
Er hatte es im Berliner Politikbetrieb bis weit nach oben gebracht: Der am Wochenende im Österreich-Urlaub zusammengebrochene und schließlich gestorbene Bundestagsabgeordnete Carsten Träger aus Fürth konnte gleich zwei Spitzenämter auf sich vereinigen. Der 52-Jährige war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium und zudem Vorsitzender der bayerischen SPD-Landesgruppe.
Die Nachricht von Trägers Tod, der eine Frau und zwei Töchter hinterlässt, hatte sich am Samstagabend verbreitet und für Bestürzung gesorgt. Der SPD-Politiker war beim Skifahren in Tirol gewesen. „Das ist absolut tragisch“, sagte Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung, der wie Träger aus dem Fürther Vorort Stadeln stammt und ihn als Parteifreund seit Jahrzehnten kannte, den Fürther Nachrichten. „Carsten war ein richtig guter Mensch, manchmal fast zu gut für die Politik“, so Jung. Die Umwelt und ihr Schutz seien „seine Leidenschaft und seine Lebensaufgabe“ gewesen.
Das Amt des Umwelt-Staatssekretärs war Trägers „absoluter Lieblingsjob“ gewesen
Im aktuellen Kabinett Merz wurde er im Mai 2025 zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit ernannt - sein „absoluter Wunschposten“, wie er im Gespräch mit unserem Medienhaus bekannte. Sein Vorteil war es, dass er nach jahrelanger Vertrautheit mit der Materie sofort loslegen konnte und sich nicht erst einarbeiten musste. In seinem neuen Posten war er national und international viel unterwegs und musste oft Minister Carsten Schneider vertreten.
Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU) meldete sich kurz nach der Todesnachricht zu Wort. „Im Namen des Deutschen Bundestages spreche ich seiner Familie und den Angehörigen mein tief empfundenes Mitgefühl aus. Ich wünsche ihnen alle Kraft in dieser schwierigen Zeit“, ließ sie mitteilen.
Carsten Träger kam aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und war Sohn des ehemaligen Fürther Bürgermeisters Hartmut Träger. Er studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Medienwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und war zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter des damaligen Landtagsabgeordneten Thomas Jung. Bereits 1995, im Alter von 22 Jahren, trat Carsten Träger in die Fürther SPD ein. 2002 machte er sich mit einer Werbeagentur selbstständig, die er bis 2010 innehatte.
Von 2010 bis zu seiner Wahl in den Deutschen Bundestag im Jahr 2013 war Träger hauptberuflich als Koordinator in der Werbeabteilung der Sparkasse Fürth tätig. Ab 2002 war er Mitglied des Fürther Stadtrats, ab 2008 dort stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. 2014 wurde er zum SPD-Bezirksvorsitzenden für Mittelfranken gewählt und behielt dieses Amt auch in den Folgejahren.
2013 schließlich zog Carsten Träger für die SPD im Wahlkreis Fürth in den Bundestag ein. 2017 reichte sein Listenplatz wegen des schlechten Abschneidens der SPD in Bayern zwar knapp nicht für die Wiederwahl, doch nach dem Tod eines SPD-Abgeordneten rückte er doch noch ins Parlament nach. 2021 und 2025 wurde er jeweils wiedergewählt. Träger war in Berlin zunächst Obmann des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, 2018 wurde er umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
2021 und 2025 wurde ihm die Ehre zuteil, die Bayern-SPD als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führen zu dürfen. Seit 2023 war er bereits Co-Chef der Landesgruppe gewesen und damit so bekannten Nürnberger Namen wie Renate Schmidt, Günter Gloser und Martin Burkert nachgefolgt.
Die Fürther SPD reagierte am Sonntagvormittag mit einem längeren Statement. Darin heißt es unter anderem: „Mit Carsten Träger verlieren wir einen Politiker, der sich über Jahrzehnte aus tiefster Überzeugung und mit Leidenschaft für den Schutz und die Erhaltung unserer Natur und unserer natürlichen Lebensgrundlagen eingesetzt hat und für eine Gesellschaft des Zusammenhaltes, die aufeinander Rücksicht nimmt und in der niemand verloren geht, einen Genossen und einen unersetzlichen Freund.“
„Er wollte seinen Töchtern eine bessere und lebenswerte Welt hinterlassen“
Sein politisches Wirken sei von Herzen gekommen, so die Fürther Genossinnen und Genossen: „Seinen Töchtern eine bessere und lebenswerte Welt zu hinterlassen, war sein großer Antrieb. Sein Lebensmut und seine Lebensfreude, seine Güte, seine Menschlichkeit und seine Zugewandtheit in jeder Begegnung haben ihn ausgezeichnet.“
Der Wahlkreis Fürth verliert mit dem Tode Carsten Trägers einen seiner drei Abgeordneten neben dem direkt gewählten Tobias Winkler (CSU) und dem über die Landesliste eingezogenen Bastian Treuheit (AfD). Erster Nachrücker für die SPD ist der oberpfälzische Juso-Bezirksvorsitzende David Mandrella aus dem Wahlkreis Neumarkt-Amberg.


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