Nürnberg - Harsche Kritik aus Nürnberg in Richtung Bund: Sozialreferentin Elisabeth Ries fordert das Innenministerium auf, die Aussetzung der Zulassungen zu Integrationskursen, umgehend zurückzunehmen. Ries warnt vor den Folgen für Kommunen und Gesellschaft.
19.02.2026 19:24 Uhr

Wie die Stadt Nürnberg mitteilt, reagiert das städtische Referat für Jugend, Familie und Soziales mit großem Unverständnis auf die kurzfristig verkündete Aussetzung der Zulassungen zu Integrationskursen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Veranlasst hat diesen Schritt das Bundesinnenministerium. Künftig sollen bis auf Weiteres keine neuen Zulassungen mehr erteilt und bereits vorliegende Anträge abgelehnt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bundesweit sind nach Angaben des Bundesministeriums des Innern im Jahr 2026 rund 130 000 Menschen davon betroffen – darunter EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, Asylbewerberinnen und Asylbewerber, Geduldete sowie viele Geflüchtete aus der Ukraine. Im ersten Halbjahr 2025 entfielen 44 Prozent aller Integrationskursteilnehmenden auf diese Gruppe.

Elisabeth Ries, Sozialreferentin der Stadt Nürnberg, (SPD) kritisiert: „Diese Entscheidung ist ein schwerer Schlag für die Integration vor Ort und führt zu erheblichen Lücken im bestehenden Sprachbildungssystem. Sprache ist der Schlüssel zu Arbeit, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.“ Wer Menschen den Zugang zu Integrationskursen verwehre, nehme ihnen faire Chancen, belaste das Bildungssystem, schade der örtlichen Wirtschaft – und verschiebe die Folgen auf die Kommunen, so Ries. „Die Bereitschaft vieler Menschen, schnellstmöglich Deutsch zu lernen und sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen, wird damit erheblich ausgebremst.“

Das Referat für Jugend, Familie und Soziales warnt neben den individuellen Folgen vor gravierenden Auswirkungen auf das gesamte Kurssystem aufgrund der fehlenden Planungssicherheit. Wenn Kurse mangels ausreichender Teilnehmerzahlen nicht mehr zustande kommen, drohe eine nachhaltige Schwächung der bestehenden Strukturen.

Nürnbergs Sozialreferentin: „Kurzfristige Einsparungen auf Bundesebene dürfen nicht zu langfristigen Belastungen der Städte führen.“

Gleichzeitig würden die Risiken für langfristige soziale Folgekosten in Jobcentern, Schulen, Kitas und im sozialen Sicherungssystem steigen. Ries: „Kurzfristige Einsparungen auf Bundesebene dürfen nicht zu langfristigen Belastungen der Städte führen – weder finanziell noch gesellschaftlich.“ Sie fordert, gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag, den Bund „nachdrücklich“ auf, den Zulassungsstopp umgehend zurückzunehmen und Veränderungen stets im Dialog mit den Kommunen zu gestalten.

In Nürnberg sind derzeit 17 Integrationskursträger tätig, im Jahr 2024 waren über 3300 Menschen in Integrationskursen. Die Stadt bietet in der Zentralen Anlaufstelle Migration gemeinsam mit den Trägern der Flüchtlings- und Integrationsberatung einen Beratungsschwerpunkt zum Deutschspracherwerb an und flankiert die Mittel des Bundes durch das Kommunale Programm Deutschspracherwerb freiwillig aus Haushaltsmitteln, um nachhaltige Integration und Arbeitsmarkterfolge für Zugewanderte in Nürnberg zu sichern.