
Kein Bild von ihm auf Krücken, so hat es Markus Söder im klösterlichen Seeon verfügt. In den sozialen Medien hat er das anders gehandhabt und ein (!) Bild seiner Gehhilfen gepostet – ohne ihn am Gerät. Niemand weiß besser als er, welche Wucht in Bildern stecken kann. Ganze Abteilungen in den Parteizentralen sind nur damit beschäftigt, wie sie ihre Chefs und Chefinnen perfekt in Szene setzen. Und wie sie das Gegenteil verhindern.
Söder hat mit seinem Bild den Diskurs bestimmt. Er hat seine Operation öffentlich gemacht und gleichzeitig mit dem Foto der Krücken aus seinem Büro signalisiert, dass er trotz eigentlich notwendiger Reha wieder voll im Einsatz ist. Wie sinnvoll, wie vernünftig das ist und welche Botschaft er an Menschen schickt, die ihre Reha ernst nehmen und deshalb für Wochen ausfallen, ist ein anderes Thema.
Für Söder zählt nur das Image des Machers
Söder geht es wie vielen Spitzenpolitikern um das Image des Machers. Sie wollen keine Schwäche zeigen, selbst in Momenten nicht, die ihnen niemand als Schwäche auslegen könnte. Manche gehen damit souveräner um, Angela Merkel etwa, die sich nach ihrem Sportunfall mit Krücken in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, oder Ex-Kanzler Olaf Scholz mit seiner Augenklappe. Beide hätten sich allerdings lange aus der Öffentlichkeit zurückziehen müssen. Ihre Wahlmöglichkeiten waren so gesehen begrenzt.
Beide haben gezeigt, dass sich mit solchen Situationen souverän umgehen lässt. Söder ordnet das für sich anders ein. Das hat auch mit dem Selbstverständnis der CSU zu tun. Als der damalige CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer bei einem Ausflug auf die Chinesische Mauer den Aufstieg abbrechen und auf den Stufen verschnaufen musste, sahen das viele in der Partei als Beginn seines Niedergangs. Max Streibl hat einst die Medien auf seinen Hausberg geführt, weil er beweisen wollte, dass er seinem Amt noch gewachsen und frei von gesundheitlichen Problemen ist – kurz danach war er Geschichte.
Es geht freilich nicht nur um den Moment, sondern um die Macht eines Fotos. Medien brauchen Symbolbilder, sie nutzen teils rücksichtslos die Bildsprache. Ein Söder auf Krücken hätte sich künftig bei jeder Koalitionskrise im Bild wieder gefunden, egal ob in München oder Berlin. Sein Misstrauen ist also durchaus berechtigt. Und es beschäftigt nicht nur ihn. Bis hinunter zu den einfachsten Werbe-Artikeln prüfen die Parteizentralen ihre Wirkung und wie sie sich potenziell umdeuten lassen. Die AfD mit ihren missglückten Phallus-Gummibärchen könnte ein Lied davon singen. Armin Laschet auch, wegen seines Lachers im Ahrtal-Hochwasser.
Insofern ist Söders Entscheidung erklärbar. Wie nachvollziehbar sie ist, lässt sich unterschiedlich beantworten. Zumal Söder über Jahre seine bekannten Hüftprobleme bestritten hat - bis es nicht mehr ging. Manchmal wäre Spitzenpolitikern doch mehr Souveränität im Umgang mit dem Begriff der Schwäche zu wünschen. Denn sie macht sie menschlich.
2 Kommentare
Knatterton
@M95L: ... ich befürchte, eher später. Sehr spät.
16.01.2026 10:47 Uhr