München - Die Kommunalwahl ist für die CSU denkbar schlecht gelaufen; sie hat ein Viertel ihrer Landratsposten verloren. Doch Söders Trick scheitert, der die Schuld auf die Kandidaten schiebt. Da ist etwas ins Rutschen gekommen, kommentiert Roland Englisch.
25.03.2026 14:23 Uhr

Es ist ein neuer Ton, der in der CSU herrscht. Die Kritik an Söder und seinem Führungsstil wird lauter; Basis und Funktionärsebene nehmen nicht mehr hin, wie der Nürnberger sich positioniert - und mit seinen Leuten umgeht.

Nach der Pleite bei der Kommunalwahl hatte Söder die Schuld wie so oft nicht bei sich, sondern bei den Wahlkämpfern vor Ort gesucht. Bei der Auswahl der Kandidaten, so sein Fazit, werde künftig die Parteiführung mitreden. Ein Affront gegenüber Verlierern, dir Respekt verdient hätten. Später rudert Söder zwar zurück, er sei missverstanden worden. Doch seine Ansage war eindeutig - und zudem vom Blatt abgelesen.

Der CSU-Wähler will Stabilität, nicht Beliebigkeit

Söder hätte gewarnt sein können, dass viele in der Partei sein Agieren mittlerweile kritisch sehen. Der Nürnberger ist bekannt dafür, wie schnell er den Kurs wechselt: erst glühender Atomkraftgegner, jetzt glühender Befürworter. Erst vehement gegen Flüchtlinge aus Angst vor der AfD, dann Fan einer liberalen Linie, jetzt wieder Hardliner. Mal Freund, mal Feind der Grünen.

Zu beliebig sei das, zu strategisch geprägt, werfen ihm Parteifreunde vor. Sie warnen, dass sie der Basis die häufigen Richtungswechsel kaum vermitteln können. Wer CSU wählt, will Stabilität und einen klaren Kompass. Was er nicht will, sind politische Experimente und beliebige Positionen. Was er ebenfalls nicht will: Instagram-Auftritte bis an den Rand des Klamauks.

All das und damit Söder machen sie in der Partei mitverantwortlich für die Ergebnisse der CSU - nicht nur bei der Kommunalwahl. Es rächt sich, dass er die Partei radikal auf sich zugeschnitten, die Verantwortung nicht geteilt hat. Damit zahlen zwar Erfolge nur auf seinem Konto ein, Niederlagen aber auch.

Spätestens seit dem Parteitag im Dezember sollte klar sein, dass Söder unter Bewährung steht. Die Delegierten hatten ihn mit einem für CSU-Verhältnisse historisch schlechten Wahlergebnis im Amt bestätigt, ein Warnschuss. In der Partei erwarten sie zwar Führung, aber auch Teamplay. Das ist nicht die Stärke des Solisten Söder.

Nach acht Jahren im Amt zeigt auch Söder Verschleißspuren

Acht Jahre ist Söder nun im Amt als Ministerpräsident und als CSU-Chef. Abnutzungserscheinungen sind da normal. Gefahr von innen droht Söder bei aller Kritik kaum, weil sich kein Herausforderer findet. Gemütlicher wird es für ihn dennoch nicht mehr, nicht nur, weil die eigene Partei ihn kritischer beobachtet.

Die Freien Wähler dürften nicht vergessen, wie Söder ihren Wahlerfolg als AfD-gemacht schmälern wollte - als ob AfD-Wähler einer bürgerlichen Partei ihre Stimme gäben. Dagegen spricht schon die schlechte Wahlbeteiligung. Zudem hat die AfD nie eine Wahlempfehlung abgegeben.

Der CSU-Chef will seinen Koalitionspartner klein halten. Doch der kann das Ergebnis einordnen. Die Freien Wähler wissen, dass Söder angezählt ist. Und sie kennen ihre neue Stärke. Auf Rücksichtnahme sollte der Nürnberger nicht hoffen. Zu oft hat er Aiwanger und seine Truppe vorgeführt. Auch das rächt sich jetzt.