
Wenn eine Art der Energiegewinnung so richtig unbeliebt ist in der Bevölkerung, dann ist es wohl das Hydraulic Fracturing, kurz Fracking. Viele haben ein ungutes Gefühl, sie verbinden Fracking mit Erdbebengefahr, Risiken für das Grundwasser, mit giftiger Chemie in der Umwelt. Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in Gesteinsschichten gepresst, die kilometertief unter der Erde liegen. Dabei löst sich Erdgas. Experten schätzen, dass Deutschland auf großen eigenen Gasreserven sitzt. Seit 2017 ist Fracking hierzulande aus Umweltschutzgründen weitgehend verboten.
Das könnte sich ändern. Im Bericht „Eskalation im Nahen Osten: Auswirkungen auf Europa“ schlagen Ökonomen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vor, zu prüfen, ob Fracking in Deutschland eine Lösung wäre. Man könne, so schreiben sie, mit dieser Technologie weniger von Gasimporten abhängig sein. Weniger abhängig von US-Präsident Trump und vom Verlauf des Krieges. Die erste Reaktion auf den Vorschlag war die übliche Ablehnung: Die Risiken für die Umwelt seien zu groß.
Deutschland importiert massig Fracking-Gas aus den USA
Diese Haltung aber ist nicht umweltfreundlich, sondern merkwürdig. Denn Deutschland hat bereits massig Fracking-Gas hier. Was in den LNG-Terminals lagert, stammt zu 96 Prozent aus den USA und wurde dort überwiegend „gefrackt“. Zum Transport musste es in den flüssigen Zustand gekühlt werden. Hier angekommen, muss es wiederum in den gasförmigen Zustand erwärmt werden. Beide Prozeduren verbrauchen viel Energie. Auf dem langen Weg aus Amerika an die deutschen Küsten verzeichnet man 25 Prozent Verlust - Erdgas, das ungenutzt entweicht. Die Folge sind noch mehr Importe, um das auszugleichen. Alles zusammen ergibt das eine fürchterliche Energiebilanz.
Fracking in Amerika geschieht außerdem unter Bedingungen, die in Deutschland nicht denkbar wären. Wir profitieren davon, dass man woanders auf der Welt etwas macht, was wir besser könnten, wozu wir uns aber zu fein sind. Denn die Technologie ist inzwischen weiter, als sie noch 2017 war. Vielleicht ist Fracking nicht die eine Lösung für unsere Energieprobleme, wahrscheinlich könnte es aber dazu beitragen. So ehrlich sollten wir sein.
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