
Nachdem die Gäste zum dritten Mal getroffen hatten, ließ der Arena-DJ die Orgel erklingen. An guten Abenden sorgt er so für lockere Stimmung. An diesem Abend wirkte es, als säße der Orgelspieler in einer leeren Kirche. Es schien, als hätte sich nicht nur die Mannschaft aufgegeben. Es schien, als hätten auch die Zuschauer den Glauben an die Mannschaft verloren. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, sangen die Fans in der Südkurve - eher zaghaft. Wenig später erzielten die Schwenninger Wild Wings das 4:1.
Eine Woche, nachdem Mitch O‘Keefe seine Mannschaft mit bebender Stimme zu mehr Ernsthaftigkeit aufgefordert hatte, sorgten die Nürnberg Ice Tigers für stille Frustration. Es ist nicht so, als hätte es in den sieben Tagen nach dem 1:4 keine Entwicklung gegeben. Sie ging nur in die falsche Richtung. Im wichtigen Heimspiel gegen Schwenningen gab es keine unglücklich vergebenen Großchancen, beim 2:5 (0:1, 1:3, 1:1) gegen die Wild Wings sahen 5380 Besucher ein Team, das vergessen hat, dass es bereits erfolgreich und ansehnlich Eishockey gespielt hat.
Der Kapitän der Nürnberg Ice Tigers ragt heraus, so schwer war das aber diesmal nicht
Dabei war Nürnbergs Spieler Inspiration geboten worden. Dass zu Sinan Akdags 1001. DEL-Spiel Ligaboss Gernot Tripcke mit einem Siegelring als Geschenk angereist war und in Nürnberg semi-beliebte Spieler wie Yasin Ehliz oder David Wolf Akdag per Video-Botschaften gratulierten, dürfte dabei nicht so wichtig gewesen sein wie die Rückkehr des Kapitäns. Marcus Weber war nach zwei Spielen Pause wieder dabei, nicht gesund, aber motiviert, seine Mannschaft aus dem Tief zu führen. An Weber lag es auch nicht.
Ein Fehlpass, nach dem er das 0:1 nur durch einen regelwidrigen Einsatz verhindern konnte, der in Unterzahl doch noch zum 0:1 durch Gettinger führte (5. Minute), war eine Folge eines kleinen Handicaps. Danach aber war Weber der einzige Nürnberger, der zu seiner Leistung fand. Er erzielte den Ausgleich (24.), blieb in Zweikämpfen stabil, spielte kluge Pässe, setzte immer wieder sein Tempo ein. Das reichte, um an diesem Abend herauszuragen. Die Gäste zeigten einfaches, physisches Eishockey. Das führte zu Strafen, die das hektische Nürnberger Power-Play aber nicht nutzen konnte (dafür verletzte sich Brett Murray). In eigener Unterzahl waren die Ice Tigers genauso hilflos. Karachun nutzte die nächste Überzahl zum 1:2 (25.). Vor der Orgel hatte Owen Headrick den startenden Hänelt übersehen (31.). Beim 1:4 wurde Hungerecker angeschossen (38.).
Das erste Zeichen setzte dann O‘Keefe, indem er Niklas Treutle erlöste. Aber auch mit Evan Fitzpatrick im Tor blieb Nürnberg harmlos. Nach viel Aufwand gelang Tyler Spezia das 2:4 (55.). Mehr war nicht drin. Als Neunter vergrößerte Schwenningen den Vorsprung auf vier Zähler, weil Augsburg in Köln verlor, halten die Ice Tigers den wichtigen Platz zehn aber mit einem Polster von sechs Punkten. Im ausverkauften Heimspiel gegen Berlin sollten sie es sich darauf am Freitag (19.30 Uhr) nicht bequem machen.
Info
Nürnberg: Treutle (41. Fitzpatrick); Headrick/Karrer, Graber/Akdag, J. Weber/M. Weber, Böttner – Barratt/Dove-McFalls/Murray, Spezia/Meireles/Ustorf, Gerard/Maier/Heigl, Kechter/Bakos/Alanov. – Tore: 0:1 Gettinger (4:33/5-3), 1:1 M. Weber (23:17), 1:2 Karachun (24:52/5-4), 1:3 Hänelt (30:23), 1:4 Hungerecker (37:22), 2:4 Spezia (54:21), 2:5 Platzer (59:57/4-6/EN). – Schiedsrichter: Ansons/Kozari. – Zuschauer: 5380. – Strafminuten: 10 – 12.



11 Kommentare
LucioB
Alanov lt. rinkrat nach Kassel
06.03.2026 13:33 Uhr