu luxuriösen Hochleistungs-Zelten mit Popup-Gestänge, Panoramafenstern und dreilagigen, thermoisolierten und feuerfesten Wänden, die selbst bei zweistelligen Minustemperaturen mit höllischem Inferno im Ofen 90 °C erreichen.
Lieber etwas mehr für langlebige Qualität ausgeben
Preislich beginnt der Einstieg bei etwa 600 Euro fürs Zelt, auch einen Ofen bekommt man schon für 200 Euro - doch die Qualität wird als minder bewertet, wirklich langlebig sind diese Lösungen nicht. Hochwertige Komplettsets liegen eher zwischen 1800 und 2300 Euro - Bei gut 3000 Euro ist die Obergrenze mit voller Ausstattung in der Regel erreicht.
Nach langem Vergleich der verschiedenen Anbieter - darunter auch den „Erfindern“ der sibirischen Zeltsauna aus Russland, die nach wie vor von einem deutschen Partner hierzulande vertrieben wird - haben wir uns die kleinere Näver-Zeltsauna des schwedischen Entwicklers bast („Bastu“ = Sauna) gekauft (https://bastsauna.com/de), die es ähnlich auch unter anderem Namen gibt.
Ausschlaggebend war das „All-in-One“-Konzept: Während man bei vielen Herstellern Ofen, Steine, Bänke und Zubehör einzeln konfigurieren oder sie woanders besorgen muss, bekamen wir für einen Fixpreis direkt aus Schweden, (mit den Finnen DIE Saunaexperten in Europa), ein Komplettpaket geliefert - mit Doppelkammer-Ofen inklusive Steinkorb, Feuermatte und Steinen, mit Saunabank, wetterfestem Überzelt (um sie auch mal länger stehen zu lassen), Saunaeimer mit Kelle und zwei Saunahüten aus Filz.
Zusätzlich angeschafft haben wir uns noch einen Wasserkessel, den wir über das Ofenrohr stecken - das heiße Wasser daraus mischen wir in einem Eimer mit kaltem Wasser und können uns Warmduscher mit einer mobilen Akkudusche herrlich auch in der Wildnis lauwarm abbrausen - falls gerade mal kein erfrischendes Gewässer in der Nähe ist.




Keine Kommentare