
Dieses Kratzen. Egal, zu welchem Tisch man blickt. An jedem wird etwas unfein in den Pfannen gekratzt. „Das muss so sein“, hört man immer wieder, wenn man sich scheut, selbst mit diesem großen Löffel den Reis vom Pfannenboden und den Seiten hörbar zu lösen. Egal, ob man nun in einem der kleinen Paella-Restaurants in der Altstadt von Valencia sitzt oder in einem der feinen Häuser im Naturpark Albufera .
Der ist etwa zehn Kilometer von der Stadt entfernt und die Wiege der Paella. In dem 211 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet wird der Großteil der Fläche für den Reisanbau genutzt. Entsprechend hoch ist dort und in der unmittelbaren Umgebung auch die Dichte an Restaurants, die Paella in allen Variationen anbieten - vor allem die Paella Valenciana, die nicht nur mit Hühnchen, sondern auch mit Kaninchen, Schnecken, weißen und grünen Bohnen zubereitet wird. In Valencia käme kein Einheimischer auf die Idee, für eine Paella Fisch und Geflügel in eine Pfanne zu geben, wie man es hierzulande zuweilen serviert bekommt.
Valencia ist bekannt für sein berühmtes Reisgericht. Dennoch wird man der nach Barcelona und Madrid drittgrößten Stadt Spaniens nicht gerecht, reduziert man sie auf diese Spezialität und die ausgesprochen guten und bezahlbaren Restaurants. Auch für seine malerische Altstadt mit den prachtvollen Palästen und Kirchen ist die Großstadt der gleichnamigen Provinz bekannt und ist dabei nicht mit dem touristischen Hotspot Barcelona zu vergleichen. Denn während dort die Preise in den letzten Jahren explodiert sind und die Tourismuszahlen nach oben geschnellt sind, ist es in Valencia eher beschaulich geblieben.
Denn Valencia lebt nicht hauptsächlich vom Tourismus, sondern auch von anderen starken Wirtschaftszweigen. So spielt die Automobilindustrie mit einem Ford-Werk und Zulieferern eine wichtige Rolle. Der große Hafen ist ein bedeutendes Handelsdrehkreuz, während die Huerta um Valencia ein wichtiges Gemüse- und Obstanbaugebiet ist. Zudem ist Valencia inzwischen auch bei internationalen Startup-Unternehmen ein beliebter Ort, um sich niederzulassen. Das prägt das Stadtbild, das eben von Einheimischen und Touristen bestimmt wird und damit dem Besucher viel Authentizität schenkt.
2030 will Valencia klimaneutral sein
Für Arie Blok ist es keine Frage, ob er nun Barcelona oder Valencia bevorzugt. „Eindeutig Valencia, hier ist es entspannter und weniger hektisch“, sagt der 59-Jährige. Vor allem sei es nicht so voll. Vor 30 Jahren verschlug es den gebürtigen Niederländer in die Stadt. Bis heute arbeitet der gelernte Gärtner in seinem Beruf, führt aber seit acht Jahren auch regelmäßig Touristen durch die Stadt. Am liebsten auf dem Fahrrad. Räder gibt es hier überall günstig zu mieten und sind eine sichere Art, sich in der Stadt fortzubewegen, denn das Radwegenetz ist gut ausgebaut. Während etwa rund um den Rathausplatz der Autoverkehr massiv eingeschränkt wurde. Das passt gut zur Stadt Valencia mit ihren ca. 840.000 Einwohnern. Die war 2024 „Grüne Hautstadt Europas“ und will bis 2030 klimaneutral werden.
Grün ist die Stadt bereits heute, vor alle durch den Turia-Park. Das einstige Flussbett des Turia war nach dem verheerenden Hochwasser 1957 trockengelegt und schließlich völlig neu gestaltet worden. Der Fluß wurde südlich um die Stadt umgeleitet, um Valencia vor weiteren Überschwemmungen zu schützen. So blieb die Stadt von der Flutkatastrophe im Oktober 2024 verschont, während umliegende Dörfer und Städte der gleichnamigen Provinz zerstört wurden, mehr als 200 Menschen starben.
Der Turia-Park ist längst ein beliebter Treffpunkt für Freizeitaktivitäten aller Art. Die mehr als neun Kilometer lange grüne Lunge ist komplett mit einem Radweg ausgebaut und führt auch an einem echten Highlight vorbei: Über eine Strecke von annähernd zwei Kilometer erstreckt sich die „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ des Künstlers Santiago Calatrava.
Die futuristisch anmutenden Gebäude, die zum Teil von Wasser umgeben sind, dienen unter anderem als Opernhaus, Museum und riesiges 3-D-Kino. Auch das „Oceanogràfic“, Europas größtes Aquarium, sowie ein über 17.000 Quadratmeter großer mediterrane Garten gehören zum dem beeindruckenden Ensemble entlang des Radweges, der einen schließlich auch an den weitläufigen Strand Playa de las Arenas führt.
Der lockt selbst jenseits der Badesaison Einheimische wie Touristen an. Auch dort liegen neben Standhotels einige vorzügliche Paella-Restaurants, in denen die Devise gilt: ohne Kratzen kein Genuss.
Weitere Informationen
Beste Reisezeit: Valencias Klima ist mediterran und bietet von April bis Mai und September bis Oktober angenehme Temperaturen. Von Juni bis August kann es in der drittgrößten Stadt im Osten Spaniens sehr heiß werden. Diese Zeit ist dann besser für einen Badeurlaub als für Sightseeing geeignet.
Anreise: Ab Deutschland gibt es täglich Direktverbindungen nach Valencia, ab Nürnberg mehrfach pro Woche.
Redaktioneller Hinweis: Die Recherche für manche Artikel in dieser Ausgabe wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt.



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