
Markus Söder zeigte sich noch siegesgewiss am Tag nach den Kommunalwahlen. Seither ist wenig zu hören gewesen zum Ausgang dieser Abstimmung. Der Grund ist einfach: Die CSU ist einer der Wahlverlierer der Kommunalwahlen 2026 in Bayern. Weniger als ein Drittel der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Dauer-Regierungspartei im Freistaat. Ein historisches Tief. Von der einstigen 50-Prozent-Partei ist nichts mehr übrig, die Christsozialen schrumpfen im Kommunalen zur Drittel-Kraft, die 30-Prozent-Hürde dürfte künftig im Blickfeld liegen.
An dieser Bilanz ändert auch der Ausgang der Stichwahlen nichts mehr, denn dort geht es nurmehr um prestigeträchtige Posten, nicht mehr um eine Korrektur des landesweiten Ergebnisses. Umso mehr wird Söder sich an der Nürnberger OB-Wahl festklammern - fährt Marcus König den erwarteten Sieg in der Noris ein, wird dies in der Gesamtbilanz des CSU-Chef gebührend Platz finden.
Eher kann sich Hubert Aiwanger zum Wahlsieger erklären - neben der AfD
Gleiches gilt für die ein oder andere Landratswahl, die noch offen ist. Hier haben vor allem die Freien Wähler ihren Nimbus als CSU-Schreck wieder alle Ehre gemacht. In etlichen Kreisen sind ihre Vertreter in die Stichwahl eingezogen. Aus CSU-Sicht gilt vor allem Neumarkt als möglicher Kipppunkt. Erstmals steht dort ein Freier Wähler im Finale. Fiele dieser traditionell schwarze Landkreis an die Freien, wäre dies mehr als ein Betriebsunfall.
Jenseits dieser Einzelentscheidungen konnte sich Hubert Aiwanger mit einem minimalen Zugewinn tatsächlich zurecht zum Wahlsieger erklären. Wobei dieser Titel genau genommen nur der AfD zusteht. Sie hat ihren Anteil von 4,7 Prozent auf 12,2 Prozent mehr als verdoppelt. In etlichen Kreis- und Gemeindetagen stellt die AfD die drittstärkste Kraft - weit vor Grünen und SPD. Diese Parteien sind die Wahlverlierer, worüber auch der Einzug in Stichwahlen der beiden größten bayerischen Städte nichts ändert. Die Grünen konnten immerhin zweitstärkste Kraft in Bayern bleiben, müssen jedoch im Vergleich zu 2020 ordentlich Federn lassen. Und die SPD? Ist gerade noch für 12,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler attraktiv. Langsam sollte die Floskel von der Volkspartei überdacht werden.
Mit knapp 18 Prozent Anteil zählen die kleineren Gruppierungen zu den Wahlsiegern, allen voran die Linke, die in Bayern zulegen konnte. Strukturell, das ist auch Teil der Wahrheit, bleibt der Freistaat konservativ geprägt. Addiert man CSU-, Freie Wähler- und AfD-Anteile, kommt man auf 56,8 Prozent - und liegt somit über jenen 50 Prozent, für die die CSU früher mal gestanden hat.
Und noch eine Lehre lässt sich aus dieser Wahl ziehen: München (das gilt auch für Würzburg, wo die Lage ähnlich ist) hat mit Rest-Bayern politisch wenig gemein - zumindest wenn es um Wahlergebnisse geht. Dass ein Grüner beste Chancen hat, dort OB zu werden, spricht Bände. In Nürnberg, dies zum Vergleich, kam die Grünen-Kandidatin auf gerade mal 10,4 Prozent.

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