
Vom 9. bis 11. Januar zählten rund 29.600 Teilnehmer in mehr als 21.300 Gärten und Parks in Bayern insgesamt 626.600 Vögel bei der 21. Stunde der Wintervögel, teilt der Landesbund für Vogelschutz mit. Die Aktion wird vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und seinem bundesweiten Partner NABU durchgeführt. Das winterliche Wetter mit Schnee, Eis und Kälte erschwerte vielen Vogelarten die Futtersuche im Freiland und trieb sie an die Futterstellen in der Nähe der Menschen.
Die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten lag bei etwa 29 Vögeln und damit rund zwei Individuen unter dem Vorjahreswert. „Anders als im vergangenen Jahr blieben große Einflüge von Bergfinken und anderen nordischen Wintergästen wie Erlenzeisigen aus. Solche großen Vogelschwärme können die Durchschnittswerte deutlich nach oben treiben und hatten 2025 vermutlich einen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis“, erklärte die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.
Haussperling und Kohlmeise führen Wintervogel-Rangliste trotz anhaltenden Artenschwunds in bayerischen Gärten an
Ein kontinuierlicher Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten lasse sich jedoch nicht von der Hand weisen. Viele Teilnehmer berichten von einem Schwund von früher häufigen Vögeln in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ein Blick auf die vergangenen 20 Jahre zeige, dass sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl der Vögel im Garten abnimmt. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Vor allem fehlt es vielen Vogelarten zunehmend an geeigneten Lebensräumen und genügend Insekten zur Jungenaufzucht.
Die Spitze der Rangliste der häufigsten Wintervögel blieb stabil mit nur geringfügigen Verschiebungen. Der Haussperling führt die Top Ten an, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Dahinter tauschten Amsel und Blaumeise die Plätze - die Amsel rückte auf Rang vier vor. Als Bodenfresser benötigt sie schneefreie Stellen, die sie hauptsächlich an Futterstellen fand. Davon profitierte auch das Rotkehlchen und schaffte es auf Rang neun. Vor ihm liegen Buchfink (sechs), Elster (sieben) und Grünfink (acht). Den Abschluss bildet die Rabenkrähe (zehn). Der Bergfink, der im vergangenen Jahr auf Platz sieben lag, verschwand wieder aus den Top Ten. Er ließ sich kaum in Bayern blicken.
Kranich-Winterflucht und seltene Zugvögel sorgen bei Vogelzählung für Überraschungen
Über die häufigen Wintervögel hinaus gab es weitere Beobachtungen. Fliegende Formationen laut rufender Kraniche überraschten einige Teilnehmer. „Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende: Kraniche versuchen zunehmend, in Norddeutschland zu überwintern, bei anhaltender Kälte ziehen sie jedoch rasch entlang ihrer üblichen Route weiter nach Südwesten“, ordnete Angelika Nelson ein. Da die wichtigste Zugroute über Hessen führt, konnten nur Teilnehmer in Nordbayern dieses Naturschauspiel genießen. Auch Kormorane sammelten sich und suchten gemeinsam nach eisfreien Flüssen und Seen, um dort Fische zu fangen. Dabei wurden sie im Vorbeifliegen oft von Teilnehmern gemeldet.
Für Staunen sorgten einzelne Meldungen von Wiedehopf, Bekassine, Zippammer und Brachvogel. Bei allen handelt es sich um Zugvögel, die normalerweise die kalte Jahreszeit in südlichen Gefilden verbringen und zudem als selten und scheu gelten. Durch Schnee und Frost wurden sie an leicht erreichbare Nahrungsquellen in die Nähe von Siedlungen und oft direkt an die Futterstellen getrieben. Besonders bemerkenswert waren die Beobachtungen des Wiedehopfs. Bereits vor der Stunde der Wintervögel gingen beim LBV entsprechende Meldungen mit Fotobeweis aus dem Landkreis Forchheim in Oberfranken ein.
Wiedehopf und Kraniche weichen bayerischem Winter aus - Nächste Vogelzählung im Mai geplant
„Der Wiedehopf ist eine wärmeliebende, auf größere Insekten angewiesene Art und zählt zu den Langstreckenziehern, die normalerweise südlich der Sahara überwintern“, sagte die LBV-Biologin Nelson. „Das winterliche Wetter erschwerte einigen Vogelarten die Futtersuche im Freiland und brachte auch ungewöhnliche Besucher an die Futterstellen und in die Nähe der Menschen“, erklärte Nelson. „Der große Einflug von Wintergästen aus dem Norden blieb heuer aus. Dafür zogen manche der daheimgebliebenen Vögel wie Kraniche über Bayern fluchtartig nach Süden auf der Suche nach schnee- und eisfreien Flächen.“
Wie dem Bericht des LBV Hilpoltstein zu entnehmen ist, ist die Stunde der Wintervögel Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion. Die gesammelten Meldungen geben einen Einblick in die heimische Vogelwelt. Die Ergebnisse aus allen bayerischen Regierungsbezirken und Landkreisen sind unter www.stunde-der-wintervoegel.de einsehbar. Die nächste Vogelzählung findet vom 8. bis 10. Mai statt. Dann rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU alle Vogelfreunde auf, bei der „Stunde der Gartenvögel“ die Brutvögel in den Gärten und Parks zu zählen.
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