Amberg-Sulzbach - Der Mord an Sophia Lösche hatte die Region erschüttert. Die 28-Jährige war als Tramperin in einen Lkw gestiegen. Der Fahrer ermordete die Ambergerin. Seither macht die Familie den Behörden Vorwürfe. Diese werden nun im ZDF-aufgegriffen.
21.01.2026 17:20 Uhr

„Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, zukünftig zu unserem fürchterlichen Thema gegenüber dem Fernsehen nichts mehr zu sagen. Aber es kam anders“, schreibt Andreas Lösche in einem Facebook-Post in den vergangenen Tagen. Lösche ist der Bruder von Sophia Lösche. Die 28-Jährige wollte im Jahr 2018 von Leipzig nach Amberg trampen. Doch sie erreichte ihr Ziel nie.

Boujemaa L., ein Marokkaner, in dessen Lkw die Studentin eingestiegen war, tötete die junge Frau. Ihr lebloser Körper wurde im Norden Spaniens Tage nach ihrem letzten Lebenszeichen gefunden. Boujemaa L. wurde gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Doch der Fall ließ Lösches Familie und Freunde nie mehr los. „Im Sommer fragten mich Sarah Tacke und Team, ob ich nochmal über die ausbleibende Polizeiarbeit berichten könnte“, schreibt Andreas Lösche in seinem Post. „In der Hoffnung, für die Zukunft die Behörden wenigstens ein bisschen zu motivieren und eventuell doch ein Leben zu retten, habe ich dann doch zugesagt.“

„Auf eigene Faust - wenn Ermittlungen ins Stocken geraten“ heißt die ZDF-Reportage, die in der Mediathek unter https://www.zdf.de/play/reportagen/true-crime-verbrechen-sarah-tacke-100/verbrechen-auf-eigene-faust-wenn-angehoerige-ermitteln-100 abrufbar ist und die unter anderem das Versagen der Behörden im Fall Lösche thematisiert.

Die Familie macht den Behörden schwere Vorwürfe: Die Vermisstenanzeige sei nicht ernst genug genommen worden, man habe zu spät wegen eines Gewaltverbrechens ermittelt. Tatsächlich war es eine private Initiative, die die Polizei auf die Spur des Täters brachte. Freunde und Verwandte von Lösche machten die Spedition in Marokko ausfindig, für die Boujemaa L. er fuhr, telefonierten sogar mit ihm. Fünf Tage nach dem Verschwinden von Lösche wurde er im spanischen Andalusien festgenommen.

Das Gericht hätte zudem in der späteren Verhandlung Erkenntnisse der spanischen Behörden zum Todeszeitpunkt ignoriert, so die Vorwürfe. Seit dem Tod von Sophia kämpft die Familie vor allem dafür, dass Polizeiarbeit verbessert und die Gesellschaft für Gewalt gegen Frauen sensibilisiert wird.

Ein weiterer Aspekt lässt die Familie nicht zur Ruhe kommen: Bereits Monate nach dem Mord an Sophia liefen Neonazis bei ausländerfeindlichen Demonstrationen mit einem Foto von Sophia durch deutsche Innenstädte. Lösches Familie begann sich zu wehren - und tut das bis heute.

Sieben Jahre nach dem Tod seiner Schwester hat der Bruder im Juni 2025 Anzeige gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Miguel Klauß erstattet. Der Politiker hatte zum Jahrestag des Mordes ein Foto der jungen Frau gepostet und dazu geschrieben: „Wir vergessen nicht!“ Die Familie sieht dadurch das Andenken an Lösche verletzt, spricht von einem Missbrauch und einer Verletzung des „postmortalen Persönlichkeitsrechts“.