
Das Ziel des HC Erlangen war so naheliegend wie das unbestimmte Gefühl danach. Einen Sieg in Thüringen hatte der Handballclub vor einer hartumkämpften Partie kompromisslos in Aussicht gestellt. Dass am Ende ein Unentschieden stand, war jedoch leistungsgerecht. Beim 25:25 (10:13) hatten die Gäste im Reizklima der Werner-Aßmann-Halle rigoros dagegengehalten und ihre weiter erkennbaren Probleme im Angriff kampfstark und zusehends zielsicherer kaschiert.
Vorgesehen war nach fünf sieglosen Bundesliga-Partien ein Maximalerfolg. „Wir kommen mit zwei Punkten wieder,“ lautete die Prognose von Chefcoach Johannes Sellin, was sein Team in einem torarmen Spiel auch couragiert zum Ausdruck brachte. Nach knapp fünf Minuten erst ging Eisenach in seiner von Bratwurst-Dunst durchzogenen Halle, in der es alle 15 Saisonpunkte bislang geholt hatte, in Führung. Die Abwehrreihen dominierten das Duell, in dem der HCE aufmerksam und aggressiv verteidigte. Tim Gömmel markierte Erlangens ersten Treffer (6.). Marek Nissen und Sander Øverjordet glichen ebenfalls aus.
Im Angriff sollte es trotzdem holpern. Die Abstimmung passte nicht, die Abschlusseffizienz war schwach. Weil zumindest Øverjordet seinen Freiraum nutzte, hieß es 4:4 (11.). Im emotionalen Auf-und-Ab zog Eisenach danach aber davon, eingeladen von schlampigen Gästen. Als Peter Walz im Gegenstoß das 8:4 der Thüringer erzielt hatte (16.), war der Zwischenstand kritisch.
Andri Rúnarsson wird für Erlangen wichtig - Viggó Kristjánsson macht die 1000 voll
Dass Andri Rúnarsson nach sechs torlosen HCE-Minuten traf, wurde nun wichtig. Von Vorteil war auch, dass Khalifa Ghedbane besser ins Spiel fand. Nachdem der Keeper den Ball nach einem Aellen-Wurf von der Torlinie gepatscht und Metzner getroffen hatte, waren widerstandsfähige Franken wieder dran. Eisenach ließ sich aber nicht beirren. Auch nicht von Viggó Kristjánsson, der vom Siebenmeterstrich auf 9:10 stellte (24.). In der Abwehr arbeitete Erlangen stark. Vorne misslang viel, auch Viggó Kristjánsson. Mit seinem 1000. Bundesliga-Tor (!) verantwortete Erlangens Topscorer per Siebenmeter immerhin knochentrocken den 10:13-Halbzeitstand.
„Wir stehen in der Abwehr sehr gut, müssen uns im Angriff aber deutlich steigern“, erklärte Defensivspezialist Scheerer den Steigerungsbedarf vor Wiederbeginn. Eine Wurfquote von nur 50 Prozent diente als Beleg. Øverjordet und Nissen korrigierten den Eindruck akkurat, Ghedbane verhinderte ein weiteres Gegentor. Als Kristjánsson an ThSV-Keeper Spikic per Siebenmeter gescheitert war und es erneut aus dem Feld heraus an Genauigkeit mangeln ließ, war es wieder komplizierter, ehe Antonio Metzner zweimal traf und den Anschluss verpasste.
Marek Nissen dreht am Ende auf - Gegen Minden geht‘s für den HCE in Nürnberg weiter
Die Partie war längst ein Krimi, als Nissen, Øverjordet und Christopher Bissel, der vom Siebenmeterstrich übernahm, entschlossen netzten. Kristjánsson gelang mit einem Wurf ins leere Tor ebenfalls der Anschlusstreffer. Der Schlagabtausch im Schatten der Wartburg nahm weiter Fahrt auf. Nissen traf resolut zum 22:22. Bissel nutzte einen Abpraller zu Erlangens erster Führung (53.). Der HCE hatte sich in die Partie gebissen. Ghedbane parierte, Nissen traf weitere Male vehement, ehe Øverjordet die Siegchance ausließ. Im Heimspiel gegen Minden, am 8. März in Nürnberg zu Gast, wird das HCE-Ziel gleichbleiben. „Wir wissen, wo wir stehen“, hatte Maciej Gebala bereits vor dem Eisenach-Spiel gesagt.
HC Erlangen: Ghedbane, Herceg; Nissen 6, Øverjordet 5, Bissel 3/3, Metzner 3, Kristjánsson 3/2, Rúnarsson 2, Gömmel 2, Scheerer 1, Bialowas, Firnhaber, Buck, Gebala.





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