
Die rund 200 Gastro-Betriebe im Landkreis Bayreuth profitieren von der Mehrwertsteuer-Senkung, doch viele Beschäftigte gehen leer aus: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer bezahlen – nämlich nur noch sieben statt 19 Prozent. „Von jedem Zehn-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant lässt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht im Portemonnaie der Beschäftigten“, sagt Marcel Adelhardt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. wie die NGG meldet.
Auch der Gast merke von dem Steuergeschenk, das die Bundesregierung den Gastronomen gemacht habe, so gut wie nichts: „Ein Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten im Landkreis Bayreuth ist wie erwartet ausgeblieben“, so Marcel Adelhardt. Der Geschäftsführer der NGG Oberfranken wird deutlich: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen im Landkreis Bayreuth stecken das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk für sie übrig bleibt, in die eigene Tasche“, sagt Adelhardt.
Mindestlohn und steigende Kosten für Personal
Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“, so Adelhardt: „Geichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist schäbig. Und noch dreister wird es, wenn sich Gastwirte oder Restaurantbesitzer noch darüber beklagen, dass sie 1,08 Euro beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist. Das ist jedoch das absolute Minimum“, sagt Marcel Adelhardt.
Der Geschäftsführer der NGG Oberfranken warnt vor „unschöner Gastronomen-Gier“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Adelhardt. Der liege für eine gelernte und erfahrene Fachkraft in Bayerns Gastronomie bei immerhin 19,62 Euro pro Stunde.
Tarifflucht und Auswirkungen auf Beschäftigte
Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe im Landkreis Bayreuth betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte und Hoteliers im Landkreis Bayreuth schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Zuschläge an Sonn- und Feiertagen und um Urlaubsregelungen“, so Marcel Adelhardt. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“. Hierfür sei gerade der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband verantwortlich, so die Gewerkschaft.
„Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Adelhardt. Insgesamt arbeiten im Landkreis Bayreuth nach Angaben der NGG Oberfranken rund 1.700 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Küche über den Service bis zur Hotelrezeption. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.
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