
Eigentlich hätten sie die Saison direkt danach beenden müssen. Von den 7672 Menschen in der Arena ahnten sicher nicht wenige, dass es schöner kaum werden würde. Die anderen aber wagten vielleicht zu träumen. Kurz zuvor hatte Evan Barratt einen klugen Pass von Julius Karrer an Mathias Niederberger vorbei gelenkt, an Mathias Niederberger, dem Nationaltorhüter, dem Vizeweltmeister. Dieses späte 5:4 gegen den EHC Red Bull München ließ die Fans aufschreien, klatschen, singen, lachen, und die besonders Romantischen unter ihnen daran glauben, dass diese Nürnberg Ice Tigers alles erreichen könnten. Wirklich alles. In der Hoffnung, dass ihnen diese Mannschaft immer wieder solche Momente schenken würde, füllen sie die Arena. Sie haben gesehen, dass es möglich ist.
Das passierte allerdings am Sonntag, den 18. Januar 2026. Es war der 41. Spieltag. Die Saison ging in der Deutschen Eishockey-Liga danach erst so richtig los.
Diese Nürnberg Ice Tigers scheinen vergessen zu haben, wie gut sie sein können
Am Freitag könnte die Saison der Ice Tigers aber tatsächlich zu Ende gehen. Gewinnen sie gegen die Fischtown Pinguins, dürfen sie am Sonntag mindestens noch einmal antreten. In Bremerhaven ginge es ab 14 Uhr um den Einzug ins Playoff-Viertelfinale. Möglich ist das natürlich, doch dafür müssten sich die Spieler selbst erinnern, wozu sie in der Lage sind. Seit der Olympia-Pause scheinen die Ice Tigers aber genau das vergessen zu haben.
Owen Headrick scheint vergessen zu haben, dass es in der DEL keinen zweiten Abwehrspieler gibt, der die blaue Linie so souverän entlang patrouilliert, der Pucks so akrobatisch im Spiel hält, der so dynamisch angreift und so schnell und sicher wieder verteidigt. Samuel Dove-McFalls scheint vergessen zu haben, mit welcher Leichtigkeit er noch im Januar gegnerische Angriffe gestoppt, den Gegenangriff mit einem präzisen Pass eingeleitet und einen Sprint später formvollendet abgeschlossen hatte. Und Evan Barratt scheint vergessen zu haben, dass er sich nicht die gesamte Verantwortung auf die Schultern laden muss, um es seinen Mitspielern leichter zu machen.
Karrer, Eham, Heigl oder Alanov scheinen noch daran zu glauben
Headrick, Dove-McFalls und Barratt sind die produktivsten, wichtigsten, schlicht besten Spieler der Ice Tigers. Nur waren sie das nicht am Dienstag in Bremerhaven. In der Schlussphase des 0:4 in der ersten Partie der ersten Playoff-Runde waren es Thomas Heigl, Julius Karrer, Josef Eham und Eugen Alanov, die sich mit der klaren Niederlage nicht abfinden wollten, die immer wieder anliefen, die immer wieder versuchten, Krister Gudlevskis im Tor der Pinguins doch noch zu überwinden. Alles in allem aber schien es der Nürnberger Mannschaft an der Überzeugung zu fehlen, am Selbstvertrauen, sich auf die Stärken zu konzentrieren, statt darauf zu hoffen, dass der Gegner die eigenen Schwächen nicht ausnutzt. Diese Ice Tigers scheinen vergessen zu haben, was sie an Sonntagen wie jenem im Januar so stark gemacht hat: der unbändige Glaube an sich selbst, Zusammenhalt, Freude am Eishockey.
Das Schöne ist, dass sie nun nur noch vergessen müssen, zum Beispiel, wie groß und breit dieser Gudlevskis noch am Dienstag zu sein schien, dass sie den Bremerhavener Stürmern nun zum zweiten Mal in Folge immer wieder viel Platz und Zeit vor dem eigenen Tor gewährten und dass diese Pinguins in den Playoffs keine Fehler machen. Eigentlich müssten sie sich nur an das Glücksgefühl des 5:4 gegen München erinnern. Dann kann die Saison erst so richtig losgehen.



6 Kommentare
Thomas
Anscheinend war BM#81 nicht fit. Zumindest nicht fit genug... auch Verlic schleppte sich letzten Freitag übers Eis, es war erkennbar, dass er Probleme hatte. Unterschied: Verlic hat trotzdem getroffen.... ok. Murray hat uns am Anfang Energie gegeben, schaunmermal... schönen Sommer allen Co-Kommentatoren! bSidA, rubeLl!
21.03.2026 09:17 Uhr