München - Wir haben nicht nur Reporter in Nürnberg und unseren Außenredaktionen, sondern auch Korrespondenten in Berlin und München. Roland Englisch berichtet seit vielen Jahren regelmäßig aus der Landeshauptstadt.
05.02.2026 17:00 Uhr

Die Arbeit als Korrespondent in München hat sich stark gewandelt: Als ich 1990 nach München gegangen bin, da war die Welt noch übersichtlich, die bayerische zumal. München betrachtete sich als Nabel der Welt und Nürnberg als irgendetwas ganz am Rand des Blickfeldes. Drei Parteien teilten sich die Plätze im Landtag, die absolute Mehrheit der CSU schien zumindest in den Augen ihrer Spitzenleute gottgegeben. Und die SPD hatte sich mit der Rolle der starken Oppositionsführerin abgefunden.

Heute, fünf Ministerpräsidenten später, ist die Welt eine andere. Die Franken haben sich ihres Selbstwertes besonnen und an Selbstbewusstsein zugelegt. München sieht sich zwar immer noch als Nabel der Welt, dafür hat die CSU gelernt, dass selbst das C im Namen die Mehrheit nicht retten kann. Die SPD kippt gerade aus dem Parlament, und aus der einst konservativ-biederen Partei CSU ist eine Internet-affine Truppe geworden, die die sozialen Medien bespielt wie kaum eine andere.

Das bringt uns zu Markus Söder, der sich natürlich im Zentrum der landespolitischen Berichterstattung wiederfindet. Söder ist ein bisschen wie Koriander für unsere Leser: Entweder sie lieben oder sie verachten ihn. Die einen finden, wir schreiben viel zu viel und viel zu nett über ihn, die anderen, dass es mehr und freundlicher sein könnte. Die Zahl derer, die von beidem etwas in sich spüren, ist, das legen Ihre Zuschriften nahe, dürfte übersichtlich sein. Der Nürnberger nimmt das in Kauf; er polarisiert durchaus bewusst und grenzt sich damit auch gegen seine Vorgänger ab, von Franz Josef Strauß vielleicht mal abgesehen.

Für Korrespondenten macht es das einfacher - und schwer zugleich. Politik, und mit ihr die Berichterstattung über sie, ist ein lautes Geschäft geworden, getrieben von hohem Tempo. Unser Job ist es, dass die Inhalte trotzdem sichtbar bleiben und nicht hinter den Homestorys verschwinden. Vor allem aber verstehen wir uns als das Ohr unserer Heimat in einer Hauptstadt, die gerne nur sich selbst sieht. Damit Franken und die Oberpfalz das Gewicht haben, dass sie auch verdienen.