Nürnberg - Auch das dritte Heimspiel nach der Olympia-Pause haben die Nürnberg Ice Tigers verloren: Trotzdem war das dramatische 4:5 gegen Meister Eisbären Berlin eine Wiedergeburt. Für die Playoffs wird es aber nun denkbar knapp.
06.03.2026 22:03 Uhr

Am liebsten wäre ihnen natürlich ein Tor gewesen, vielleicht sogar ein spektakuläres. Sie hätten aber auch einen geblockten Schuss genommen, einen krachenden Check. Für diesen einen Moment aber, der alles verändert, musste einer von ihnen sorgen, möglichst früh im Spiel gegen den Meister. Evan Fitzpatrick wusste das und als in der vierten Minuten einen Schuss hatte abprallen lassen müssen, wusste er, dass es an ihm war, für diesen Moment zu sorgen. Fitzpatrick ging in den Spagat, warf seine Torhüterkelle weg und wehrte den Nachschuss des Berliner Nationalspielers Jonas Müller auf der Linie mit der Stockhand ab - nur eben ohne Stock.

Auch nach Fitzpatricks Parade unterliefen den Nürnberg Ice Tigers noch Fehler, sie spielten immer wieder diesen einen Pass zu viel, in Unterzahl verloren sie Gegenspieler aus den Augen. Aber nach dieser vierten Minute des Heimspiels gegen die Eisbären Berlin zeigte die Mannschaft ihrem enttäuschten Trainer Mitch O‘Keefe, ihren zuletzt mindestens verwunderten Fans und nicht zuletzt sich selbst, wozu sie immer noch in der Lage sind: zu leidenschaftlichem Eishockey. Zu einem Sieg reichte das nicht, beim 4:5 (0:0, 2:3, 2:2) aber zu einem Kampf bis zur letzten Sekunde.

Die Trainer der Nürnberg Ice Tigers bekommen Unterstützung - von Stefan Ustorf

O‘Keefe hatte die Aufstellung nach dem missratenen 2:5 gegen Schwenningen ändern müssen - nicht nur aus sportlichen Gründen. Brett Murray und Jake Ustorf fielen verletzt aus. Dafür kehrte Josef Eham bereits wieder aufs Eis zurück. Und hinter der Bande bekam O‘Keefe Unterstützung. Auf Wunsch des Cheftrainers stand auch Sportdirektor Stefan Ustorf hinter den Spielern. Auch die Ice Tigers in Anzügen wollten ein Zeichen setzen.

Auf dem Eis dauerte es, bis die Spieler auch offensiv Zeichen setzen konnten. Einsatz und Laufbereitschaft aber waren von der ersten Sekunde an wieder auf Normalniveau. Nach einem ausgeglichenen ersten Drittel hatte es Marcel Noebels bei seinem Führungstreffer zwar zu leicht (23.). Kurz darauf aber drückte Evan Barratt den Puck auf der anderen Seite über die Linie (25.). In der Folge aber nutzten die Eisbären die derzeit größten Schwächen der Ice Tigers: Jean-Sébastien Deas 1:2 fiel noch maximal unglücklich (26.), in Unterzahl ließen sie Yannick Veilleux zu viel Platz (29.) und in den beiden eigenen Power-Plays danach funktionierte gar nichts. Das 2:3 musste aber nicht schön fallen: Aus dem Hintergrund traf Cole Maier im dritten Überzahlspiel (39.).

Thomas Heigl trifft noch einmal - in Unterzahl

Die nächsten Zeichen setzten wieder Fitzpatrick (bei Eric Hördlers 2:4 sah der Nürnberger Torhüter nicht gut aus, der Berliner Markus Vikingstad mit einem hohen Stock, den die Ice Tigers im Power-Play nicht bestrafen konnten, und Julius Karrer mit einem famosen Treffer (57.). Hoffnung kehrte zurück, bis Fitzpatrick das Tor verließ, Greg Meireles den Puck verlor und Liam Kirk mit einem gezielten Weitschuss das Spiel vermeintlich beendete (58.). Die Ice Tigers aber gaben sich nicht auf, diesmal nicht.

In Unterzahl sorgte Thomas Heigl mit dem 4:5 sofort wieder für Spannung (59.). Noch einmal wurde es eng vor dem Berliner Tor, den letzten Schuss von Cole Maier aber pflückte Eisbären-Torhüter Jochen Stettmer locker aus der Luft - weshalb es auch in der Tabelle eng wird. Vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (16.30 Uhr) in Wolfsburg ist der Vorsprung auf Platz (Augsburg) auf drei Punkte geschrumpft. Es wäre an der Zeit, durch ein Ergebnis ein Zeichen zu setzen.


Info

Nürnberg: Fitzpatrick; M. Weber/Akdag, Karrer/Headrick, Böttner/J. Weber – Spezia/Graber/Barratt, Dove-McFalls/Maier/Gerard, Heigl/Meireles/Bakos, Eham/Kechter/Alanov. – Tore: 0:1 Noebels (22:22), 1:1 Barratt (24:28), 1:2 Dea (25:42), 1:3 Veilleux (28:46/5-4), 2:3 Maier (38:20), 2:4 Hördler (51:44), 3:4 Karrer (56:21), 3:5 Kirk (57:40/EN), 4:5 Heigl (58:31/4-5). – Schiedsrichter: Cespiva/Schrader. – Zuschauer: 7672 (ausverkauft). – Strafminuten: 8 – 10.