
Auf der Hilpoltsteiner Burg werden immer wieder neue Geheimnisse gelüftet. Aber man muss schon recht genau hinsehen, um an den noch stehenden Gebäuderesten Rückschlüsse auf den Wohlstand der Burgbewohner zu ziehen. Die dort bei Grabungen 1988 bis 1991 geborgenen Ofenkacheln wurden durch eine Forschungsarbeit von Harald Rosmanitz inzwischen näher untersucht und zeigen den Luxus, in dem die Witwe des Pfalzgrafen Ottheinrich II. gelebt hat. Frei nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ wurden die eigenen vier Wände mit dem Feinsten vom Feinen ausgestattet. Kriege und der Zahn der Zeit haben das meiste davon unwiederbringlich zerstört. Die kleingeschlagenen Ofenkacheln geben uns jedoch eine recht genaue Vorstellung davon, wie prächtig die einstige Innenausstattung gewesen sein muss.
Harald Rosmanitz vom Archäologischen Spessartprojekt, einem Institut an der Universität Würzburg, hat im Rahmen eines Forschungsprojekts die noch erhaltenen Fragmente über mehrere Jahre hinweg erfasst und erforscht. Sie bilden einen festen Bestandteil der Datenbank zur süddeutschen Ofenkeramik, die inzwischen mehr als 89.000 Objekte umfasst. 2023 konnten die Forschungsergebnisse in einem 34-seitigen Aufsatz vorgelegt werden.
Forschungsergebnisse und ihre Bedeutung
Bei genauerer Betrachtung verraten die 1216 Datensätze von der Burg Hilpoltstein eine Vielzahl von Geheimnissen. Sie bauen eine Brücke in die Bilderwelt und das Denken unserer Ahnen und zeugen vom umfassenden humanistischen Weltbild der Altvorderen. Die Bilderwelt, die in die Öfen eingebunden war, konnte topaktueller nicht sein. Designer schufen vor allem in Nürnberg nach neuesten Ideen Reliefs, die nach kürzester Zeit auch in Hilpoltstein zu sehen waren.
Bei den Kachelfragmenten wird der Betrachter fast immer mit kleinen Kunstwerken konfrontiert, die massenhaft von Töpfern vor Ort und von jenen Keramikproduzenten stammen, die in der nahegelegenen Reichsstadt ihrem Gewerbe nachgingen. Zwischenzeitlich wissen wir, dass Nürnberger Keramikschaffende mit ihren Erzeugnissen auch die Residenz in Neuburg an der Donau und die Hofhaltung des Bayerischen Herzogs in Ingolstadt belieferten.
Künstler und regionale Einflüsse
Der wohl schönste Ofen ist jener aus der Hand des Stardesigners Wolfgang Leupold. Er zeichnete unter anderem für die Inneneinrichtung des Nürnberger Rathauses, eines der prächtigsten seiner Zeit, verantwortlich. Jetzt hat der Museums- und Heimatverein Hilpoltstein die Gelegenheit, diese prächtigen Geheimnisse einem breiten Publikum vorzustellen. Am Aschermittwoch, 18. Februar, um 19.30 Uhr, kommt Harald Rosmanitz auf Einladung des Vereins in den Saal vom historischen Gasthaus „Schwarzes Roß“ und erzählt die spannenden Geschichten von den Hilpoltsteiner Ofenkacheln in Wort und Bild. Die Besucher bekommen sogar Gelegenheit, Fragmente der Kacheln, die im benachbarten städtischen Museum lagern, in die Hand zu nehmen.
Tauchen wir also ein in die Welt der kleinen Reliefs, die uns viel Geschichte und viele Geschichten zu erzählen haben. Der Eintritt ist frei. Harald Rosmanitz hat an den Universitäten in Heidelberg und Karlsruhe Kunstgeschichte, Ur- und Frühgeschichte sowie Geschichte studiert. Seiner Magisterarbeit zu den barocken Kachelöfen in Karlsruhe-Durlach schloss er seine archäologischen Untersuchungen in Ettlingen und Karlsruhe-Durlach an.
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