
Die Vorfreude auf einen besonderen Handball-Abend war verständlich. Messbar war sie auch und mit dem Blick zurück und in die Zukunft recht gut zu erklären. In Weißenburg, wo der HC Erlangen knapp drei Wochen vor dem Start in die Restsaison gegen Talent Pilsen einen ungefährdeten und fulminanten Testspiel-Erfolg feierte, illustrierte bereits vor dem 40:19 (19:11) die schon seit Jahresbeginn mit rund 700 Zuschauern ausverkaufte Seeweiherhalle die Begeisterung über das Comeback des Hochleistungshandballs.
Von 2004 an war die Große Kreisstadt im europäischen Pflichtspiel-Betrieb eine ganze Zeitlang Veranstaltungsort gewesen, hatte den Club-Handballerinnen dabei eine Champions-League-Heimat geboten. Dass sich Sebastian Firnhaber, der gegen das tschechische Spitzenteam im nachtschwarzen Trikot seine erneute Rückkehr auf die Platte feierte, unermesslich freute, war ebenfalls klar. Für alle, die für den HCE im südlichen Mittelfranken auf und neben dem Feld im Einsatz waren, galt das am Freitag in ähnlicher Form. Eine gute Stimmung war während und nach einem einseitigen Kräftemessen, das der Bundesliga-Zwölfte sehr souverän zu seinen Gunsten entschied, auf jeden Fall zu konstatieren.
Scheerer, Bissel und noch mehr: In Weißenburg geht‘s für den HC Erlangen schwungvoll los
Der HCE gefiel in Weißenburg von Anfang an. Der junge Tin Herceg, der in Abwesenheit des bei der Afrikameisterschaft weilenden Khalifa Ghedbane das Tor im ersten Durchgang hütete, parierte prompt. Florian Scheerer erzwang auf der anderen Seite der ziegelroten Spielfläche den Siebenmeter, den Kapitän Bissel zur Führung nutzte.
Nachdem Marek Nissen mit einem knackigen Wurf das 2:0 erzielt und Tim Gömmel nach einem flotten Gegenstoß aufgestockt hatte, war der aus Erlanger Sicht positive Verlauf vorgezeichnet. Christopher Bissel nach flotter Ballzirkulation und Sander Øverjordet über die Schnelle Mitte organisierten dem Team von Johannes Sellin bei einem schwungvollen Offensivvortrag aus einer extrem konzentriert arbeitenden Deckung heraus mit ihren Treffern ein 5:2 (7.).
Dass der HCE, im Vorjahr nach dem Chefcoach-Comeback von Sellin von einem sicheren Absteiger zu einem Team im gesicherten Mittelfeld gereift, seinen Reifeprozess beim ersten Auftritt im neuen Jahr nicht ohne Gegenwehr fortsetzte, zeigten die darauffolgenden Minuten. Talent Pilsen robbte sich heran, auch weil Erlangen im rasanten Vorwärtsgang nun die ein oder andere Unsauberkeit einstreute oder Alu-Pech im Abschluss hatte. Vor Viertelstundenfrist war der Gegner gleichauf.
Zielsicher in der Spur zurück: Der HCE überfordert den Testspiel-Gegner konsequent
Sorgen musste man sich aus fränkischer Perspektive keine machen. Der HCE schüttelte sich und zog dank Øverjordets Spiellenkung, Hercegs Paraden und wieder zielsicheren Abschlüssen erneut rigoros davon. Antonio Metzner, der im letzten Drittel des vergangenen Halbjahres aufgrund einer Bauchmuskelverletzung gefehlt hatte, stellte auf 10:7. Nach Treffern von Gömmel, Tobias Buck und Bissel war beim Stand von 15:8 eine Sieben-Tore-Führung zu notieren (22.).
Die Zuschauer in Weißenburg hatten sich längst warmgeklatscht. Ausgiebig gejubelt wurde auch, als Bissel den Ball bei einem weiteren Gegenstoß ins Tor drehte und Metzner das 18:10 folgen ließ.
Der Testspiel-Gegner, in der heimischen Liga bei Rundenschluss in den vergangenen Jahren stets auf einem der beiden ersten Plätze platziert, war mit dem Tempo und der Konsequenz auf beiden Seiten des Feldes reichlich überfordert. 19:11 hieß es zur Pause. Die Anhänger des Handballclubs quittierten das im Trommellärm mit anhaltendem Beifall.
Dass Erlangen nach Wiederbeginn nicht nachließ, war die Erwartungshaltung seines Trainers. Der HCE entsprach der Anforderung mit einem weiterhin seriösen Vortrag überaus ansprechend. Øverjordet eröffnete mit seinem Treffer den zweiten Durchgang. Dario Quenstedt, der im Erlanger Tor übernahm, parierte rasch ein erstes Mal, ehe die hinten wie vorne auffälligen Scheerer und Buck mit ihren Toren ein 24:15 als Zwischenstand verantworteten (38.).
Pilsen war dem Sellin-Team, das auch in der Folge kompromisslos verteidigte und traf, nicht gewachsen und bekam Gegentor um Gegentor eingeschenkt. Nachdem Quenstedt das Spielgerät bei einen Siebenmeter an den Querbalken geschaut hatte, sorgte Scheerer am gegnerischen Kreis bierernst für eine Zehn-Tore-Führung. Dass der HCE selbst danach auf Spannung blieb, gefiel Chefcoach bei laut vernehmbaren „Gut-So-Gut-So“-Rufen besonders.
Die Gegenstoß-und-Tore-Maschine der Heimmannschaft lief in Weißenburg bis zum Spielende auf Hochtouren, was Kapitän Bissel und auch Florian Scheerer unerbittlich beförderten. Øverjordet markierte nach einer Dreiviertelstunde im überschäumenden Jubel das 31:17. Firnhaber, der zum 34:18 traf und einen schönen HCE-Abend damit noch schöner machte, erhielt in der Seeweiherhalle Extra-Applaus.
Als Lars Genz den Ball kurz vor Spielende noch einmal akkurat ins Talent-Tor jagte, war der Start ins neue HCE-Jahr in furioser Manier gelungen. Abschließend Wirkung entfaltete der fulminante Auftritt in Weißenburg im Anschluss auch über das reine Resultat hinaus. Nachdem sich Mannschaft und Publikum mit viel Beifall bedacht hatten und die Autogrammwünsche in der neuen Seeweiherhalle erfüllt waren, ging es auch für den HCE nach einer abendlichen Stärkung erst einmal nach Hause.
Das Vorjahr als Messlatte: Gegen Hannover-Burgdorf beginnt die fränkische Rest-Runde
Am Sonntagabend geht der Testspiel-Betrieb in der Vorbereitung auf die rot-blaue Restsaison in rund einer Woche weiter. In Friedberg begegnet der HCE in einer wie in Weißenburg ausverkauften Halle dem Bundesliga-Kontrahenten aus Göppingen zum finalen Formvergleich. An den im erstklassigen Wettbewerb erfreulich erfolgreichen Auftritten des Vorjahres messen kann man Erlangens Erstliga-Handballer vom 10. Februar an, bei gleichbleibender Spritzigkeit in einem wohltuenden Verständnis. Gegen Hannover-Burgdorf kehrt die Punkte-Runde ab 20 Uhr mit angemessen großer Vorfreude nach Nürnberg zurück.
HC Erlangen: Herceg, Quenstedt; Bissel 8, Scheerer 5, Buck 5, Nissen 4, Metzner 4, Gömmel 4, Genz 4, Øverjordet 4, Bialowas 1, Firnhaber 1, Steinert, Gebala.







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