
Der Durchblick fiel am Ende schwer. Die Zuschauer, die dem HC Erlangen im Arena-Tollhaus längst im Stehen applaudierten, versperrten zum Teil die Sicht. Den Überblick hatte der HCE beim wichtigen Heimerfolg gegen GWD Minden zuvor nicht verloren und seinen Vorsprung auf die Abstiegszone durch ein konsequent herausgeworfenes 36:31 (16:15) verdeutlicht. Viggó Kristjánsson ragte beim Richtig-Wichtig-Sieg mit 16 Toren heraus.
Sichtbar waren Erlangens Anstrengungen früh. Marek Nissen blockte einen Wurf und warf die Gastgeber durch die Beine von GWD-Keeper Malte Semisch in Führung. Dass Nissen und Yannik Bialowas am 2,11-Meter großen Keeper scheiterten, machte es im Anschluss komplizierter. Dass Viggó Kristjánsson in Tore-Laune war, machte es hingegen einfacher.
Mit großer Beständigkeit hatte Erlangens Unterschiedsspieler seine Abschlussstärke bereits verdeutlicht, als er die Hausherren auf 4:5 heranbrachte (8.). Mächtig gut war die Stimmung in der mit 6137 Zuschauern prächtig gefüllten Heimhalle des HCE, als Kristjánsson den Ball aus der eigenen Hälfte heraus über Alexander Weck hinweg ins Mindener Tor warf und diese Übung kurz darauf zielsicher wiederholte (10.).
Tin Herceg pariert - Viggó Kristjánsson zwingt dem GWD-Coach eine Auszeit auf
Auch wenn dieser Drehmoment nicht hielt: Beim erfolgreichen Abschluss sollte Erlangens X-Faktor am Sonntag auch im Anschluss keiner ein X vor einem U vormachen. Dass Tin Herceg, der für den glücklosen Khalifa Ghedbane im Gastgeber-Gehäuse übernahm, Alu-Glück mit Freude am Parieren kombinierte, half dem HCE wie harte Abwehrarbeit. Vorne bedeuteten zwei Kristjánsson-Tore ein 12:10 und zwangen GWD-Coach Aaron Ziercke zu einer Auszeit. Kristjánsson interessierte das wenig. Das 14:11 war sein zehnter Treffer (23.). Es sah gut aus, auch wenn Andri Rúnarsson die Chance auf eine Vier-Tore-Führung ausließ. Weil man in der Offensive zu umständlich agierte und sich couragierte Mindener nicht abschütteln ließen, war Erlangen nach der ersten Hälfte trotzdem nur hauchzart vorne.
Ein kurzer Blick auf die Tabelle machte die Ausgangslage auch in der Pause transparenter. Mit einem Heimsieg konnte der HCE seinen Vorsprung auf die Abstiegsplätze vergrößern und die Sorge, dass es im letzten Saisondrittel noch einmal eng für ihn werden könnte, wegwischen. Erlangens Antrieb, den ersten Sieg im Kalenderjahr einzufahren, erklärte das auch nach Wiederbeginn.
Marek Nissen und Tim Gömmel steigern das Wohlbefinden in Nürnberg
Bialowas und Scheerer sprangen als Torschützen nun in die Bresche. Herceg hatte sich längst warmpariert, als Tim Gömmel und Nissen weitere HCE-Führungen ermöglichten. Als Sebastian Firnhaber den Ball nach Øverjordets Zuckerpass ins GWD-Gehäuse gepresst hatte, erhoben sich nahezu alle Zuschauer bereits im Jubelsturm. Es sah gut aus für den HCE in seiner stimmungsvollen Heimhalle.
Kristjánsson setzte seine wilde Tore-Fahrt fort, Nissen und Gömmel steigerten das Wohlbefinden im Klatschpappengewitter. Während die Gäste zunehmend die Übersicht verloren, baute Erlangen seinen Vorsprung aus und wiederholte sich sein bester Handballspieler mit weiteren Toren aus der eigenen Hälfte. Dass sich die Freude darüber auch deutlich später noch in glücklichen Gesichtern spiegeln sollte, war vor dem 16. Treffer des Isländers bereits glasklar.
HC Erlangen: Ghedbane, Herceg; Kristjánsson 16/3, Nissen 5, Gömmel 3, Øverjordet 3, Scheerer 3, Buck 2, Bialowas 2, Firnhaber 2, Metzner, Schultz, Steinert, Willax, Rúnarsson.




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