Berlin - Der Nürnberger Bundestagsabgeordnete Michael Frieser hat in 17 Parlamentsjahren schon Abertausende von fränkischen Gästen begrüßt. Wie solche Besuche ablaufen und welche Fragen die Bürger stellen.
14.02.2026 15:00 Uhr

Der Nürnberger Michael Frieser (61) ist inzwischen einer der altgedienten Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Er gehört dem Parlament seit bald 17 Jahren an. Die Gesetze, an denen er mitwirkte, sind kaum noch zu zählen. Ebenso wenig die fränkischen Besucherinnen und Besucher, die er empfing. Eine mittlere fünfstellige Zahl dürfte es in all der Zeit auf jeden Fall gewesen sein.

Der Politiker betrachtet die Gespräche mit diesen Gästen als einen zentralen Aspekt seines Abgeordnetendaseins und nicht als eine Sache, die man nebenbei erledigt, weil es sich halt so gehört. Er nimmt sich in der Regel eineinhalb Stunden Zeit dafür und erlebt positive Wirkungen in beide Richtungen. Er selbst erfährt aus erster Hand, was die Bürger umtreibt. Und er kann Aufklärungsarbeit über den Politikbetrieb leisten.

Die leeren Stuhlreihen im Bundestag sind fast immer ein Thema

Was dann auch gleich zur ersten Interviewfrage an ihn führt: Was interessiert die Gäste am meisten? Michael Frieser muss nicht lange überlegen. Die leeren Stuhlreihen im Plenarsaal des Bundestages, die man bei Fernsehübertragungen oder auch auf Fotos sehen kann, irritieren viele Menschen. Immer wieder aufs Neue erklärt der Abgeordnete, warum das so ist. Er versteht durchaus, dass auf den ersten Blick ein seltsamer Eindruck entsteht.

Politiker haben in den jährlich gut 20 Berliner Sitzungswochen Termine vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Da wären unter anderem Ausschusssitzungen, Treffen von Arbeitskreisen, Gespräche mit Experten. Parallel dazu laufen die Beratungen im Plenarsaal. Bei denen geht es oft um absolute Fachthemen aus den Bereichen Umwelt-, Finanz-, Verteidigungs-, Gesundheits- und Rechtspolitik. Diejenigen, die das nötige Spezialistenwissen mitbringen und an den Gesetzen mitgewirkt haben, sind vertreten. Alle anderen hätten gar nicht so viel beizutragen. Es wäre verschenkte Zeit.

„Wir sind ein Arbeitsparlament“, sagt Frieser, und das bedeute eben gerade nicht, sich ununterbrochen bis zu zwölf Stunden lang die Debatten anzuhören, sondern sich intensiv um seine Themen zu kümmern. „Wenn ich es so erkläre, dann verstehen das die Besucherinnen und Besucher auch“, fasst er diesen Aspekt zusammen. Außerdem sähen die Gruppen ja mit eigenen Augen, welch ein „Bienenstock“ das Parlament in den Sitzungswochen sei.

Einen wesentlichen Teil der Gäste machen Schulklassen aus. Jährlich sind es derzeit etwa 2500 Jugendliche aus allen Schultypen, die Michael Frieser empfängt. Er hat die Zahl nach oben geschraubt, seit er der einzige direkt gewählte Abgeordnete Nürnbergs ist. Sein Kollege Sebastian Brehm (Nürnberg-Nord) hatte zwar den Wahlkreis gewonnen, durfte aber wegen der Wahlrechtsreform trotzdem nicht ins Parlament einziehen. Generell hat sich seit der letzten Legislaturperiode die Zahl der Nürnberger Volksvertreter fast halbiert, von sieben auf vier.

Die Schülerinnen und Schüler haben in aller Regel etwas andere Fragen an den Abgeordneten als die Erwachsenen. Platz eins: „Wohnen Sie in Berlin?“, Platz zwei: „Wie sieht eigentlich Ihr Arbeitstag aus?“. Erst danach kommen die Fachthemen. In dem Alter denke man eben praxisnäher, erklärt sich Frieser diese unterschiedliche Herangehensweise von jüngeren und älteren Menschen.

Bekommt der Nürnberger bei seinen erwachsenen Gästen nicht auch immer genau die Wut über die Politik zu spüren, die die Debatte in den sozialen Netzwerken so sehr dominiert? Das erlebt er kaum. Diejenigen, die ohnehin mit dem angeblichen „System“ oder den „Kartellparteien“ abgeschlossen haben, melden sich für die Bundestagsfahrten ihres Wahlkreisabgeordneten erst gar nicht an. „Mir wäre es recht, wenn manchmal einer dabei wäre“, sagt Frieser, denn er scheue die Auseinandersetzung nicht und könne bestenfalls vielleicht sogar Missverständnisse aufklären.

Manchmal führt Michael Frieser auch Kunstinteressierte durch den Bundestag

Einmal oder zweimal im Jahr nimmt sich der persönlich sehr kulturinteressierte Abgeordnete auch Zeit für Kunstführungen durch den Deutschen Bundestag. Da bestehen die Gruppen dann lediglich aus 15 Personen. Das Parlament verfügt über eine der größten Sammlungen zeitgenössischer Kunst - von Joseph Beuys über Gerhard Richter bis zu Christian Boltanski und Günther Uecker.

Michael Frieser, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien, ist immer wieder fasziniert davon, wie schnell es trotz mancher vermeintlich sperriger Objekte gelingt, ins Diskutieren über Politik zu kommen. Da kann eine Installation aus vier von der Decke hängenden Achter-Ruderbooten mehr Emotionen auslösen als die Betrachtung von Details aus dem Gesetzgebungsprozess.