Nürnberg - Eine Woche ist die Wahl in Baden-Württemberg nun her, nächste Woche wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Abstimmungen, die Chancen für eine lebendige Demokratie bieten - wenn die Parteien sie nutzen. Alexander Jungkunz zweifelt daran in seinem Kommentar.
13.03.2026 15:21 Uhr

Ach, diese Wähler! Machen es den Gewählten nicht leicht. Können sich bei Kommunalwahlen nicht entscheiden, wer ihre Stadt regieren soll - daher gibt es nächste Woche (und in zwei Wochen in Hessen, das nun wählt) Stichwahlen. Oder sorgen, wie in Baden-Württemberg, nun dafür, dass Grüne und CDU nahezu gleichauf liegen - und erst mal streiten.

Denn die Union grollt und schmollt. Die „Schmutzkampagne“ der Grünen habe dem CDU-Kandidaten Hagel geschadet. Ach. Wer, bitte, hat jahrelang eine Dauer-Kampagne auch mit Fake News gegen die Grünen geführt? Neben Ober-Basher Markus Söder viele andere Unions-Politiker. Also bitte Dampf ablassen.

Was, wenn die Wähler genau diese Koalition aus Grünen und Schwarzen wollen?

Einige in der CDU hätten am liebsten Neuwahlen - und scheinen zu versuchen, die Bildung einer Regierung zu verzögern. Andere fordern, die Grünen müssten das CDU-Programm 1:1 übernehmen. Die CDU wäre besser beraten, das Resultat zu akzeptieren, zu analysieren - und seine Chancen zu sehen. Was, wenn viele Wähler mit dem Kurs der CDU unzufrieden sind? Da sind die vielen Ankündigungen, denen kaum Taten folgen. Oder die Unterstellung, viele Deutsche seien zu faul und machten zu oft blau.

Und was, wenn eben eine klare Mehrheit - die ja an sich schon ein erfreuliches, inzwischen rares Ergebnis ist - genau diese beiden Parteien regieren sehen will? Weil eine Mehrheit will, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt und Stuttgart eben nicht das deutsche Detroit werden soll. Aber eine Wirtschaft, die Rücksicht nimmt auf Umwelt und Klima. Die zeigt, dass grünes Wachstum möglich ist - auch ohne die nun von Hardlinern konfrontativ ins Spiel gebrachte Kernkraft.

Das Resultat zeigt auch: Schwarz-Grün (oder Grün-Schwarz) ist nicht tot. Das eröffnet der Union neue Bündnis-Optionen: Da ist eben nicht nur die schwindsüchtige SPD. Allerdings braucht es für eine Erweiterung der unter Demokraten eigentlich selbstverständlichen Andock-Möglichkeiten einen fairen Umgang miteinander: Wer die Grünen verteufelt, tut sich natürlich schwer, zu erklären, warum er irgendwann doch mit ihnen kooperiert.

Natürlich steckt auch Angst hinter dem Bashing. Denn zum Teil überlappen sich die Wählerschichten von Union und Grünen. Erhalt der Schöpfung oder Natur, das haben beide im Programm. Cem Özdemir setzt auf Wachstum und Wirtschaftsfreundlichkeit - da können die Grünen den Konservativen Wähler abspenstig machen. Es wird spannend, welche Lehren sie aus seinem Erfolg ziehen: Ein pragmatischer, unideologischer Kurs der Mitte zahlt sich aus - bundesweit ist der noch nicht in Sicht.

Wie wäre es mit einem Wettbewerb um die erfolgreichste Landesregierung?

Wie wäre es, wenn Grüne und CDU sich zusammenraufen? Zank hilft nur ihren Gegnern. Und eine funktionierende Regierung im einstigen Musterländle könnte ausstrahlen. Ähnliches gilt für Rheinland-Pfalz: Dort dürften CDU und die bisher regierende SPD zu einer Koalition mit stabiler Mehrheit gezwungen sein. Wie wäre es, wenn auch dort nicht gestritten, sondern gemeinsam gut regiert würde?