
Abende in der Nürnberger Arena enden mit hüpfenden Eishockeyspielern oder zuletzt immer wieder mit Pfiffen von den Rängen. Am Freitagabend waren keine Spieler zu sehen und keine Unmutsbekundungen zu hören, viel mehr breitete sich Erleichterung aus - trotz des 4:5 gegen Berlin, trotz eines Spielverlaufs, der nicht in der sechsten Niederlage im siebten Spiel hätte enden müssen. In den 60 Minuten zuvor aber hatten die Nürnberg Ice Tigers ihren Fans und sich selbst bewiesen, dass sie es noch wollen und noch können. 46 Stunden später erlebten dann etwa 60 Nürnberger auf den Rängen der Arena in Wolfsburg die Auswirkungen dieses Abends.
„Wir müssten erst wieder erfahren, dass wir den Kopf runternehmen, Männer sein müssen. Es sind viele Niederlagen, aber wenn wir so weitermachen, wird alles gut“, hatte Mitch O’Keefe nach der wilden Begegnung mit dem Meister festgestellt und wirkte dabei viel entspannter als nach den Heimniederlagen zuvor. In Wolfsburg durfte er sich dann auch wieder über einen ungemein wichtigen Sieg freuen. Nach dem 4:1 (2:1, 1:0, 1:0) beim einstigen Angstgegner brauchen die Ice Tigers aus dem Heimspiel gegen Bremerhaven am kommenden Freitag und der Partie in Frankfurt noch drei Punkte, um ihre Saison zu verlängern. Vor allem aber kann die Mannschaft nach der Leistungssteigerung den Playoffs zuversichtlich entgegenblicken. Gegen Berlin stimmten Intensität und Laufbereitschaft, in Wolfsburg kamen konsequentes Körperspiel und seriöses Defensivverhalten hinzu.
Will Graber sichert den wichtigen Auswärtssieg der Nürnberg Ice Tigers in Wolfsburg
Das heißt nicht, dass es nicht noch Arbeit gibt: Das Power-Play bleibt eine Baustelle, das war auch in Wolfsburg zu sehen, als Jakob Weber den Puck hinter dem eigenen Tor verlor und der Verteidiger Keaton Thompson die Grizzlys in Unterzahl in Führung schoss (12. Minute). Mit jedem Angriff danach aber wurden die Pässe genauer und die Spielzüge selbstbewusster. Tyler Spezia schloss eine gelungene Kombination über Evan Barratt und Will Graber ab (16.). Thomas Heigl, der es bereits am Freitag mit seinem späten 4:5 in Unterzahl noch einmal spannend gemacht hatte, demonstrierte das neue Selbstbewusstsein mit dem präzisen Abschluss eines Konters (18.).
Solche Spiele hatte es in den Monaten zuvor immer wieder gegeben. Oftmals hielten die Ice Tigers die Konzentration nach einem ordentlichen Drittel aber nicht mehr. Diesmal schon. Das 3:1 aber war noch aus anderen Gründen wichtig: Samuel Dove-McFalls verwertete den Pass von DEL-Topscorer Barratt in Überzahl und beendete damit auch seine persönliche Formkrise (39.). Der Rest geriet den ohne die verletzten Cody Haiskanen, Brett Murray und Jake Ustorf (dessen Saison nach Handgelenks-OP bereits beendet ist) angetretenen Gästen erfreulich unspektakulär. Fehlerfrei verwalteten sie die Wolfsburger Versuche, doch noch an diesem Spiel teilzunehmen. Als Tyler Haskins, der neue in Nürnberg nicht unbekannte Trainer der Grizzlys alles riskierte, traf Will Graber ins leere Tor (59.). Im Gästeblock wurde gejubelt und auf dem Eis ein wenig gehüpft.
Info
Nürnberg: Fitzpatrick; Karrer/Headrick, M. Weber/J. Weber, Böttner/Akdag - Spezia/Graber/Barratt, Heigl/Meireles/Bakos, Gerard/Maier/Dove-McFalls, Alanov/Kechter/Eham. - Tore: 1:0 Thompson (11:05/4-5), 1:1 Spezia (15:56), 1:2 T. Heigl (17:05), 1:3 Dove-McFalls (38:32/5-4), 1:4 Graber (58:29/EN). - Schiedsrichter: Rohatsch/Polaczek. - Zuschauer: 4011. - Strafminuten: 6 - 4.



9 Kommentare
Thomas
Zwei Heimspiele wären natürlich gut fürs Budget, gut für (künftige Haupt-)Sponsoren und für die Chance auf Spiele gg Köln oder Straubing. Aber bleiben wir realistisch.... bbidA rubeLl!
10.03.2026 17:30 Uhr