Nürnberg - In den letzten 20 Minuten zeigten sie noch einmal, was möglich gewesen wäre: Beim 2:3 im zweiten Spiel der ersten Runde gegen die Fischtown Pinguins aber fanden die Nürnberg Ice Tigers zu spät zu ihrem Stil und zur richtigen Playoff-Einstellung.
22.03.2026 09:29 Uhr

22 Spiele haben sie gewonnen, 32 verloren, dabei 164 Tore geschossen und 185 kassiert. Wochenlang hatten sie ohne fünf und mehr verletzte Spieler antreten müssen – und durch leidenschaftliches Eishockey überzeugt. Als es in der Kabine und auf der Bank wieder voller wurde, wurden die überzeugenden Leistungen seltener. Evan Barratt gelang als Topscorer der Deutschen Eishockey-Liga trotzdem eine individuell historisch erfolgreiche Saison. Das und historisch gute Zuschauerzahlen bleiben von der Spielzeit 2025/2026 der Nürnberg Ice Tigers, die am Freitag, den 20. März, um 21.40 Uhr enttäuschend früh zu Ende ging.

Mit dem 2:3 (1:2, 0:1, 1:0) gegen die Fischtown Pinguins bestätigten sie lange den Eindruck einer Mannschaft, die physisch und psychisch nicht bereit zu sein schien für Playoff-Eishockey. Statt am Sonntag noch einmal zu Hause in Bremerhaven antreten zu müssen, qualifizierte sich der Siebte der Punkterunde erstaunlich mühelos für eine Viertelfinale-Serie gegen Mannheim. Was sich bereits beim 1:3 in Straubing direkt vor der langen Olympia-Pause angedeutet hatte und mit nur drei Siegen aus acht Spielen fortgesetzt wurde, fand sein Ende vor 7444 Zuschauern. So einen ruhigen Abend hatte es einer beinahe auskauften PSD Bank Arena auch noch nicht gegeben. Nach einem letztlich vergeblichen Sturmlauf im Schlussdrittel wurde die Mannschaft trotzdem freundlich in den Sommer verabschiedet. Auch das zeigt, wie viel Spaß dieser Jahrgang den Fans lange Zeit bereitet hatte - und wie groß die Hoffnungen auf eine längere Saison waren.

Zwei Drittel lang zeigten die Nürnberg Ice Tigers die Leistung aus einem Testspiel

Christian Wejse belohnte die Gäste für einen druckvollen Auftakt mit dem konsequenten Abschluss einer feinen Power-Play-Kombination (12. Minute). Den Ice Tigers hingegen wollte offensiv wenig gelingen - bis Marcus Weber bewies, dass Krister Gudlevskis (der zuvor gegen Cole Maier stark reagiert hatte) ein Mensch ist: Nach einem Lupfer des Nürnberger Kapitäns setzte der Puck direkt vor dem Bremerhavener Torhüter auf und sprang ihm über die Schiene ins Tor (15.). Schön war das nicht, aber kurios und immerhin eine Gelegenheit zum Jubeln. Und hätten die Ice Tigers danach nicht CJ Smith direkt vor Niklas Treutle übersehen (17.), vielleicht hätte der unverhoffte Ausgleich für Hoffnung sorgen können. So aber starteten die Pinguins auch souverän ins zweite Drittel, ebenfalls ungehindert erzielte Philipp Bruggisser das 1:3 (22.). Das liest sich bisher wie der Spielbericht aus der Vorbereitung im August? Genau so hat das auch ausgesehen.

Nach zwei Eisentreffern der Pinguins schienen nicht wenige Nürnberger nur noch darauf zu hoffen, dass es schnell vorbeiginge. Zum Schlussdrittel stellte Mitch O‘Keefe noch einmal um. Der sichtlich angeschlagene Brett Murray durfte wieder an der Seite von Barratt und Samuel Dove-McFalls stürmen. Und tatsächlich entwickelten die Ice Tigers erstmals nachhaltigen Druck. Doch Tyler Spezia zielte mit der Rückhand über das Tor, ein wildes Power-Play führte zu vielen Schüssen, aber ebenfalls nicht zum 2:3. Das gelang Dove-McFalls ebenfalls in Überzahl per Nachschuss (55.).

Die letzten Schüsse zischen neben dem Bremerhavener Tor vorbei

Plötzlich waren die Ice Tigers wieder da wie man sie aus dem November kannte oder aus den Playoffs 2025: voller Selbstvertrauen, technisch und läuferisch stark, überzeugt davon, das Unmögliche möglich zu machen. Doch diese Rückbesinnung auf die eigenen Stärken kam viel zu spät. Die letzten Schüsse von Dove-McFalls und Owen Headrick zischten an Gudlevskis und am Bremerhavener Tor vorbei.

Nicht allein diese Niederlage, eher das 0:4 in Bremerhaven am Dienstag und das seltsam blutleere Ende der regulären Saison dürfte vor allem Sportdirektor in einem langen Sommer noch lange beschäftigen.


Info

Nürnberg: Treutle; Headrick/Karrer, Haiskanen/Akdag, Böttner/M. Weber – Barratt/Graber/Spezia, Murray/Maier/Dove-McFalls, Gerard/Meireles/Heigl, Bakos/Kechter/Eham, Alanov. – Tore: 0:1 Wejse (11:18/5-4), 1:1 M. Weber (14:24), 1:2 Smith (16:25), 1:3 Bruggisser (21:16), 2:3 Dove-McFalls (54:32/5-4). – Schiedsrichter: Frano/Rohatsch. – Zuschauer: 7444. – Strafminuten: 2 – 6.