Nürnberg - Keine Standortschließungen, keine betriebsbedingten Kündigungen: Der Tarifvertrag zwischen dem Versicherungskonzern Ergo und der Gewerkschaft Verdi hat auch Auswirkungen auf den Verwaltungsstandort Nürnberg.
20.02.2026 15:03 Uhr

Die Vereinte Dienstleitungsgewerkschaft (Verdi) hat mit dem Versicherungskonzern Ergo einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung und zum Standorterhalt geschlossen. Wie Verdi in einer Pressemitteilung schreibt, gilt die Vereinbarung fünf Jahre lang bis zum 31. Dezember 2030 und soll die vom Unternehmen geplante Transformationsphase hin zu mehr Digitalisierung und neuer Arbeitsorganisation sozial abfedern.

Die Ergo, eine Tochtergesellschaft der Munich Re, hat laut Verdi derzeit knapp 17.000 Beschäftigte und plant im Zuge der Transformation den Abbau von tausend Stellen, insbesondere durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Kundenbetreuung. Der neue Tarifvertrag sehe den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und den Erhalt großer Verwaltungsstandorte des Unternehmens in Nürnberg, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim und München, heißt es weiter.

Ergo-Tarifvertrag als starkes Signal für die Versicherungsbranche

„Transformation braucht feste soziale Leitplanken“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Deniz Kuyubasi. „Mit dem neuen Tarifvertrag für einen sozialen Ordnungsrahmen bei der Ergo ist genau das gelungen: Bis Ende 2030 wird es weder betriebsbedingte Beendigungskündigungen noch Standortschließungen geben, dafür aber gezielte Qualifizierungsangebote. Das schafft Planungssicherheit für die Beschäftigten und ist ein starkes Signal auch für andere Unternehmen der Branche mit ähnlichen Strategieplanungen.“ Kuyubasi betont, dass Verdi die konkrete Umsetzung des Tarifvertrags jederzeit konstruktiv, aber auch kritisch begleiten werde.

Die Gewerkschafterin kündigt zudem an, dass Verdi ab Ende März mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) über einen allgemeinen Tarifvertrag für die Transformationspläne der Branche insgesamt verhandeln werde: „Nicht nur die Beschäftigten brauchen klare Perspektiven, was auf sie zukommt – auch die Unternehmen sind auf ihre Fachkräfte angewiesen, die sie im Veränderungsprozess motivieren und mitnehmen müssen.“

Versicherungsbranche: Tarifverhandlungen beginnen am 26. März in München

Der Einsatz neuer Technologien und digitaler Prozesse könne zu modernen, attraktiven Arbeitsplätzen führen, berge aus Sicht der Beschäftigten aber auch große Risiken, wie Abbau und Auslandsverlagerung von Jobs, Arbeitsverdichtung und rasanter Kompetenzwandel, so Verdi. „Ein Tarifvertrag Transformation bedeutet: Wir wollen die Zukunft gemeinsam gestalten, damit nicht nur die Markterfordernisse im Blick bleiben, sondern ebenso die Interessen der Beschäftigten.“ Die Gewerkschaft will in den anstehenden Tarifverhandlungen, die am 26. März in München beginnen, Regelungen zur Beschäftigungssicherung, zur Senkung der Arbeitsbelastung und ein tarifvertragliches Recht auf Qualifizierung fordern.