Bonn - Das ist Abzocke, denken sich viele Autofahrer beim Tanken. Und sie könnten recht haben, die Spritpreise steigen stärker als die Rohölpreise – besonders in Deutschland. Die Monopolkommission übt Kritik und hat einen Vorschlag.
10.03.2026 15:53 Uhr

Der rasant steigende Spritpreis macht viele Autofahrer misstrauisch. Nutzen manche Händler und Konzerne die Krise, um Kasse zu machen? Letzte Woche fiel der Anstieg der Benzin- und Dieselpreise in Deutschland mehr als doppelt so hoch aus wie im EU-weiten Durchschnitt, darauf deuten Daten der EU-Kommission hin. „Das liegt nicht an Steuern und Abgaben, denn diese sind fix“, erklärt Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission. „Das Problem liegt vielmehr in der Struktur des Großhandels. Wenige integrierte Konzerne kontrollieren Raffinerien, Großhandel und Tankstellen zugleich. Das dämpft den Wettbewerbsdruck.“

Deshalb sei es richtig, „dass das Bundeskartellamt die Preisentwicklung und die Margen im Mineralölmarkt über seine Markttransparenzstelle beobachtet“, teilt Duso mit und begrüßt es, dass das Kartellamt inzwischen ein Verfahren eingeleitet hat. „Klar ist aber auch: Das Kartellrecht ist kein Instrument für schnelle Preiskorrekturen über Nacht.“ Es gibtaber grundsätzliche Lösungen, um die häufigen Preisschwankungen in Deutschland in den Griff zu bekommen, die auch schon vor dem Iran-Krieg viele Verbraucher verärgert haben.

Steigende Spritpreise: Tankrabatt ist keine sinnvolle Lösung

„Wer jetzt einfache Lösungen wie einen neuen Tankrabatt, eine Übergewinnsteuer oder starre Preisdeckel verspricht, macht es sich zu leicht“, gibt Duso zu bedenken: „Solche Maßnahmen kosten Milliarden, kommen je nach Schätzung nicht vollständig bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an oder greifen tief in den Marktmechanismus ein und können so neue Probleme schaffen.“ Es verweist auf eine praktikable und erprobte Methode, mit der ein Nachbarland schon gut fährt.

Der Monopolkommissionschef empfiehlt das österreichische Modell: Da werden Preiserhöhungen auf einmal täglich begrenzt, Senkungen bleiben aber jederzeit möglich. „So werden Verbraucherinnen und Verbraucher vor abrupten Preissprüngen geschützt, ohne den Wettbewerb auszuhebeln“, erklärt Duso. „Ein weiterer sinnvoller Vorschlag könnte sein, dass Apps nicht alle Tankstellen im Umkreis anzeigen, sondern nur die günstigsten Tankstellen.“ Mittelfristig seien jedoch vor allem strukturelle Reformen nötig: mehr Transparenz im Großhandel und ein stärkerer Wettbewerb durch unabhängige Anbieter.

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Bundesregierung und den Gesetzgeber in den Bereichen Wettbewerbspolitik, Wettbewerbsrecht und Regulierung berät. Sie besteht aus fünf Mitgliedern, die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt werden. Tomaso Duso ist seit 2024 Vorsitzender der Kommission.