
Sie liegt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vergleichsweise noch hoch, die Wohneigentumsquote. 61,8 Prozent errechnet das Pestel-Institut in einer Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis, die Untersuchung entstand im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Zum Vergleich: Die bundesweite Quote liegt bei 43,5 Prozent und damit weit unter der im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, wo es aktuell rund 27.800 Wohnungen gibt, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. Zwölf Prozent dieser Eigentumsformen sind Eigentumswohnungen.
„Deutschland ist ein ‚Mieter-Land‘ und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Junge Erwachsene in Weißenburg-Gunzenhausen können sich Wohneigentum seltener leisten
Rund 17.800 Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren leben nach Angaben des Pestel-Instituts im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Diese Altersgruppe kann sich nach Aussage der Forscher immer seltener ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung leisten. „Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, erläutert Günther.
Immer mehr Menschen dieser Generation müssen dauerhaft zur Miete wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Günther weiter.
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert die fehlende staatliche Unterstützung. „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, erklärt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger. Metzger fordert die Bundesregierung auf, ein Programm für Wohneigentum zu entwickeln.
„Notwendig sind direkte Zuschüsse. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: Ein Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum“, so Metzger. Zusätzlich sei ein Niedrigzinsprogramm notwendig. Die Förderung müsse auch mit wenig Eigenkapital funktionieren.
Wohnungsbau-Experte fordert langfristige Förderung statt kurzfristiger Unterstützung
„Das bedeutet dann aber auch, den Gürtel enger zu schnallen. Von Urlaubsreisen bis zum Autokauf: Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen, lebt dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wände und zahlt keine Miete mehr“, erläutert Metzger. Die Förderung dürfe kein „kompliziertes Bürokratiemonster“ werden.
Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, fordert eine schnelle und einfache Bereitstellung des staatlichen Startkapitals sowie zinsgünstiges Baugeld. Zapf verlangt außerdem eine langfristige Garantie der Bundesförderung für Wohneigentum. „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben. Wer sich heute entscheidet, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates steht“, so Hannes Zapf.
Metzger appelliert an die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und ganz Bayern. „Im Koalitionsvertrag steht klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“, fragt die Verbandspräsidentin. Passiere nichts, gehe die Hängepartie weiter. „Alle warten auf Unterstützung vom Bund. Solange die nicht kommt, liegt der Traum von den eigenen vier Wänden weiterhin auf Eis“, so Metzger.
Pestel-Institut: Mieter im Alter deutlich schlechter gestellt als Eigentümer
Das Wohneigentum spielt auch für die Altersvorsorge eine wichtige Rolle. „Als bewohnbare Rente – als ein Stück ‚Rente in Stein‘ nämlich“, macht Zapf deutlich. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Rente und haben weniger Geld zur Verfügung. „Die Baby-Boomer gehen jetzt nach und nach in Rente. Damit haben sie deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibt aber oder steigt sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm“, erklärt Günther.
Für den Chef-Ökonomen des Pestel-Instituts ist die „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“. Wer Wohneigentum besitzt, komme finanziell im Alter „deutlich besser über die Runden“.


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